Ohne Filter – Folge 13

0:2 gegen Argentinien: Eine ehrenvolle Niederlage und ein Endspiel in Kansas City

Episodenbeschreibung

0:2 gegen Argentinien – und trotzdem ist alles noch offen. Johnny und Harri blicken auf das WM-Duell im „Raumschiff“ von Dallas zurück: 80.000 Fans, ohrenbetäubender Lärm bei jedem Messi-Moment – und plötzlich Totenstille, als der Superstar einen Elfmeter neben das Tor setzt. Sie sprechen über einen überragenden Alexander Schlager, das umstrittene Foul vor dem 0:1, eine durchwachsene Schiedsrichterleistung und die Frage, ob Österreich der letzte Mut gefehlt hat. Dazu: brutale Hitze, ein Steak zum Trost und Harris nächste Etappe Richtung Kansas City, wo gegen Algerien alles entschieden wird. Abonniere Ohne Filter und lass eine Bewertung da – vor dem Finale der Gruppenphase hören wir uns wieder.

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#13 0:2 gegen Argentinien – Alles offen vor Algerien

Das erwartet dich in der Folge

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    Resumè Argentinien vs Österreich

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    Stadionerlebnis Dallas: tiefe Einblicke ins Stadion der Dallas Cowboys

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    Warum die Österreicher trotz Unterzahl im Stadion Stimmung machen

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    Vergleiche Messi und Ronald in der WM 26

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    Ausblick Algerien vs Österreich

Transkript der Folge

Begrüßung aus Texas

Johnny Hofer: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge Ohne Filter. Heute blicken wir auf das sehnlichst erwartete Spiel von Österreich gegen Argentinien zurück. Dabei ist natürlich wieder unser rasender Reporter Harri Hofstetter. Servus!

Harri Hofstätter: Servus Johnny, hallo zusammen.

Johnny Hofer: Ja, Texas – sehr viel Autobahn, sehr viel Gerade, sehr viel Wüste. Du bist dann angekommen. Wie waren die Eindrücke dieses Bundesstaates für dich, beziehungsweise wie sind sie nach wie vor?

Harri Hofstätter: Die Fahrt auf der Interstate 40 nach Osten war lang, aber relativ unkompliziert. Es war Sonntag, es war wenig Verkehr – da sind die Texaner wahrscheinlich alle beim Barbecue. Ich war relativ oft tanken, es hat im Wagen ordentlich gesprudelt, aber das Fahren war sehr relaxed. Links und rechts habe ich große Rinderweiden und Rinderherden gesehen. Und es ist brutal heiß. Auch in der Stadt war es knallheiß und sehr schwül und dunstig. Die österreichische Mannschaft konnte froh sein, dass das Dach im AT&T Stadium zu war.

Johnny Hofer: Ja, runterklimatisiert war das angenehmer, so ein klimatisiertes Stadion.

Harri Hofstätter: Es war unumgänglich, weil man es sonst einfach nicht ausgehalten hätte. Wenn man aus dem Stadion rausgegangen ist, zwischendurch oder nach dem Spiel, hat es im wahrsten Sinne des Wortes eine Watschen gegeben. Das war wirklich kaum auszuhalten, man hat sich erst wieder daran gewöhnen müssen. Ich schätze, der Temperaturunterschied zwischen Innenraum und den Vorplätzen lag bei bis zu 20 Grad. Es war heftig, und auch die österreichischen Fans haben an dem Tag körperlich alles geben müssen.

Die Dimensionen von Dallas

Johnny Hofer: Absolut verständlich, der Fanmarsch hat ja schon um acht Uhr in der Früh angefangen. Bevor wir über das Spiel reden und sportlich werden, möchte ich noch kurz über die Eindrücke in der Stadt sprechen. Dallas ist die heimliche Hauptstadt von Texas – die offizielle ist ja Austin, und Houston ist von der Fläche her mehr als doppelt so groß wie Wien, hat aber mit rund 1,3 Millionen wesentlich weniger Einwohner als Wien mit seinen 2 Millionen. Also eine riesengroße Stadt. Wie hat sie sich präsentiert?

