Ohne Filter – Folge 16

Österreich gegen Spanien: Warum das Achtelfinale ein Spiel ohne Druck ist

Episodenbeschreibung

Österreich steht im Achtelfinale – und Michi Gregoritsch meldet sich mit Gänsehaut zu Wort: Er erzählt von der irren Nachspielzeit gegen Algerien, dem imaginär schon gepackten Koffer und einem Moment, den er sogar über das Bosnien-Tor stellt. Danach schalten Johnny und Harri um auf das Duell mit Europameister Spanien – die größte WM-Partie ihrer Lebenszeit. Wie stark ist die Furia Roja wirklich, wie tief ist ihr Kader, und wo liegt die österreichische Chance? Harri berichtet vom Venice Beach über sein Ende des Roadtrips, 5.700 Meilen, einen tränenreichen Abschied vom Chevy und ein Land im Soccer-Fieber. Ein Spiel, in dem Österreich nichts zu verlieren hat. Abonniere Ohne Filter und lass eine Bewertung da.

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#16 Gregoritsch über das Wunder von Kansas City

Das erwartet dich in der Folge

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    Emotionale Eindrücke übers Algerien spiel von Michael Gregoritsch 

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    Österreichs Chancen im WM-Achtelfinale

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    Die USA im Fußballfieber

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    Der Gegner Spanien. Ein Kader von dem man nur Träumen kann.

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    Matchvorbereitung Österreich vs Spanien

Transkript der Folge

Begrüßung vom Venice Beach

Johnny Hofer: Herzlich willkommen zurück zu einer neuen Folge von Ohne Filter. Wir schauen auf die WM, wir schauen auf Österreich, wir schauen nach L.A., denn dort ist schon Harri Hofstetter. Servus, Harri! Dein Hintergrund ist traumhaft, wunderbar und ganz schön. Du bist ein Surfer Dude dieser Tage.

Harri Hofstätter: Servus Johnny, freut mich wieder sehr. Ich stehe da am Venice Beach in L.A., an einem der schönsten Plätze, an denen ich jemals arbeiten durfte. Es hat angenehme 20 Grad, es ist leicht bewölkt, und es könnte nicht angenehmer sein. Es ist allerdings auch erst halb neun in der Früh, also schauen wir mal, was der Tag noch bringt – auf jeden Fall das Spiel der USA heute.

Johnny Hofer: Für alle, die nur via Audio dabei sind: Ihr müsst euch das so vorstellen, der Harri schaut aus wie ein richtiger Surferboy, und wenn ihr im Hintergrund etwas hört, dann ist es das sanfte Meeresrauschen. Die Surfer sind im Wasser, der Harri steht davor. Der Anblick allein – ich weiß nicht unbedingt du, aber der Hintergrund lässt mich neidisch werden.

Harri Hofstätter: Ich habe schon gewusst, was du meinst.

5.700 Meilen und der Abschied vom Chevy

Johnny Hofer: Harri, du hast diesmal nicht mehr den klassischen Roadtrip gemacht, sondern andere Behelfsmittel genommen, um dann vor Kansas wieder an die Westküste zurückzukehren, dorthin, wo unsere gemeinsame Reise irgendwo gestartet ist. Nimm uns ein bisschen mit auf deine letzten Tage, auf deine Reise nach L.A. zu diesem Achtelfinalspiel.

Harri Hofstätter: Ja, ich habe meinen treuen, weißen Chevy Silverado am Flughafen in Denver stehen gelassen. Nach 5.700 Meilen war das ein harter Abschied für mich, ich war wirklich ein bisschen emotional. Dann bin ich auf die United-Airlines-Maschine von Denver nach L.A. umgestiegen und war in zweieinhalb Stunden da. Für mich eigentlich unglaublich, wenn ich daran denke, wie lange ich da unten on the road unterwegs war, um diese Distanz zu schaffen – und dann steigt man ins Flugzeug, das fliegt hoch und runter, und man ist da. Das war deutlich angenehmer, und ich bin froh, dass ich so schnell da war, weil es sich hier aushalten lässt. Außerdem kommen heute schon einige österreichische Fans zum Venice Beach, mit denen werde ich mich treffen. Es gibt einige interessante Spiele, es gibt super Sport-Bars, wo man schauen kann. Gestern habe ich das Mexiko-Spiel geschaut, da war die Hölle los. Laut den mexikanischen Kellnerinnen und Kellnern ist es richtig schön eskaliert, als die Mexikaner gewonnen haben. Ich bin mit jeder Stunde, die das Spiel näher kommt, optimistischer und glaube fest an die Sensation.

