Ohne Filter: Der Fußball-Podcast

mit Gregoritsch, Hofer und den besten Geschichten aus dem Nationalteam

Episodenbeschreibung

Baumgartner verrät, was er ohne den Fußball geworden wäre, warum er nach der Karriere nicht unbedingt Cheftrainer werden will – und welche Sportart mittlerweile fast so wichtig ist wie das Kicken selbst. Spoiler: Es hat mit Handicaps und einem internen Ryder Cup beim ÖFB-Lehrgang zu tun.

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#1 Baumgartner: „Wenn ich zum Team komme, bin ich daheim“

Das erwartet dich in der Folge

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    Nationalteam heißt starke Teamchemie und Familiengefühl

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    Golf als großes gemeinsames Hobby im Team 

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    Einblicke in Karriere, Druck & persönliche Highlights 

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    Talk über Kaffee, Leben & Fußballwelt  

Transkript der Folge

Kaffee trinkt man nur mit Freunden

Michi Gregoritsch: Nicht schon wieder ein Laber-Podcast. Wir haben uns gedacht: Was wollen wir, wer sind wir und was machen wir?

Johnny Hofer: Wir sind Michi Gregoritsch und Johnny Hofer. Wir haben gesagt: Kaffee trinkt man nur mit Freunden und mit Menschen, denen man auch was erzählen möchte. Deswegen laden wir gute Freunde ein und sprechen einfach über Fußball und Weltgeschehen – ohne Filter.

Johnny Hofer: Ich freue mich besonders, dass in unserer ersten Folge Christoph „Baumi“ Baumgartner dabei ist.

Christoph Baumgartner: Sagen wir Baumi. „Cheesy“ am wenigsten. „Baum“ passt sehr gut. Es ist mir eine große Ehre, der erste Gast eures Podcasts zu sein. Ich habe mich gefragt, ob ich mir das vorstellen kann – ich habe nicht lange überlegt. Freut mich unfassbar, dass ich der Erste sein darf. Schauen wir, dass wir gut starten.

Johnny Hofer: Schön, dass du dabei bist. Wir haben ein paar Fragen vorbereitet, um reinzukommen: Fünf wichtige Fragen.

Fünf wichtige Fragen

Kaffee: Wie trinkst du ihn am liebsten?

Johnny Hofer: Kaffee ist großes Thema – bei Michi, bei mir. Deshalb unausweichlich: Kaffee. Wie trinkst du ihn am liebsten?

Christoph Baumgartner: Ich unterscheide: Morgens Cappuccino, gerne mit Hafermilch. Und über den Rest des Tages verteilt eigentlich fast nur Espresso. So drei, vier Stück am Tag.

Michi Gregoritsch: Richtiger Italiener. Am Vormittag Cappuccino, dann Espresso.

Johnny Hofer: Und der letzte Espresso vor drei Uhr, damit man schlafen kann?

Christoph Baumgartner: Ich versuche schon, es nicht zu spät zu nehmen. Wenn’s mal vier wird, wird’s vier. Wir sind mittlerweile gebrieft, dass Ernährung dazugehört – und dass der Koffeinhaushalt hinten raus nicht zu hoch ist, damit der Schlaf passt.

Weltrekord-Tor oder 1:0 gegen Jordanien?

Johnny Hofer: Weltrekord-Tor oder das 1:0 gegen Jordanien?

Christoph Baumgartner: 1:0 Jordanien. Da muss ich nicht überlegen. Weltrekord war schön – aber Testspiel. Beim WM-Auftakt für unser Land zu treffen, wäre viel wichtiger.

Salto oder Flickflack?

Johnny Hofer: Salto oder Flickflack?

Christoph Baumgartner: Mittlerweile Salto. Flickflack kann ich nicht. Salto hin und wieder – aber nicht zu oft, weil Verletzungsrisiko.

Johnny Hofer: Hast du jemals im Nationalteam mit Salto gejubelt?

