Ohne Filter – Folge 14

Österreich und der Traum vom Achtelfinale

Episodenbeschreibung

Crunchtime in Kansas City: Vor dem alles entscheidenden Gruppenspiel gegen Algerien wird aus dem Duo ein Triumvirat. Johnny Hofer und Reporter Harri Hofstätter holen sich Ex-Teamspieler Georg Teigl aus Spanien dazu – und der räumt mit der österreichischen Erwartungshaltung gnadenlos ehrlich auf. Warum ein Punkt schon Gold wert wäre, weshalb man im Fußball niemals einen Plan B haben sollte und ob es in der Kabine wirklich Rechenspiele gibt: Teigl liefert Innenansichten, die man sonst nicht hört. Dazu Harris Roadtrip über die Route 66 – mit verfallenen Tankstellen, einem blauen Wal und Gewittern wie aus einem Katastrophenfilm. Schafft Rot-Weiß-Rot zum ersten Mal seit Jahrzehnten den Sprung in die K.-o.-Phase? Abonniere Ohne Filter und lass uns eine Bewertung da.

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#14 Crunchtime in Kansas: Das Endspiel gegen Algerien

Das erwartet dich in der Folge

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    Stimmung der Österreichfans nach dem Argentinienspiel

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    Georg Teigls Analyse der ersten zwei Spiele

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    Österreichische Erwartungshaltung gegen Algerien

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    Ergebnistipps fürs letzte Gruppenspie

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    Algeriens erinnerungen an die "Schande von Gijon"

Transkript der Folge

Begrüßung – ein Triumvirat in Crunchtime

Johnny Hofer: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge Ohne Filter. Crunchtime in Kansas – aber ‚I am not in Kansas‘, würde jetzt die amerikanische Band The National singen. Übrigens ein großer Tipp: sehr guter, sehr ruhiger Song, ein bisschen traurig auch, passt zu meiner vielleicht aktuellen Stimmung, weil ich eben nicht dort bin. Dort ist dafür Harri Hofstätter. Servus Harri, schön, dass du wieder dabei bist.

Harri Hofstätter: Servus, freut mich sehr.

Johnny Hofer: Und wir sind heute nicht zu zweit, sondern bilden ein Triumvirat – vor dem alles entscheidenden Spiel der Österreicher bei der WM. Georg Teigl ist aus Spanien zugeschaltet. Toll!

Georg Teigl: Hola, hola, überall hin, wo ihr gerade seid. Servus, Jungs!

Johnny Hofer: Vielen Dank, dass du dabei bist, freut mich sehr. Es geht jetzt um die Wurst, und zwar so richtig. Gehen wir gleich rein: Georg, wie hast du die ersten zwei Spiele gesehen, wie siehst du jetzt das dritte, und wie siehst du die WM bislang aus österreichischer Sicht?

Teigls Analyse der ersten zwei Spiele

Georg Teigl: Also aus österreichischer Sicht war das ein voller Erfolg, finde ich. Wir haben eigentlich genau das gemacht, was jeder erwartet hat – und es gibt nichts Schwierigeres im Fußball, vor allem bei einer Endrunde, wo du nicht so viel Zeit hast, das auch wirklich zu bestätigen. Den Sieg gegen Jordanien hast du richtig stark gemacht. Das musst du erst einmal schaffen, auch vom Druck her, und erst einmal diese Konstellation herstellen, die du jetzt hast.

Georg Teigl: Gegen Argentinien musst du damit rechnen, dass du da nicht drei Punkte einfährst. Da verstehe ich die Kritik von außen wenig. Sie haben es trotzdem extrem engagiert und giftig gemacht. Am Schluss haben sie noch eins kassiert, aber da war es wahrscheinlich schon egal. Bis dahin war es ein recht offenes Spiel. Vor allem die erste Halbzeit hat mir extrem gut gefallen – sie waren so giftig, was den Fußball betrifft, auch in den Zweikämpfen.

Georg Teigl: Ich bin kein großer Fan von diesen Trinkpausen, das muss ich ehrlich sagen, die nerven mich. Amerika ist ja gut und schön und glaubt, der Nabel der Welt zu sein, aber sie haben keine Ahnung, wie Fußball geht – also verzeihen wir ihnen diese Trinkpausen einmal. Aber man merkt schon, dass das Momentum dadurch extrem hin und her shiftet. Was ich von der Stimmung mitbekomme, ist es super positiv. Die Leute haben eine Gaude, die Spieler erleben etwas, was sie sonst nicht erleben. Jetzt geht es ins dritte Spiel, das ist das Entscheidende. Darauf freuen wir uns heute.