Johnny Hofer: Ja, für alle, die den Harri nicht nur reden hören wollen: Auf Kicker.at gibt es natürlich auch die ganzen Reportagen, die du zu Schrift bringst. Schaut euch das an, sehr interessante, sehr coole Einblicke, die teilweise fast noch ein bisschen mehr ins Detail gehen. Du bringst uns da richtig super WM-Feeling mit. Was mich schon beschäftigt – du hast es schön angesprochen –, du hast 5.700 Meilen absolviert. Es wird ja immer wieder von der WM der großen Distanzen gesprochen. Österreich hat nicht unbedingt ein wahnsinniges Glück mit den Spielorten und Spielwegen gehabt. Es ist irre und zeigt, welche Dimensionen dieses Land mit sich bringt – ohne dass die Österreicher überhaupt die Vereinigten Staaten verlassen haben. Das kommt ja noch dazu.
Harri Hofstätter: Absolut, man muss bedenken: Kanada und Mexiko blieben von unserem Team bis jetzt völlig unberührt. Florida, die Ostküste oder auch die Gegend um Atlanta – das sind alles noch Regionen, in denen gespielt wird. Es ist wirklich unvorstellbar groß. Aber es ist ja auch vom Teilnehmerfeld das größte Turnier, das es jemals gab, im wahrsten Sinne des Wortes eine Mega-XL-WM – und schön, dass wir noch dabei sind.

Einspieler: Gregoritsch über die Nachspielzeit gegen Algerien

Johnny Hofer: Ja, absolut. Und bevor wir zwei jetzt richtig in dieses Achtelfinale gegen Spanien reingehen, das definitiv größte WM-Spiel unserer beider Lebenszeit – wobei, auf der Welt muss man das relativieren, da warst du ein kleiner Zwerg, als 1978 etwas anderes passiert ist –, hören wir uns kurz an, was der Gregerl zu berichten hat. Mit dem konnte ich ein paar Minuten sprechen, nachdem der Aufstieg geschafft war. Servus Gregerl, schön, dass wir dich in Santa Barbara erreichen. Wie geht's dir denn?

Michael Gregoritsch: Gut. Nachdem wir weitergekommen sind und uns im letzten Spiel erleichtern konnten, muss man sagen: Es war jetzt gut, dass wir über die Verlängerung ein bisschen Spannung reinbekommen haben. Jetzt geht das Turniergefühl erst richtig los. Man sieht, alle tun sich schwer in den Spielen, und es macht richtig Spaß, dass jetzt wirklich Ausscheidungsspiele sind. Hoffentlich schaffen wir es genauso und sind am Ende der glückliche Sieger im Achtelfinale.

Johnny Hofer: Du sagst Ausscheidungsspiel – gegen Algerien war es doch eigentlich auch schon eines, oder?
Michael Gregoritsch: Im Endeffekt muss man sagen, es war vermutlich sehr naiv, was wir da gemacht haben, mit einem sehr, sehr glücklichen Ende. Aber es ist eine Emotion mehr, die wir jetzt alle gespeichert haben, und vielleicht war das genau der richtige Push, dass wir jetzt eine gute Motivation haben und sehen: Es ist einiges mehr möglich, als man vielleicht noch glaubt.

Johnny Hofer: Ich bin mitten in der Nacht vor dem Fernseher gesessen, es war hinten raus komplett irre. Nimm uns bitte einmal mit in die Nachspielzeit. Welcher Film ist da bei dir gerannt?

Michael Gregoritsch: Die letzte Viertelstunde hat sich schon ganz komisch angefühlt, und dann bekommt man so ein Gefühl dafür, dass hoffentlich nichts mehr passiert. Nach der Chance vom Lini habe ich das Gefühl gehabt, jetzt sind wir draußen, und habe es leider auch vor mich hin gesagt: Wir sind einfach raus, wir sind raus. Das habe ich vor mich hingesagt, habe in die Fans geschaut und imaginär meinen Koffer gepackt. Und dann – ja, Wunder geschehen, Gott sei Dank für uns in dem Fall. Diesen Moment würde ich sogar über den vom Bosnien-Spiel stellen.

Johnny Hofer: Wie war denn die letzte Aktion? Sabitzer hat draußen den Ball, er bringt ihn herein. Hast du gewusst, dass du im Abseits bist? Ob du die Kugel überhaupt zurück ins Spiel bringen kannst?