Christoph Baumgartner: Kann mich nicht erinnern. Ich bin neidisch auf jeden, der’s kann. Vielleicht wird’s Zeit.

Michi Gregoritsch: Das wäre eine gute Geschichte: Salto bei der WM.

Christoph Baumgartner: Abgesprochen.

Horn oder Leipzig?

Johnny Hofer: Horn oder Leipzig?

Christoph Baumgartner: Horn. Die ganze Region. Ich bin nicht direkt aus Horn, aber dort bin ich aufgewachsen, dort ist meine Familie. Es ist wunderschön heimzukehren. Wir sind so viel unterwegs – und dann ist es jedes Mal wieder besonders, wenn du heimkommst.

Tor oder Assist?

Johnny Hofer: Tor oder Assist?

Christoph Baumgartner: Tor. Auch wenn Assist super ist – aber Tor ist Tor.

Michi Gregoritsch: Assist auf mich, da steh ich drüber.

Christoph Baumgartner: Der Assist zum Weltrekord-Tor wird übrigens viel zu kurz gehalten. Das war einer der schönsten Assists meines Lebens – ein Steckpass durch mehrere Ketten, genau wie ausgemacht. Ich mach die Arbeit, Michi schiebt ein.

Johnny Hofer: Verständlich.

Alternative zum Fußball: Lehrer?

Johnny Hofer: Heute steht das Nationalteam im Zentrum. Aber davor: Wenn es keinen Fußball gegeben hätte – was wäre eine Alternative?

Michi Gregoritsch: Ich glaube, Baumi ist außergewöhnlich gescheit. Was würde so ein intelligenter Mann machen, wenn’s keinen Fußball gäbe?

Christoph Baumgartner: Wahrscheinlich Lehrer – wie meine Mutter und eine Tante. Ich arbeite unfassbar gern mit Menschen, mit Kindern. Ich glaube, ich wäre ein cooler Lehrer gewesen.

Christoph Baumgartner: Bei berufspraktischen Tagen bin ich mit meiner Mama in die Schule gegangen. Ich durfte Kindern Bundesländer und Landeshauptstädte Österreichs beibringen. Das hat mir richtig Spaß gemacht.

Trainer werden – ja oder nein?

Johnny Hofer: Ihr seid beide in Deutschland aktiv. Fußballlehrer, Trainer – ist das eher was für dich?

Christoph Baumgartner: Ich glaube, ich könnte ein guter Trainer werden. Ich glaube aber nicht, dass ich das will.

Michi Gregoritsch: Du darfst nicht vergessen: Er spielt international, viele Spiele pro Jahr. Da ist das nochmal anders, wenn du jeden dritten Tag spielst.

Christoph Baumgartner: Ich habe viele gute Trainer erlebt: Nagelsmann, Hoeneß, Rose, Ole Werner, Ralf Rangnick. Ich habe viel mitgenommen. Was mich stören würde, ist diese Unsicherheit: Wo bin ich nächstes Jahr? Irgendwann möchte ich sesshaft sein – mit Familie.

Christoph Baumgartner: Eher könnte ich mir Co-Trainer oder Akademie vorstellen – mit jungen Menschen arbeiten, aber ohne dieses „drei Spiele verlieren und du bist weg“.

Pausen & Urlaub: „Ich bin sehr faul im Urlaub“

Johnny Hofer: Wie sehr sehnst du dich nach Pausen?

Christoph Baumgartner: Schon. Vor allem größere Pausen wie Sommerpause – da arbeitet man hin. Wichtig ist aber auch: Mir geht’s gut, ich habe meine Frau an meiner Seite, ich verpasse nicht extrem viel. Aber runterzukommen – nach einer WM zum Beispiel – darauf freue ich mich.

Johnny Hofer: Wie machst du das am besten?

Christoph Baumgartner: Ich bin sehr faul im Urlaub. Ich brauche nicht viel. Wenn ich ein schönes Hotel habe, liege ich am Pool oder Strand und bleibe wirklich den ganzen Tag liegen. Abends essen gehen – ja. Aber sonst lasse ich komplett los.