Stimmung in Kansas City

Johnny Hofer: Absolut. Und einer, der sich wieder genau dorthin auf den Weg gemacht hat, ist Harri. Wie hast du die Stadt bislang wahrgenommen, und wie hast du die Grundstimmung aus dem österreichischen Fanlager erlebt?

Harri Hofstätter: Ich war heute zum ersten Mal in Downtown Kansas City. Da gibt es eine riesige Fanzone, die heißt KC Live oder Kansas City Live. Das ist so ein Event-Areal, wo viele Bars und Restaurants rund um einen großen Freiluftplatz liegen – überdacht, mit einer großen Video-Wall.

Harri Hofstätter: Die Tage davor waren die Holländer klar tonangebend, Oranje hat dort jeden Tag gefeiert. Und jetzt, mit dem Spiel, das hier in Kansas City vor der Tür steht, war schon viel mehr Rot-Weiß-Rot zu sehen, auch algerische Fans. Ich habe mit einigen gesprochen, und die Grundstimmung ist sehr positiv.

Johnny Hofer: Wie lange seid ihr jetzt insgesamt unterwegs – schon drei Wochen?

Harri Hofstätter: Genau. Kansas City ist jetzt quasi der letzte Stopp.

Erwartungshaltung und Realismus

Johnny Hofer: Die Grundstimmung in Rot-Weiß-Rot, die Erwartungshaltung, ist vor allem schon sehr groß. Ist das aus deiner Sicht nachvollziehbar, Georg, wenn wir das aus der Ferne beurteilen, dass da eine einigermaßen große Erwartungshaltung herrscht?

Georg Teigl: Ich verstehe die Erwartungshaltung, aber ich verstehe vor allem auch den Realismus. Man muss immer wissen, wo man herkommt. Österreich hat die schöne Eigenschaft, gerne ins Original hineinzustürzen, mit allem, was wir haben – und am Ende des Tages hoffen wir, dass wir auf der anderen Seite gut rauskommen. Das ist schön zu sehen, aber es baut teilweise eine falsche Wahrnehmung auf, weil der Rest der Welt auf uns schaut. Manchmal macht es Sinn, das Ganze von außen zu betrachten: wie wichtig und wie gut wir wirklich sind. Im Vergleich zu Algerien finde ich gar nicht so viel Unterschied bei den Spielern. Die stehen alle in Top-Klubs, die können alle gut zocken, das ist auch eine richtig gute Mannschaft. Von daher muss man schon die Kirche im Dorf lassen.

Georg Teigl: Ein gutes Ergebnis wäre ein Sieg, ein Unentschieden aber auch. Insofern sollte man aufpassen, dass man nicht zu viel erwartet. Am Ende des Tages will es aber jeder – mit Erwartungen allein holst du selten einen Titel. Die Jungs werden sich abschotten und das gar nicht zulassen, das müssen sie auch. Es wird so viel Mist geschrieben und auch so viel Gutes, aber wenn man die Medien anschaut, will jeder irgendwie dabei sein und seinen Senf dazugeben. Das wird sie am Ende nicht so extrem beeinflussen. Es wird sie nicht daran hindern, die Qualität dorthin zu bringen, wo sie sein wollen. Das ist jetzt in Kansas eine riesige Aufgabe, und darauf konzentrieren sie sich.

Die Fans nach dem Argentinien-Spiel

Johnny Hofer: Wie hast du die Grundstimmung vor Ort erlebt, Harri? Vor Argentinien war ja der Hype groß – es geht gegen den Weltmeister. Diese kleine Prise Grundrealismus haben österreichische Fußballfans schon in sich, in so einer Partie keine überzogenen Ansprüche zu stellen. Wie hast du das erlebt?

Harri Hofstätter: Ja, das war ganz klar so. Bei den österreichischen Fans nach dem Argentinien-Spiel war von Enttäuschung oder Verzweiflung keine Spur. Die haben das richtig eingeordnet. Jeder hat gewusst, dass das eine unglaubliche Mannschaft ist, in allen Teilen mit Weltklasse-Spielern. So viel Fachwissen und Realismus haben die Fans auch. Natürlich haben sie von einer Sensation geträumt, aber der positiven Grundstimmung hat das keinen Abbruch getan.