Harri Hofstätter: Der erste Eindruck war prägend: Ich bin nach ewiger Fahrt in die Stadt gekommen und dann noch einmal eineinhalb Stunden über diese Highways durch die Stadt gefahren. Obwohl 75 Meilen erlaubt waren und ich die auch gefahren bin, weil wenig Verkehr war. Das ist, wie wenn man in Wien eineinhalb Stunden auf der Südosttangente fahren würde, nur um von einer Seite auf die andere zu kommen – und da rede ich nur von West nach Ost. Von Nord nach Süd ist es noch länger. Am Matchtag habe ich es geschafft, mit dem Bus von meinem Motel am südwestlichen Stadtrand ins Zentrum zu fahren, wo der Shuttle-Zug zum Stadion abgefahren ist. Mit dem Linienbus war ich eineinhalb Stunden unterwegs, und das war erst die halbe Strecke. Unglaubliche Distanzen. Die Fläche ist irre, deswegen hat sich das in den Tagen auch ziemlich verlaufen. In den Kernzonen haben sich die Fans getroffen und immer wieder etwas ausgemacht, aber ansonsten begegnet man in dieser Stadt niemandem, wenn man nicht will.

Johnny Hofer: Ja, 75 Meilen – nur zur Einordnung – ist ungefähr so schnell, wie man bei uns fahren darf. Normalerweise sind in Amerika ja meist nur 60 Meilen erlaubt, wenn ich mich richtig erinnere.

Harri Hofstätter: In der Stadt viel weniger. Innerstädtisch, wo es Ampeln und Kreuzungen gibt, sind es meistens 30 oder 35. Auf dem Highway mit Gegenverkehr meistens 60, 65. Und der Umrechnungsfaktor ist mal 1,6.

Texas-Kulinarik und das Stadionerlebnis

Johnny Hofer: Ja, Texas ist auch ein Bundesstaat, der nicht wirklich etwas für Vegetarier bietet. Es gibt sehr viele mexikanische Einflüsse, Tex-Mex kennt man ja. Hast du schon Prime Rib probiert, hast du schon ein Steak gegessen? Die Fleischqualität soll ja herausragend sein in Texas.


Harri Hofstätter: Gestern, zum Abschluss des Spieltages, war eine Partie dabei, mit der ich noch in einem Steak-Restaurant in der Nähe der Victory Station war, wo auch der Zug zum Stadion vorbeigefahren ist. Das war wirklich ein Höhepunkt des Tages – obwohl das Spiel natürlich auch wahnsinnig spannend und intensiv war. Aber kulinarisch war es bis jetzt einer der besten Abende, absolut.

Johnny Hofer: Victory Station – leider keine erfolgreiche Angelegenheit für Österreich. Nimm uns mit in dieses bombastische Stadion, das schon von außen wie ein Raumschiff aussieht. Innen drinnen diese riesige Videowall, dieser Würfel, der da hängt, mit den Maßen von rund 50 mal 30 Metern. Das schaut ein bisschen aus wie in einem Computerspiel. Wie war das Stadionerlebnis?

Harri Hofstätter: Ich fange vielleicht mit der Anreise an, weil Dallas im Gegensatz zu San Francisco beziehungsweise Santa Clara von den örtlichen Verantwortlichen super organisiert war. Dieses System mit Zug und Shuttlebus hat perfekt funktioniert, für Argentinier wie Österreicher – wobei die meisten Österreicher schon viel früher angereist sind und um acht Uhr früh den Fanmarsch gemacht haben. Die Menschenmassen, die über dieses Shuttle-System kamen, wurden blitzschnell abgefertigt und zum Stadion gebracht. Es war nicht nötig, wie in San Francisco alle mit Auto, Uber oder Taxi anreisen zu lassen. Und das Stadion selbst war ein unglaublicher Anblick, wie ein Raumschiff, das in Texas gelandet ist. Es hat damals schon 1,2 Milliarden Dollar gekostet – was es heute kosten würde, ist unvorstellbar. Allerdings kein Problem, weil der Eigentümer der Dallas Cowboys einer der reichsten Texaner ist, und das heißt was. Der Klub ist auch der wertvollste in der NFL, da wurde nicht gespart. Mein Sektor war auf Ebene vier, also ganz oben, mit super Überblick. Man ist die Stiegen raufgegangen, und dann hat sich dieses Oval aufgetan – wirklich beeindruckend. Die Argentinier waren, glaube ich, schon zwei Stunden vor dem Spiel alle da, zumindest im Innenraum. Zum Anpfiff: bumm, voll, kein einziger freier Platz im ganzen Stadion. Die Atmosphäre war sensationell. Auf einer Skala von eins bis zehn war das Stadionerlebnis ganz klar eine Zehn.