Michi Gregoritsch: Bei dir hätte ich Berge erwartet.

Christoph Baumgartner: Zum Leben: Berge kann ich mir sehr gut vorstellen, Richtung Salzburg. Zum Urlaub: eher Meer – und wenn möglich ein Golfplatz in der Nähe.

Michi Gregoritsch: Bravo. Und da kommt Golf ins Spiel.

Golf im Nationalteam: „Interner Ryder Cup“

Johnny Hofer: Michi, klär uns auf: Warum passt Golf so gut?

Michi Gregoritsch: In den letzten drei, vier Jahren hat das bei uns eine Dynamik angenommen, die unvergleichbar ist. Wir spielen quasi einen internen Ryder Cup in jedem Lehrgang.

Michi Gregoritsch: Baumi ist seit drei Jahren dabei und man sieht, wie sich das entwickelt hat: vom Anfänger zum richtig guten Golfer. Draußen sein, Natur, Freunde – das passt. Und wir Fußballer sind in dem Sinn auch „faul“: Du bist draußen, aber nicht komplett am Anschlag.

Johnny Hofer: Was ist dein Lieblings-Flight?

Christoph Baumgartner: Michi und das Team – da gibt’s wenig dran zu rütteln. Wir sind mittlerweile wirklich gut und brauchen Challenge. Michi Zeischka (unser Masseur) ist langjähriger Golfer, sehr stark. Und Maxi Wöber war zuletzt dabei. Vier Stunden am Platz – Qualität, Challenge und unfassbar lustig.

Michi Gregoritsch: Ohne Filter, im Moment müssen sich Leute qualifizieren, um gegen uns spielen zu dürfen.

Johnny Hofer: Habt ihr Handicaps?

Christoph Baumgartner: Ja. Man kann private Zählrunden machen. Ich bin ungefähr bei 18.

Michi Gregoritsch: Baumi ist etwa 15. Und der niedrigste von uns Spielern ist, glaube ich, bei 7.

Johnny Hofer: Wie waren die Golfplätze in Dänemark?

Christoph Baumgartner: Zu viel Wind, zu kalt – im Oktober war’s schon richtig kalt. Ich bin erst Mitte August gewechselt, deshalb war ich in Augsburg dann wieder voll drin.

Michi Gregoritsch: Das größte Handicap von uns beiden: Wir wissen oft nicht, welchen Ball wir spielen, weil wir beide gut liegen.

Christoph Baumgartner: Genau. Und diese Challenge brauchst du, weil du’s aus dem Alltag gewohnt bist.

Michi Gregoritsch: Das ist bei uns nicht nur Golf. Egal ob Karten, Dart – es geht immer um etwas. Golf passt auch wegen Belastungssteuerung: Du bist draußen in der Natur, nicht nur im Hotel.

Training oder Wettkampf? Golf und die Trainerstunden

Johnny Hofer: Ist Golf bei euch Training oder Wettkampf? Nehmt ihr Trainerstunden?

Michi Gregoritsch: Am Anfang glaubst du als Fußballer, du triffst den Ball eh. Beim Golf nimmst du den Schläger und haust 15 Mal drüber. Dann freust du dich, wenn der Ball überhaupt fliegt. Wettkampf ist groß bei uns – und du merkst: Wir sind noch nicht so gut.

Michi Gregoritsch: Je besser ich geworden bin, desto mehr Spaß machen Trainerstunden und die Range, weil du an Details arbeiten kannst.

Christoph Baumgartner: Genau. Golftraining ist jetzt viel effizienter als am Anfang, weil man das, was der Trainer sagt, umsetzen kann. Körpergefühl ist da, aber Golf ist am Anfang extrem schwer. Jetzt macht Detailarbeit Spaß.

Johnny Hofer: Passend dazu: Golf bei uns daheim auf CANAL+. PGA Tour, DP World Tour, Ryder Cup 2027, Presidents Cup – das ganze Jahr Golf.