Harri Hofstätter: Im Gegenteil, der Blick ging schon voraus zum Algerien-Spiel – und generell das Bewusstsein, dass man bei einer WM dabei ist und etwas erlebt hat, das man so wahrscheinlich nie mehr erleben wird: in so einem Stadion gegen Messi und diese Argentinier zu spielen. Das war einfach das Bewusstsein, bei etwas Historischem dabei gewesen zu sein. Nichtsdestotrotz ist die Stimmung jetzt schon so, dass sie von einem Sieg ausgehen – aber das ist für die Fans auch völlig okay. Man muss mit einer gewissen Passion, mit Optimismus und Zuversicht reingehen, und das werden sicher auch die Spieler machen.

Rechenspiele in der Kabine?

Johnny Hofer: Es wäre auch blöd, in die Partie zu gehen und zu denken: Na ja, ist eh wurscht. Die Konstellation lässt noch wahnsinnig viele Spielräume zu. Das Gute ist: Österreich weiß bis zum Ankick der eigenen Partie, wie die Konstellation aussieht und was für den zweiten oder dritten Platz nötig ist. Georg, finden solche Rechenspiele in einer Kabine, in einer Mannschaft statt? Oder ist das nur ein Geplänkel von außen?

Georg Teigl: Ich glaube, der eine oder andere wird schon den Kicker-Tabellenrechner hergenommen und ein paar Ergebnisse eingegeben haben – so wie ich. Aber am Ende kommt immer dasselbe heraus: Du weißt es einfach nicht. Und wie du sagst, hast du den Vorteil, dass du bis zum Schluss das letzte Spiel hast. Das kann dir nur zugutekommen, wenn während des Spiels eine Situation eintritt, in der du weißt: Ich muss nicht mehr auf Teufel komm raus dies oder das machen. Im Vorfeld macht es dir eher nichts. Sie werden auf Sieg spielen, etwas anderes können wir uns nicht erlauben.

Georg Teigl: Auf diesem Niveau wird es auch keine Absprachen geben mit Algerien und Österreich, dass man sagt: Machen wir doch ein Unentschieden, dann sind alle glücklich. So etwas wie damals in Gijón wird es nicht geben. Dafür sind sie zu ehrenhaft und viel zu korrekt. Auch Rangnick wird sich davon nicht beeinflussen lassen. Das sind Dinge, die für uns relevanter sind als für die Spieler selbst, weil die so im Tunnel drin sind.

Georg Teigl: Es wird vielleicht ein bisschen im Hinterkopf sein – wir geben alles, aber es gibt vielleicht so einen Anker, der uns doch noch retten kann. Aber ich sage immer: Hab niemals einen Plan B, das ist im Leben das Beste. Du hast einen Plan und den verfolgst du, anstatt dich mit verschiedenen Szenarien zu beschäftigen. Das würde nur deine Leistung schmälern. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie das so sehr in ihre Köpfe reinlassen, dass sie gar nicht mehr spielen können.

Johnny Hofer: Es wäre ja Wahnsinn, wenn sich jetzt eine abgemachte Partie wiederholen würde – die Schande von Gijón, an die sich von uns dreien nur Harri erinnert.

Harri Hofstätter: Da war ich sechs Jahre alt.

Johnny Hofer: Algerien war damals die Mannschaft, die durch die Finger geschaut hat. Es wäre ein Treppenwitz, wenn diesmal ausgerechnet Algerien von so einer ausgemachten Partie betroffen wäre. Aber davon gehe ich nicht aus – und vor allem haben die Algerier ihre eigene Ehre. Das wurde dort auch noch einmal aufgewärmt und groß gemacht. An der Motivation wird es aus algerischer Sicht definitiv nicht scheitern.

Der Gegner Algerien

Johnny Hofer: Lasst uns kurz über den Gegner sprechen, denn die Spieler im Kader haben es teilweise in sich. Von hinten heraus mit einem Goalie mit klingendem Namen – Luça Zidane –, Ibrahim Maza von Leverkusen, Bilal El Khannous, Shaibi von Frankfurt, vorne Ami Mouş – alles extreme Baller, natürlich angeführt vom Altmeister Riyad Mahrez. Was erwartet ihr für eine Mannschaft, für einen Gegner?

