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Sir Patrick Stewart ist Tot

Mit 86 stirbt die Schauspiellegende umgeben von seiner Familie nach einem kurzen Kampf mit Alzheimer und Lewy-Body-Demenz in Los Angeles. Bekannt war der Schauspieler für seine Kultrollen als Jean Luc Picard in „Star Trek: The Next Generation“ und Professor Charles Xavier in den „X-Men“ Filmen. Im Theater war das britische Ausnahmetalent zuhause, auch neben dem Erfolg in Hollywood spielte er auf unzähligen Bühnen in England und den USA mit.

Als er in den 80-Jahren zum ersten Mal als Jean Luc Picard in „Star Trek: The Next Generation“ im US-Fernsehen zu sehen war, war der Name Patrick Stewart in der Welt des Theaters bereits bekannt. Als einer der gefragtesten und am meisten respektierten Schauspieler Englands wagt er den Sprung nach Hollywood. In den USA ist der Schauspieler zu diesem Zeitpunkt aber völlig unbekannt. Mit der ruhigen, besonnen Art, die er Picard verlieh, spielte er ihn auch mit einer Präsenz, die ein Kapitän eines Schiffs braucht. Er spielt sich sofort in die Herzen des amerikanischen Publikums, die Serie verdient im Laufe ihrer Laufzeit zahlreiche Emmys und wird bis heute zur Kultserie. Nach sieben Staffeln endet „Star Trek: The Next Generation“, Stewart und seine Crew spielen ihre Rollen aber noch in vier Filmen – „Star Trek Generations”, „Star Trek: First Contact”, „Star Trek: Insurrection“ und „Star Trek: Nemesis”.

Danach tauscht er die Enterprise NCC-1701-D für die X-Mansion und verkörpert den Marvel Superhelden Professor Charles Xavier in gleich sieben Filmen und diversen Videospielen. Stewart spielt Xavier unter anderem in der original X-Men Trilogie, „Days of Future Past“, dem Film „Logan“ sowie MCU-Film „Doctor Strange: In the Multiverse of Madness”. Im Dezember wird er ein letztes Mal als Charles Xavier im heißersehnten Film „Avengers: Doomsday“ zu sehen sein, zusammen mit seinem langjährigen Freund und Magneto Darsteller Ian McKellen.

Ein schwerer Start

Aufgewachsen ist Sir Patrick Stewart in Mirfield, England im Westen Yorkshires auf und war immer stolz auf seine Herkunft. Seine Eltern Alfred und Gladys waren jeweils in der Armee und als Weberin in einer Textilfabrik angestellt. Zusammen mit zwei älteren Brüdern wächst er in einem heruntergekommenen Haus auf ohne Warmwasser oder eigener Toilette auf. In dieser Gegend teilten sich alle eine Anlage, jede Familie in der Umgebung erhielt einen Stall als Toilette.

Mit 12 wird er zum ersten Mal mit der Welt des Theaters vertraut, seine Englisch-Lehrerin Cecil Dormand verteilte Drehbücher für das Stück „Der Kaufmann von Venedig“ und ermutigte ihn für die Rolle des Shylock vorzusprechen. Sie wird ein Wegbegleiter des Schauspielers werden. Daraufhin beteiligte er sich an örtlichen Dramaklubs in denen er weiter Schauspielte. Mit 15 verlässt er die Schule und arbeitet bei der Zeitung als Lokalreporter, einen Job, den er verlor, weil er zu viel Zeit dem Theater widmete. Durch die Kunstabteilung seiner örtlichen Gemeinde bekam er ein volles Stipendium, um an der bekannten Old-Vic-Theater Schule zu studieren und begann seine Karriere als Schauspieler. 

Mit 19 spielt er in seiner ersten professionellen Rolle Tom Morgan in „Treasure Island“, erste große Rollen sind die von Henry V im gleichnamigen Stück von Shakespeare und die Rolle des Galileo in „Das Leben des Galileo“. Er wird Teil der legendären Royal Shakespeare Company, einer Theatergruppe der besten Schauspieler Englands die Shakespeares Stücke an den größten Theatern weltweit vorführt.

Eine legendäre Karriere

Zu dieser Zeit beginnt auch seine Alopezie, die ihm seinen ikonischen Look verpasst und mit den Figuren Picard und Xavier verbunden werden. Für ihn folgen Auftritte in BBC-Serien und im Theater sowie am Broadway. 1986 gewann er den London Fringe Theater Award als bester Schauspieler für die Rolle des George im Stück „Who’s Afraid of Virginia Woolf?”, für die Rolle des Enobarbus in Shakespeares „Antony und Cleopatra“ kriegt er einen Olivier Award, als Claudius holte er sich 2009 gegenüber von David Tennant einen weiteren Olivier Award ab. 2013 spielt er zusammen mit Langzeitfreund und X-Men Co-Star Ian McKellen gleich bei zwei Broadway Shows hintereinander mit, die beiden verzauberten das Publikum in den Aufführungen von „Waiting for Godot“ und „No Man‘s Land“.