Christoph Baumgartner: Ich bin vermutlich euer bester Kunde. Meine Frau schimpft schon manchmal.

Golf schauen vs. Fußball schauen

Johnny Hofer: Schaust du mittlerweile lieber Golf als Fußball?

Christoph Baumgartner: Nicht lieber – aber bevor ich zweite Liga Deutschland schaue, schaue ich eher Golf. Champions-League-Topspiel ist natürlich Top. Aber bei großen Golfturnieren: Tablet auf, CANAL+ App, und schauen. Das ist keine Werbung – das ist wirklich so. Es macht Spaß, weil du wieder was lernst.

Johnny Hofer: Verständlich: Wenn du das ganze Jahr Fußball hast, willst du auch was anderes.

Christoph Baumgartner: Ich schaue schon Fußball – vor allem wegen Freunden, meinem Bruder, wenn’s zeitlich geht. Topspiele in der Champions League schaue ich. Aber rundherum weniger, weil wir ohnehin den ganzen Tag Fußball haben.

Johnny Hofer: Ich schaue prinzipiell sehr viel Fußball – manchmal auch ohne Hintergedanken, einfach weil’s schön ist.

Bestes Spiel, das ihr je gesehen habt?

Johnny Hofer: Was war das beste Match, das ihr je gesehen habt? Michi Gregoritsch: WM-Finale 2022.

Christoph Baumgartner: Argentinien gegen Frankreich – absolut.

Johnny Hofer: Und sonst noch etwas, live oder im TV, das hängen geblieben ist?

Johnny Hofer: Mir kommt 2013 in den Sinn: Dortmund gegen Real, 4:0 im Halbfinale – Lewandowski-Show. Das war unerwartet, und das ist das Coolste am Sport: Dinge passieren, mit denen du nicht rechnest.

Johnny Hofer: So wie bei euch in der EM-Gruppenphase – plötzlich gegen die Niederlande, Gruppensieg.

Bestes Spiel, das ihr kommentiert habt / gespielt habt

Johnny Hofer: Zweite Frage: Was war das Beste, das du kommentiert hast? Und was war das Beste, das du gespielt hast?

Michi Gregoritsch: Vereinsfußball: Mit Freiburg gegen RC Lens – 0:2 hinten, 3:2 nach Verlängerung. Wahnsinn. Im Nationalteam: Das letzte Spiel gegen Bosnien – diese Bedeutung, diese Emotion, das werde ich nie vergessen.

Johnny Hofer: Bei mir als Kommentator: Rapid gegen Borac Banja Luka (Conference League). Fußballerisch keine Delikatesse – aber die Geschichte des Spiels war großartig. Ich habe das mit Christopher Trimmel kommentiert, und die Emotionalität hat sich hochgeschaukelt, bis Rapid es gerissen hat.

Christoph Baumgartner: Mein bestes Spiel: Auswärts Champions League bei Celtic. Mein erstes Champions-League-Tor. Die Hymne dort – unfassbar. Normalerweise steht man da halt, aber bei Celtic war die Hymne extrem laut und wurde immer lauter – wie ein Vulkan. Das war brutal, echte Gänsehaut.

Johnny Hofer: Hast du als Profi noch Gänsehaut bei der Hymne?

Christoph Baumgartner: Ja. Die haben oft gegen die UEFA gepfiffen, aber dort hat das ganze Stadion geschrien: Wir sind dabei, wir spielen Champions League. Dieser Moment war unglaublich. Und jede Aktion, jeder Konter – das Stadion explodiert.

Michi Gregoritsch: Bucket List: Celtic gegen Rangers.

Johnny Hofer: Du bist ein Fußballlexikon.

Michi Gregoritsch: Er kennt jedes Spiel seit 1970.

Einstieg ins A-Team: Baumgartners Debüt & die Nummer 19

Johnny Hofer: Apropos Baumgartner: Dein A-Team-Debüt – September 2020 gegen Norwegen.

Michi Gregoritsch: Das war 2021, oder?