Georg Teigl: Da sind, wie du angesprochen hast, richtig gute Profile drin. Mahrez überstrahlt mit seinem Namen alles. Fußball ist total fies, im Eins-gegen-eins ist immer etwas möglich. Die reißen immer wieder Räume auf mit ihren Einzelaktionen – das sind Baller, die zocken gerne und locken dich gern mal aus. Sie sind extrem gefinkelt und unangenehm zu bespielen. Sie haben sicher Respekt vor Österreich, aber durch diese aufgewärmte Geschichte vielleicht auch eine Extra-Motivation.

Georg Teigl: Sonst erwarte ich ein total schwer auszurechnendes Spiel für uns, weil Algerien nicht jeder auf dem Schirm hat. Was uns zugutekommt: Wir haben vom Profil und von der Disziplin her viele Spieler am Platz, die sich dessen bewusst sind, wie wichtig es ist, im Verbund zu sein – und in den richtigen Momenten und Arealen auch kreativer zu sein. Das ist richtig stark, und das wissen alle Gegner. Ralf ist ein Genie, was Pressing und taktische Dinge betrifft, gepaart mit jedem einzelnen Spieler und dieser Familie, die sie haben. Sie rennen füreinander, nur so kannst du etwas erreichen. Und ganz nebenbei sind sie alle richtig gute Spieler. Ich glaube, das kommt uns zugute, dass wir sehr bewusst auf Fußball spielen können.

Harri Hofstätter: Wenn ich nach Vorteilen für Algerien suchen muss, würde ich die psychologische Komponente hernehmen: Sie haben ihr letztes Spiel gewonnen, noch dazu nach Umdrehen gegen Jordanien, was die Brust noch breiter gemacht hat. Sie gehen also mit einem Erfolgserlebnis in die Partie und haben eine recht komfortable Ausgangsposition, was das Tabellenbild betrifft. Wenn wir davon ausgehen, dass auch sie nicht unglücklich wären, Spanien im Sechzehntelfinale zu vermeiden, dann könnten sie das schon mit einem Punkt perfekt hinkriegen: Dritter in der Gruppe, fix weiter und nicht gegen Spanien.

Harri Hofstätter: Andererseits denken die Algerier vielleicht noch mehr über diese Konstellation nach, was dann wieder nicht so gut ist. Man kann das stundenlang hin und her drehen, und am Ende kommt es wahrscheinlich ganz anders. Wahrscheinlich tritt eine Konstellation ein, über die niemand nachgedacht hat. Ich lasse mich überraschen und freue mich auf die Partie. Ich glaube, es wird ein gutes Spiel – aber das ist ein extrem schwieriger und gefährlicher Gegner, hundertprozentig.

Trainerfuchs Vladimir Petković

Johnny Hofer: Sie kennen uns definitiv, weil ihr Coach ein alter Eidgenosse ist, auch so ein Trainerfuchs: Vladimir Petković. Sieben Jahre war er bei der Schweizer Nationalmannschaft tätig, jetzt ist er seit zwei Jahren in Algerien, kann aus einem tollen Talentepool schöpfen und hat einen Punkteschnitt von über zwei. Das ist so ein Trainer, bei dem ich immer geglaubt habe, der macht nach der Schweiz noch einmal etwas richtig Großes. Als ich damals mitbekommen habe, dass er das algerische Team übernimmt, war das für mich – bei allem Respekt vor Algerien – nicht ganz stimmig, weil er in der Schweiz so gute Arbeit geleistet hat. Vielleicht wollte er aber gar keinen Verein, sondern eine Nationalmannschaft. Für mich ist Petković einer der großen unterschätzten Namen im Trainergeschäft.

Georg Teigl: Ich muss ehrlich sagen, du bist viel tiefer in diesen Namen drin. Aber wenn man sich das anschaut – 78 Länderspiele für die Schweiz, und die Schweiz war damals von der Liga her noch ein bisschen größer und erfolgreicher –, dazu Lazio Rom, das sind schon richtig gute Adressen. Er macht es unfassbar gut. Ein Schnitt von 2,35 Punkten ist unfassbar, ich glaube, er hat schon lange nicht mehr oder nur ganz wenige Spiele verloren. Ein schlauer, erfahrener Trainer.