Stewart beherrschte nicht nur das Drama, sondern verkörperte viele Figuren im Genre der Comedy. In Mel Brooks Robin Hood Parodie „Robin Hood: Men in Tights” gab er eine Parodie von Sean Connerys schottischen Akzent ab. In der Animationsserie „American Dad“ von Seth McFarlane spielte er für 120 Folgen Avery Bullock, einen C.I.A Vizedirektor mit einer Überfülle an Dämonen. In den US-Kultcomedieserien „Saturday Night Live“ und „Die Simpsons“ macht er auch Gastauftritte, in denen er beweisen konnte, dass ihm nicht nur das Drama liegt.

Heutzutage ist sein Übergang nach Hollywood selbstverständlich, doch damals war das eine größere Sache, von der nicht jeder überzeugt war. Als er das Angebot bekam, fragte er Ian McKellen nach Rat, dieser machte sich Sorgen um seine Karriere am Theater. Er riet ihm dazu sich nicht in Hollywood zu verlieren und an seine Karriere auf der Bühne zu denken. Stewart entschied sich dennoch die Rolle anzunehmen, eine Entscheidung, die seine Zeitgenossen nicht versanden haben. Die Frage, der er sich am häufigsten Stellen musste, war: „Warum? Warum? Warum?“. Seine Antwort darauf war klar: „Was für ein Snobismus! Für eine Großzahl an Menschen werde ich Jean Luc Picard sein, und das ist in Ordnung. Ich glaube wirklich, wir haben ein bemerkenswertes Individuum geschaffen“.

Sir Patrick Stewart stand für die Liebe zum Schauspiel, Güte und Einfühlungsvermögen. Seine zahlreichen Auftritte in Film, Fernsehen und Theater hinterlassen ein Vermächtnis welches nur wenige, seltene Schauspieler hinterlassen. Erst kürzlich teilte er mit, er könnte sich nicht vorstellen sich jemals vom Schauspiel zurückzuziehen. „Ich werde immer ein Schauspieler sein“.

Das sagt die Welt über Patrick Stewart

Viele der Filmemacher, die das Glück hatten mit Sir Patrick Stewart zusammenzuarbeiten, meldeten sich zu Wort nach dem Ableben der Legende.

Einer der ersten war Kevin Feige, Chef von Marvel Studios, der seine Karriere als Produzent mit den X-Men Filmen startete. „Ich werde niemals vergessen, wie ich Patrick Stewart das erste Mal auf dem Set von „X-Men“ gesehen habe“. „Nachdem ich ihn Jahrelang, als den unnachahmlichen Captain Picard gekannt habe, bewunderte ich, als er sich als alles und mehr herausstellte, was er im Fernsehen verkörperte: Brillant, charmant, warm und großzügig, mit einer ruhigen stärke und gravitas“. „Es war ein wahres Privileg ihn kennenzulernen und mit ihm arbeiten zu dürfen“. Sein Vermächtnis lebt nicht nur in seiner außergewöhnlichen Arbeit weiter, sondern in den vielen Menschen für die er als Mentor da war“.

Wolverine Darsteller Hugh Jackman teilte auf Instagram mit: „Wir haben heute einen der besten Darsteller der Leinwand und der Bühne verloren“. „Und für mich, einen gewaltigen Freund und Mensch, Ich werde für den Rest meiner Tage Patrick Stewart vermissen“.

Sein enger Freund und Wegbegleiter erzählte in einem langen und emotionalen Instagrampost Ian McKellen über die Beziehung zu seinem Freund. „Vor allem anderen, war Patrick ein Yorkshire Mann, aus dem stolzen Gebiet aus dem Norden Englands, welches er bis über alle maße, liebte. Man hörte es in seinem Yorkshire Akzent und seiner strengen Ehrlichkeit, die einem mitteilte, was er dachte und fühlte. Yorkshire Männer haben nichts am Hut mit Halbwahrheiten oder dem Vermeiden von großen Problemen. Er trug sein Herz auf der Zunge, was ihn zu jemanden machte, auf den man sich stets verlassen konnte, den man bewundern konnte und in meinem Fall, Lieben konnte“.