Christoph Baumgartner: 2021, ja.

Michi Gregoritsch: Wir haben uns ein Jahr davor bei der U21-EM kennengelernt. Kurz vor Corona haben wir uns nochmal gesehen, als Schalke gegen Hoffenheim war. Ab der ersten Sekunde haben wir viel Zeit miteinander verbracht. Baumi hat damals mit der Nummer 19 gespielt – und sie dann nicht mehr hergegeben.

Christoph Baumgartner: Es hat sich so ergeben. Ich hatte nie das Verlangen zu wechseln. Die 14 hatte ich im Verein, die hatte Julian Baumgartlinger. Die 10 wäre am Anfang etwas wild gewesen.

Michi Gregoritsch: Es gibt wenige, die ihr erstes Länderspiel machen und ab da quasi Stammspieler sind. Hast du darüber nachgedacht?

Christoph Baumgartner: Ich wäre vermutlich schon etwas früher dabei gewesen, aber dann war Corona. In der Zeit habe ich einen großen Entwicklungssprung gemacht. Ab dem ersten Spiel hat es gut funktioniert. Zweites Spiel war Rumänien in Klagenfurt, da habe ich getroffen. Ich war super aufgenommen, vor allem von Michi und den Jungs, die ich kannte – das hat mir geholfen.

„Nationalteam“ als Gefühl: Familie

Johnny Hofer: Wenn du „Nationalteam“ hörst: Was ist der erste Gedanke?

Christoph Baumgartner: Familie. Ich weiß nicht, ob das normal ist, aber wie oft wir uns hören, wie oft wir uns mit den Jungs sehen – das ist außergewöhnlich. Ich kriege das auch mit von anderen Nationen: Die freuen sich auch, aber bei uns ist es anders.

Christoph Baumgartner: Gerade in Phasen, wo es im Verein nicht optimal läuft – bei mir die letzten zwei Saisonen – habe ich im Kalender geschaut: Wie lange noch bis zum Team? Nicht, weil es mir schlecht ging, sondern weil ich mich so gefreut habe, die Jungs wiederzusehen. Das ist ein besonderes Gefühl.

Johnny Hofer: War das immer so oder hat sich das entwickelt?

Christoph Baumgartner: Es hat sich entwickelt. Coronazeit und das erste Turnier haben dazu beigetragen, dass es enger geworden ist. Früher war’s so: Nationalteam und Freizeit separat. Heute haben wir den ÖFB-Campus – richtig cool. Da sitzt du zusammen, redest, lachst, spielst Karten, Billard, Dart. Das hat sich mit Corona verändert, weil es eine Bubble war. Es haben sich Gruppen gebildet, die mehr Zeit miteinander verbracht haben – inklusive Staff. Es war immer cool, aber es hat sich nochmal stark gewandelt.

Nationalteam vs. Verein: „Nach Hause kommen“

Johnny Hofer: Diese psychosoziale Komponente: Wenn’s im Verein nicht rennt, baut dich Nationalteam wieder auf. Michi, war das bei dir auch so?

Michi Gregoritsch: Für mich war es immer eine Ehre, zum Nationalteam zu fahren – egal ob U21 oder A-Team. In jungen Jahren ist dir nicht bewusst, wie viel es ausmacht, Dialekt und Freunde zu hören, die du ewig kennst. Es ist „nach Hause kommen“ im beruflichen Kontext. Je älter ich wurde, je wichtiger die Rolle wurde, desto mehr hat es Sinn gemacht, dass es so geil ist.

Michi Gregoritsch: Wir haben sogar Golfbags mitgenommen, wir wollten teils einen Tag früher hinfliegen, um zu golfen. Ich glaube nicht, dass es viele Nationalmannschaften gibt, wo mehrere Spieler sich vorher abreden und sagen: Wer kommt früher, damit wir abhängen können?