Harri Hofstätter: Der macht die Aufgabe auch nicht leichter. Ich glaube, der ist taktisch gewieft und mit allen Wassern gewaschen und stellt seine Burschen genau auf das Spiel ein. Das ist auch ein Faktor, der es für uns kompliziert machen könnte.

Der Schiedsrichter

Johnny Hofer: Wie in jeder Folge noch ein kurzer Blick auf den Schiedsrichter. Das ist diesmal wieder ein für uns gänzlich unbekannter Name: Ilgiz Tantashev aus Usbekistan. Hoffen wir, dass er der Bühne besser gewachsen ist als der Schiedsrichter im Argentinien-Spiel, wo wir zum ersten Mal nicht wirklich zufrieden waren mit der Leistung. Für Tantashev ist es die zweite WM-Partie, er hat auch schon Schottland gegen Marokko gepfiffen. Spannend ist es allemal.

Roadtrip über die Route 66

Johnny Hofer: Dann müssen wir noch über die Reise und die Eindrücke sprechen. Harri, du hast dich aus Texas aufgemacht und seid noch ein Stück über die Route 66 gefahren – mehr Klischee-Amerika geht ja gar nicht.

Harri Hofstätter: Phasenweise war ich auf der historischen Route 66 unterwegs, das war richtig gut. Links und rechts die alten, verfallenen Tankstellen und Häuser, die früher zur glorreichen Zeit in den 70er- und 80er-Jahren die Raststationen für Motorrad- und Autofahrer waren. Bei einem recht originellen, legendären Fotostopp war ich auch: dem Blue Whale of Catoosa. Ein riesiger blauer Wal, der in einem Teich liegt – ein Kunstgebilde, das ein örtlicher Künstler als Liebeserklärung an seine Freundin gemacht hat. Das war recht witzig. Die komplette Route bin ich aber nicht gefahren, sonst wäre ich immer noch unterwegs, weil viele Abschnitte nur mit 35 bis 40 Meilen befahrbar sind.

Harri Hofstätter: Auf der Interstate bin ich dann in zwei unglaubliche Gewitter gekommen – solche Gewitter habe ich noch nie erlebt. Das war wie eine Sonnenfinsternis mit Wasserwand. Es hat heruntergeschüttet, der komplette Verkehr ist mitten auf der Interstate stehen geblieben, hinter mir ein 80-Tonner, vor mir ein 80-Tonner. Es hat geblitzt und gedonnert, dass das Auto gewackelt hat. Ich war froh, als es vorbei war – aber dann kam gleich das nächste. Die Fahrt war recht aufregend.

Harri Hofstätter: In Tulsa habe ich Zwischenstation gemacht und am Abend noch den NBA-Draft in einer Bar verfolgt. Da gab es statt Fußball-WM nur NBA-Draft – die Leute hat die WM null interessiert. Das war in Oklahoma City, da ist die NBA klarerweise groß, sie waren ja vor gar nicht langer Zeit Champion. Für die war es wesentlich wichtiger, wer nächste Saison für Oklahoma spielt, als wie unsere Partie ausgeht. Und dann bin ich in Kansas City angekommen, war wie gesagt heute schon beim Fanfest. Morgen werde ich schauen, dass ich relativ früh beim Stadion bin, um ein bisschen Stimmung mitzunehmen. Angeblich kommen extrem viele algerische Fans, ich habe zwei, drei Mal gehört, dass es vielleicht sogar 20.000 sein könnten. In Dallas gibt es eine riesige Community, von denen sollen viele da sein. Ich glaube, es wird wieder recht laut im Stadion.

Chiefs Nation und das Wetter in Kansas

Johnny Hofer: Österreich also in der Unterzahl auf den Rängen, aber das ist keine große Überraschung – das war schon gegen Jordanien und Argentinien so. Aber Kansas City ist ganz klar Chiefs Nation, Patrick Mahomes, der Superstar. Die Super Bowl haben sie, wenn ich mich richtig erinnere, mehrfach gewonnen – du bist dort, ich weiß es gerade nicht genau.

Harri Hofstätter: Ich glaube, zweimal. Jetzt werden mich die NFL-Fans verfluchen.

Johnny Hofer: Auf alle Fälle eine große Nummer, auch ein ikonisches Football-Stadion. Aber nimm uns noch mit: Was erwartet die Mannschaft klimatisch? In San Francisco war es in der ersten Partie sehr frisch – wie ist es jetzt?