Die argentinischen Fans

Johnny Hofer: Die argentinischen Fans – wir haben alle die Videos gesehen – wie war das stimmungstechnisch? Ich finde ja persönlich, Argentinier feiern anders. Das ist für mich schon immer eines der Highlights bei Großereignissen.

Harri Hofstätter: Es war unterschiedlich. Der österreichischen Mannschaft ist es phasenweise gelungen, das Stadion relativ ruhig zu spielen. Die Argentinier sind immer explodiert, wenn Messi etwas Außergewöhnliches gelungen ist – und das ist ihm leider zweimal gelungen. Da war der Lärm wirklich ohrenbetäubend, die zwei Torjubel waren ein Wahnsinn. Besonders ruhig war es, nachdem er den Elfmeter verschossen hat, da war der Geräuschpegel sehr niedrig.
Johnny Hofer: Und man hat ja auch die rund tausend Österreicher gehört.

Harri Hofstätter: Genau, die hat man immer wieder gehört. Die österreichischen Fans haben das taktisch sehr klug gemacht: Wenn die Argentinier kurz Pause gemacht haben, haben sich die Österreicher zu Wort gemeldet. Sie waren optisch wie akustisch sehr präsent, auch auf den Rängen.

Zur Partie: knapp dran an der Sensation

Johnny Hofer: Jetzt rein zur Partie. Ich habe vor dem Spiel gesagt: euphorisch ein 1:1, das wäre nicht aus der Welt gewesen, und realistisch ein 0:2, das es dann auch geworden ist. Ich will mich nicht als großes Orakel hinstellen, aber phasenweise war schon irgendwie greifbar, dass da mehr gehen könnte. Sie sind nie richtig griffig geworden, leider, aber trotzdem hatte man vor dem Schirm immer wieder den Anschein, es könnte doch etwas gehen. Wie hast du es im Stadion erlebt?

Harri Hofstätter: Der Grundkonsens unter den Fans und allen, mit denen ich gesprochen habe – und das ist auch meine Meinung – war: Für eine Sensation gegen diese Mannschaft war es insgesamt zu wenig. Mir hat ein bisschen die letzte Konsequenz, der letzte Mut gefehlt, diese Argentinier mit Messi wirklich in Verlegenheit zu bringen. Du hast recht, die eine oder andere Chance hätte man nutzen können – es waren eigentlich keine richtigen Chancen, eher Halbchancen, die sich aufgetan haben. Hätte man eine genutzt, wer weiß, was passiert wäre. Aber insgesamt war Argentinien an dem Tag zu stark und hat verdient gewonnen. Ärgerlich war das klare Foul an Schlager vor dem ersten Gegentor. Das hat die Fans sehr geärgert und war in den TV-Bildern offensichtlich, obwohl man es im Stadion nach dem Videocheck komplett weggelassen hat. Sie haben es kurz angespielt und gleich wieder runtergeschaltet, was im österreichischen Fansektor für noch mehr Ärger gesorgt hat.

Johnny Hofer: Der Messi-Bonus, der ja auch breiter diskutiert wurde – oder der Weltmeisterbonus, nennen wir es so.
Harri Hofstätter: Genau, das war der Weltmeisterbonus.

Eine durchwachsene Schiedsrichterleistung

Johnny Hofer: Die Schiedsrichterleistung habe ich als durchwachsen empfunden. Dem war das alles ein bisschen zu schnell, finde ich.

Harri Hofstätter: Ja, genau, das habe ich mir auch gedacht. Ich hatte oft das Gefühl, der weiß nicht, worum es beim Pressing geht. Er hat österreichische Pressing-Situationen abgepfiffen, falsch gepfiffen, die in Europa kein Mensch und in keiner Liga pfeifen würde. Es war augenscheinlich, dass der Schiedsrichter mit der Intensität des Spiels, mit der Bühne im Stadion und mit der Bühne WM leider überfordert war. Ich finde die Kritik aus der Mannschaft und von Zuschauern in dem Fall berechtigt. Wir haben beim letzten Mal gesagt, man soll sich nicht immer am Schiedsrichter austoben – aber das war wirklich schwach.