Lob an Michi: „Du hast immer geliefert“

Christoph Baumgartner: Was mich beeindruckt hat: Du bist immer wieder abgeschrieben worden. „Kann er Marco ersetzen?“ und so weiter. Und egal wie schwer die Phase war – du hast beim Team immer geliefert. Du hast wichtige Tore geschossen, auch bei der EM 2021 – und dieser Moment, wo du in die Kamera schreist: „Ich bin da.“ Da würden viele zerbrechen. Hut ab.

Michi Gregoritsch: Danke. Aber genau da hilft diese psychosoziale Sache. Baumi ist mein bester Freund im Fußballgeschäft geworden. Es hilft extrem, wenn du wo hinkommst und nicht nur Fußballer bist. Du wirst als Mensch behandelt. Wir haben so viel Spaß – trotz intensivem Training.

Michi Gregoritsch: Beim Abendessen sitzen wir ewig, reden, lachen. Mir hat das immer geholfen: Ich weiß, ich habe da meine besten Freunde. Einmal habe ich mich wirklich unwohl gefühlt: Zwei Monate nach der EM, als ich lange nicht gespielt habe – da dachte ich: Eigentlich habe ich hier nicht viel verloren. Danach war ich im November nicht einberufen – und dann ging es im Verein wieder bergauf. Aber grundsätzlich: Du triffst Freunde, mit denen du „ein bisschen kickst“ – und das macht vieles leichter.

Ehrfurcht & „Ankommen“ im Team: Alaba/Arnautović & die Facetime-Geschichte

Johnny Hofer: Du warst als Junger gleich fixer Bestandteil. Hattest du jemals Ehrfurcht?

Christoph Baumgartner: Natürlich. Marco war damals in China und nicht bei jedem Lehrgang dabei. In meinem ersten Spiel gegen Norwegen habe ich links gespielt, hatte ein paar Situationen.

Christoph Baumgartner: Irgendwann in den nächsten Tagen telefoniert David Alaba per Facetime mit Marco. Marco war gut drauf. Ich sitze ein paar Reihen weiter vorne. David kommt mit dem Handy zu mir: Marco ist am Bildschirm. Ich habe Marco davor nie gesprochen.

Christoph Baumgartner: Marco sagt: „Pass auf: Du gehst links vorbei, dann spielst du mir den Ball, und ich schieße.“ Ich so: „Okay.“ David geht wieder weg – und ich denke mir: Wenn er das sagt, dann setzen wir das so um.

Christoph Baumgartner: Respekt hatte ich vor vielen: David, Marco, Sabitzer, die ganzen Jungs. Aber wenn du Michi und Flo Grillitsch hast, die du kennst, dann wirst du schnell in die Gruppe integriert. Die Jungs merken: Der ist ein junger, gescheiter Typ, kein Idiot. Dann bekommst du schnell ein Gefühl, dass du sein kannst, wer du bist.

Stürmer-Diskussion: „Wir haben keine Stürmer“ – stimmt das?

Johnny Hofer: Es gibt oft die Diskussion: Österreich hat keine Stürmer. Wie siehst du das?

Michi Gregoritsch: Diese Diskussion ist falsch. Wenn man unsere Quoten der letzten Jahre anschaut, passt das nicht. Klar, wir haben nicht den einen Stürmer, der jedes Spiel trifft – davon gibt’s weltweit nur drei, vier.

Michi Gregoritsch: Ich war 2016 nicht im EM-Vorkader, war kurz davor verletzt, bin dann dazugekommen. Damals war Mark Janko im Zentrum, Harnik eher außen. Großes Kompliment an Mark: Er hat mich sofort dazu genommen. Auch Junuzović und die anderen. Du kommst dazu, schaust dir diese Spieler an – Marco, David, Christian Fuchs – das sind außergewöhnliche Größen.

Michi Gregoritsch: Und jetzt tragen wir das weiter. Baumi ist jetzt auch einer, über den die Jungen reden. Und es wird nicht daran vorbeiführen, dass Baumi weit über 100 Länderspiele macht – vielleicht wird er sogar gefährlich nahe am Rekord.