Harri Hofstätter: Wenn es so ist wie heute, dann wird es erträglich, weil es die letzten Tage recht viel geregnet hat. Heute war es auch nicht mehr so schwül wie gestern. Angeblich regnet es morgen am Vormittag und dann wird es heiß – das könnte ordentlich dampfig werden. Es ist ein offenes Stadion, ein richtiger Kessel. Allerdings fängt die Partie erst um 21 Uhr Ortszeit an. Es war in den vergangenen Wochen schon viel heißer hier, und die Leute in Topeka haben erzählt, dass im Juli und August ganz andere Temperaturen herrschen. Ich glaube, das wird am Ende kein großer Faktor.

Johnny Hofer: Ich muss das kurz nachtragen: Die Chiefs haben die moderne Super Bowl dreimal gewonnen und insgesamt viermal. Alle Kansas-City-Chiefs- und Patrick-Mahomes-Fans mögen mir verzeihen.

Harri Hofstätter: Ich war auch voll daneben.

Johnny Hofer: Bei den Chiefs ist natürlich auch Travis Kelce, der Ehemann von Taylor Swift – nicht vergessen, der ist auch noch ganz wichtig, für alle Swifties da draußen. Dann hoffen wir auf einen positiven Abschluss dieser Gruppenphase, und möge der österreichische Weg noch weitergehen. Du wirst uns wieder davon berichten. Herzlichen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast.

Mitten in der Nacht und ein historischer Schritt

Georg Teigl: Sehr gerne. Ich hätte gedacht, wir reden noch ein bisschen mehr über die WM, aber sonst passt alles. Ich schaue es mir gerne an – ich hätte gedacht, gar nicht so gerne, aber die WM ist eine Taktmaschine. Die Anstußzeiten sind okay, jetzt zum Einschlafen als Betthupferl um neun oder zehn passt das. Aber vier Uhr früh ist schon hart.

Harri Hofstätter: Hattest du Tage, wo du alle vier Spiele geschaut hast?

Georg Teigl: Nein, das wäre übertrieben. Man muss alles in der Balance halten. Aber ich habe Bock darauf, es macht echt Spaß zuzuschauen.

Johnny Hofer: Mitten in der Nacht zu schauen, das wird die Premiere für mich. Man muss ja noch ein bisschen die Kontrolle behalten.

Harri Hofstätter: Vier Uhr österreichischer Zeit ist schon heftig.

Johnny Hofer: Es ist die schlimmste Ankickzeit, die es überhaupt gibt. Dann ist die Partie vorbei und es ist sechs in der Früh. Welcher Mensch geht um sechs in der Früh noch einmal schlafen? Niemand.

Harri Hofstätter: Dann heißt es: runterkommen.

Georg Teigl: Oder du schläfst und wirst von irgendeinem Nachbarn aufgeweckt, der das schaut und komplett durchdreht. Dann weißt du wenigstens, ob es gut oder schlecht ist.

Johnny Hofer: Schauen werden wir auf alle Fälle. Ich glaube, es werden sehr viele schauen, weil es uns das letzte Mal ein Entscheidungsspiel um den Einzug in eine K.-o.-Phase gegeben hat. Da sind wir richtig historisch unterwegs: 1978 war das nämlich nicht der Fall, und zuletzt war es meines Wissens 1954, dass Österreich in der K.-o.-Phase einer Weltmeisterschaft stand. Danach folgten ja nach der ersten Gruppenphase noch weitere Gruppenphasen.

Harri Hofstätter: An 54 kann ich mich nicht erinnern, Johnny.

Georg Teigl: Das war noch der Herr Papa.

Johnny Hofer: Ich habe mich zurückgehalten, nachdem ich vorher schon frech war. Aber jetzt wirklich, meine Herren: Es hat mich sehr gefreut. Vielen Dank, dass ihr dabei wart, und vielen Dank auch an euch da draußen. Wenn dir diese Folge gefallen hat, abonniere uns gerne und verpasse keine weitere Episode von Ohne Filter. Wenn du außerdem die Video-Episoden sehen möchtest, findest du den gesamten Katalog auf dem Canal+ YouTube-Kanal. Ohne Filter ist dein Canal+ Podcast, produziert von Podcastwerkstatt Digital. Und immer wieder Österreich – servus, ciao und baba!