Johnny Hofer: Die letzten Male haben wir die Schiedsrichterleistungen ja eigentlich immer gelobt und cool gefunden, wie die Linie gehalten wird. Was mir augenscheinlich aufgefallen ist: Es war eines der giftigsten Spiele, die ich bislang bei dieser WM gesehen habe. Und die Argentinier sind ja keine Kinder von Traurigkeit, das war teils extrem dreckig – immer wieder das Nachhauen und in jedem Zweikampf das Ellbogerl drüber. Geschickt gemacht, muss ich ehrlich sagen. Dass etwa Mac Allister ungeschoren davongekommen ist, fand ich interessant, weil der für mich schon in der ersten Hälfte Kandidat für eine gelbe Karte war. Da wurde nie etwas geahndet, und dann jemand anderen so exemplarisch herauszupicken – das hat mich ein bisschen genervt. Auf der anderen Seite ist es vielleicht auch Cleverness: Stefan Posch hat einmal die Schulter hingehalten, das war vielleicht zu offensichtlich. Stark fand ich auch eine Sequenz mit Gregoritsch, der nach einem harten Einsteigen von Romero in der nächsten Möglichkeit das einfach angenommen und ihn nochmal über sich drübersegeln lassen hat. Dieses physisch Anwesendsein war beeindruckend und stark, und es ermutigt mich, weil sie einfach nicht zurückgeschreckt sind.

Harri Hofstätter: Das war sicher nicht das Thema, die körperliche Präsenz war zu 100 Prozent da. Aber man hat gesehen: Die Argentinier haben neben Messi noch sechs, sieben Spieler, die einfach unglaublich gut kicken. Es ist eine richtig unangenehme, giftige, man kann auch schmutzige Mannschaft sagen, was die Zweikämpfe betrifft – aber sie können eben auch unglaublich gut Fußball spielen. Das ist das Problem an der Sache. Wenn die so weiterspielen und mit Messi im Verbund so harmonieren – man hat das Gefühl, das ist wahnsinnig harmonisch. Das hat auch Christopher Trimmel im letzten Podcast gesagt: Das ist der Unterschied zwischen Argentinien und Portugal. Bei Argentinien ist der Superstar spielerisch auf einem anderen Level, aber mittendrin in der Gruppe, und das macht ihn noch stärker.

Messi, Ronaldo und der Vergleich

Johnny Hofer: Ja, und in Portugal gibt es schon aus dem Land heraus Unkenrufe, die sagen: Wenn wir etwas reißen wollen, darf Cristiano Ronaldo eigentlich nicht mehr starten. Was genau diesen Vergleich aus meiner Sicht komplett trifft. Und zu Messi muss man auch sagen – der wird morgen 39.

Harri Hofstätter: Das hat man ihm nicht angesehen.

Johnny Hofer: Das ist unfassbar. Sie haben es sehr oft gut geschafft, ihn zu stören und in den Situationen, in denen er im Spielaufbau maßgeblich etwas nach vorne initiieren kann, das zu unterbinden, weil sie ihm gut draufgefahren sind. Und dann steht er wieder herum. Aber er steht eben zweimal genau dort, wo er zu stehen hat, und ist beim zweiten Tor unnachgiebig: Er scheitert einmal, geht nach, geht nach und ist irgendwann drin. Unnachgiebig trifft es wahrscheinlich am besten. Das war beeindruckend. Schade war beim ersten Treffer aus meiner Sicht, dass die österreichische Mannschaft genau das, was sie eigentlich auszeichnet – das Zurückarbeiten nach hinten – nicht voll durchgezogen hat, sodass Messi im Rückraum so frei war. Das war dann bitter.

Harri Hofstätter: Und bei aller berechtigten Kritik an der Fehlentscheidung, dass das Foul eigentlich zu pfeifen war und der Angriff damit gar nicht gestartet worden wäre – das Gegentor hat sich trotzdem angebahnt, finde ich. Es gab vorher schon ein paar richtig brenzlige Situationen, in denen Alexander Schlager wieder super auf dem Posten war. Es war wieder eine Top-Leistung von unserem Tormann. Dass das Tor dann noch vor der Pause fällt, war für mich keine Überraschung, es ist irgendwie in der Luft gelegen.

Alexander Schlager und der gehaltene Elfmeter

Johnny Hofer: Ja, du hast Alex Schlager angesprochen. Absolut Prime-Schlager, was wir da sehen bei dieser Weltmeisterschaft, weil er auch beim Elfmeter seinen Anteil hatte. Das wäre schon ein schöner Bummer gewesen, wenn es nach vier, fünf Minuten gleich 0:1 gestanden wäre. Er wäre ja auch drangewesen, wenn der Ball aufs Tor gekommen wäre. Der größte Kritikpunkt bei Alex Schlager ist ja immer die vielleicht fehlende Größe – davon war beim Elfmeter überhaupt nichts zu merken. Das war stark.

Harri Hofstätter: In den ersten Minuten, der ersten halben Stunde, habe ich mir gedacht: Das ganze Stadion kesselt, am Spielfeld war viel Nervosität greifbar, was völlig verständlich ist. Aber Schlager im Tor war komplett ruhig. Ich habe mir gedacht: Der ist eiskalt, der hat Nerven wie Stahl. Und ich glaube auch, dass er ihn gehalten hätte, wenn der Elfmeter aufs Tor gegangen wäre. Auch das war historisch, mal Messi zu sehen, wie er einen Elfmeter neben das Tor schießt. Ich weiß nicht, ob ihm das schon jemals passiert ist, aber es wird ihm sicher nicht mehr passieren. Das war sicher der letzte Elfmeter, den er neben das Tor geschossen hat.

Wanner, Mut in der Aufstellung und Argentiniens Gänge

Johnny Hofer: Vor allem neben das Tor ist das Besondere. Eine interessante Aufstellungsvariante gab es mit Paul Wanner. Wie hat dir der auf der Zehnerposition gefallen?

Harri Hofstätter: Eigentlich gut. Das war für mich einer der Spieler, die gestern am meisten überzeugt haben. Die Variante habe ich gut gefunden, die Aufstellung sehr mutig – mutig oder auch unerwartet, kann man sagen. Es war eine Variante, mit der man Argentinien noch mehr hätte wehtun können. Ich hätte vielleicht Mukwelle Akwa gleich nach der Pause gebracht, das habe ich mir für mich gedacht, weil er ein extrem belebendes Element war und viel Leben in die Partie gebracht hat. Aber ich glaube nicht, dass wir an dem Tag irgendeine Aufstellungsvariante gefunden hätten, die uns das Spiel gewinnen hätte lassen. So ehrlich muss man sein.

Johnny Hofer: Ja, und das muss man auch erwähnen. Aus meiner Beobachtung hatte ich schon den Eindruck, Argentinien hat noch nicht in den fünften Gang geschaltet. Das war spürbar. Wie war das im Stadion? Ich habe mir gedacht: ein bisschen Rennpferdmentalität – sie sind genauso hochgezüchtet, das dann auf ihre Seite zu reißen.

Harri Hofstätter: Ich habe mir das auch gedacht, sowohl bei den Fans als auch bei der Mannschaft: Argentinien war vielleicht im dritten oder vierten Gang, aber ganz sicher noch nicht im fünften. Den Unterschied hat man bemerkt: Für Argentinien war es ein Spiel wie jedes andere, für Österreich das Spiel des Jahrhunderts, des Jahrtausends, wie man es auch nennen will. Das war ganz deutlich zu spüren.

Ausgangslage vor Algerien

Johnny Hofer: Machen wir einen Haken unter diese Partie. 0:2. Die Aufstiegschancen ins Sechzehntelfinale sind dank des Auftaktsiegs gegen Jordanien nach wie vor brennend gut. Jetzt gibt es das Entscheidungsspiel gegen Algerien in Kansas City und um den zweiten Platz. Der wäre aber vermutlich gar nicht so toll, weil ich dann als Gegner Spanien im Sechzehntelfinale nicht unbedingt brauche. Aber verlieren wollen wir es auf der anderen Seite auch wieder nicht.

Harri Hofstätter: Das ist wirklich eine verzwickte Situation, von der wir eigentlich von Beginn an ausgegangen sind. Es war ja nicht anders zu erwarten: Alle haben gehofft, dass wir gegen Jordanien gewinnen, und es war leider zu erwarten, dass wir gegen Argentinien verlieren. Jetzt stehen wir genau an dem Punkt, an dem die Überlegungen anfangen. Ich kann es mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass diese Überlegungen in der Vorbereitung von Ralf Rangnick und dem Team eine Rolle spielen – das geht auch gar nicht, denn dann geht es garantiert in die Hose. Aber der Turnierbaum ist nun mal so: Wenn wir weiterkommen, bekommen wir womöglich Spanien. Hoffentlich kommen wir weiter, denn es kann auch blöd laufen: Wenn wir hoch verlieren und mit schlechter Tordifferenz Dritter werden, ist der Aufstieg noch nicht fix. Der Vorteil ist, dass die Mannschaft vor ihrem Spiel über alle Konstellationen Bescheid weiß und genau kennt, wie die Ausgangslage ist. Das ist schon ein Riesenvorteil.
Johnny Hofer: Absolut. Ich denke auch, dass wir – um ein bisschen in der Sporthistorie zu kramen – kein zweites Gijón erleben werden, wie damals das Unentschieden gegen Deutschland. Lassen wir 1982 mal 1982 sein und hoffen, dass Österreich die WM-Geschichte 2026 weiter gut schreiben kann. Wie geht es für dich die nächsten Tage weiter? Was steht bei dir am Programm?

Die nächste Etappe Richtung Kansas City

Harri Hofstätter: Ich breche jetzt meine Zelte in Dallas ab und fahre heute bis Oklahoma. Das sind circa 200 Meilen, also etwa 300 Kilometer. Dort bleibe ich eine Nacht und hangle mich dann langsam rauf Richtung Kansas City, wo das Algerien-Spiel ist. Ein Weg, der im Vergleich zur Strecke von der West Coast hierher nach Dallas fast ein Katzensprung ist – einmal durch Österreich und ein bisschen was dazu. Für amerikanische Verhältnisse eine Nachmittagsfahrt.

Johnny Hofer: Das ist ja quasi schon fast innerstädtisch, wenn wir in Dallas bleiben.

Harri Hofstätter: Da ist mir in Dallas auch etwas Gutes gelungen: Zum ersten Mal bin ich auf so eine Highway-Section für Exklusivkunden aufgefahren, eine Express-Lane. Ich bin gespannt, was ich für eine Rechnung bekomme – ich habe recherchiert, es sind maximal 15 bis 20 Dollar. Da war ich dann komplett allein auf der Autobahn.
Johnny Hofer: Verkehrsstrafen in den USA sind ja noch einmal eine andere Geschichte als in Österreich. Bei Parkstrafen sind wir gleich mal bei 100 Dollar. Davon sind wir in Österreich noch ein gutes Stück entfernt. Ich bin schon gespannt, was du von der Reise Richtung Kansas City zu erzählen hast. Dort liegt der Fokus wieder ganz klar auf dem NFL-Team, die spielen ja auch wieder im Stadion – die Kansas City Chiefs, in der Stadt von Patrick Mahomes. Schauen wir mal, ob es bei Österreich gegen Algerien die Stadt von Patrick wie immer wird.

Harri Hofstätter: Es wird auf jeden Fall wieder brutal heiß. Das ist ein Thema, das man abwarten muss: Wie geht es der österreichischen Mannschaft, der es klimatisch an der West Coast sehr gut gegangen ist, mit der Umstellung in Kansas City in einem offenen Stadion? Wenn ich mir das Wetter von gestern in einem offenen Stadion vorstelle, fürchte ich mich schon als Zuschauer davor – wie wird es erst den Spielern gehen? Die trainieren wochenlang bei 20, 25, 27 Grad angenehmem Meeresklima, und die Algerier sind in Kansas City stationiert. Das wird, glaube ich, ein Faktor in der Partie: ob die österreichische Mannschaft mit dieser extremen Hitze und Luftfeuchtigkeit in einem offenen Stadion halbwegs gut zurechtkommt.

Johnny Hofer: Das heißt, da werden wieder Temperaturen rund um Mitte bis hohe 30 erwartet?

Harri Hofstätter: Um die 30, und in Kansas City im Vergleich zu Dallas noch höhere Luftfeuchtigkeit, was es noch brutaler macht.

Johnny Hofer: Sehr angenehm, sehr tropisch.

Verabschiedung

Johnny Hofer: Harri, alles Gute für die Fahrt, ich freue mich auf deine Eindrücke. Das war es von unserer Seite. Wir wünschen euch einen schönen Resttag und freuen uns, wenn ihr das nächste Mal wieder dabei seid. Wenn dir diese Folge gefallen hat, abonniere uns gerne und verpasse keine weiteren Episoden von Ohne Filter. Wenn du außerdem die Video-Episoden sehen möchtest, findest du unseren gesamten Katalog auf dem Canal+ YouTube-Kanal. Ohne Filter ist ein Canal+ Podcast, produziert von Pestbüro Digital.