Michael Gregoritsch: Ich weiß gar nicht mehr wie, aber der Ball ist zum Sabi gekommen, und ich sehe ihn nur auf der linken Seite. Ich bin relativ lang im Sechzehner gewesen und habe mir schon gedacht: Wenn der kommt, ist das noch eine Chance zum Köpfeln. Dann kommt er weit und ist ehrlicherweise im Flutlicht verschwunden. Dann habe ich einfach nur versucht, irgendwie einzuköpfeln. Ich habe Sascha ehrlicherweise nicht gesehen, habe irgendwie probiert, den Ball quer zu köpfeln, und er schießt ihn rein. Ich bin dahinter am Tor gestanden. Ich glaube, man muss sich das Video wirklich 500 Mal anschauen, weil man 500 Mal irgendwas Neues, Geiles sieht. Vielleicht ist genau das der richtige Moment, den wir wieder gespeichert haben und von dem wir sagen können: Von da kriegen wir neue Kraft.

Johnny Hofer: Und danach: Ekstase pur. Wie war es da, mittendrin im Geschehen?

Michael Gregoritsch: Ehrlicherweise bin ich sehr schnell aus der Gruppe geflüchtet, weil ich Angst um meine Viecher hatte. Aber Andy Herzog war dabei, Domi war dabei – der war am schnellsten von allen, hat man auf dem Video gesehen. Wirklich Weltklasse, wenn man sieht, wie viel Freude in jedem Gesicht drin ist und wie viel Erleichterung. Ehrlicherweise, das hätten wir uns nicht verziehen, wenn wir da ausgeschieden wären.

Johnny Hofer: Wie waren die Tage in Santa Barbara? Akkus aufladen? Oder was hast du gemacht?

Michael Gregoritsch: Akkus aufladen, an allererster Stelle. Ich weiß genau, wie zehrend solche Spiele sind, und deswegen habe ich nicht einmal Golf gespielt – und das heißt was bei mir. Ich habe die eineinhalb, zwei Tage wirklich nur im Hotel verbracht und Spiele geschaut, es war sehr viel Spannung dabei, das habe ich sehr genossen. Und jetzt geht es bald Richtung Los Angeles, darauf freuen wir uns.

Johnny Hofer: Jetzt kommt Spanien, Europameister, Fußballkultur in Reinform. Was wird es?

Michael Gregoritsch: Ja, was es so richtig wird, weiß ich noch gar nicht, weil ich die Spanier während des Turniers bisher kaum gesehen habe. Die Trainer werden uns da sicher gut einstellen, und dann werden wir sicher mehr Chancen haben als nach dem 3:2, dass wir weiterkommen.

Johnny Hofer: Ist das jetzt ein Bonus-Spiel im WM-Achtelfinale? Die größtmögliche Bühne?

Michael Gregoritsch: Ja, genau so werden wir es angehen. Ich glaube, wir haben uns das ja alle irgendwo erwartet, dass es dieses Spiel sein wird. Jeder hat gedacht, dass wir Zweiter werden in der Gruppe und Spanien in seiner Gruppe Erster. Man hat gesehen, sie bekommen im einen oder anderen Moment auch Probleme: gegen Kap Verde unentschieden, gegen Uruguay hätten sie noch auf den zweiten Platz rutschen können, da waren sie natürlich schon qualifiziert, das ist auch etwas anderes. Vom Gefühl her schätze ich sie nicht so gut ein wie Argentinien, und trotzdem sind sie über uns zu stellen. Wir werden das Spiel als krasser Außenseiter angehen.

Johnny Hofer: Gregerl, ich würde mir natürlich wünschen, dass wir uns bald wieder im Studio sehen – aber eigentlich wünsche ich mir, dass ihr noch lange in Amerika bleibt und die Spanier raushaut.

Michael Gregoritsch: Danke, Johnny. Ich hoffe, du nimmst es mir nicht übel, dass ich mich vor ein paar Tagen nicht zurückgemeldet habe. Nach dem Spiel gegen Argentinien waren meine Nachrichten einfach überflutet. Bis bald!
Johnny Hofer: Ja, Gregerl, es sei dir natürlich verziehen, dass du dich nicht gemeldet hast, das steht völlig außer Frage.

Zurück am Venice Beach: das Sofi Stadium

Johnny Hofer: Da war schon einiges los. Spannend, das noch einmal aus erster Hand zu erfahren, Harri – was da alles abgegangen ist. Du warst im Stadion dabei, die Emotionen sind übergekocht, und das jetzt noch einmal Revue passieren zu lassen, ist eindrücklich, finde ich.

Harri Hofstätter: Mich hat es noch einmal eingeholt, als ich im Landeanflug auf L.A. war und direkt über das gewaltige, unpackbar moderne und riesige Sofi Stadium drübergeflogen bin. Da habe ich mir gedacht: Das wäre schon schade gewesen, wenn wir das nie mehr erlebt hätten. Insofern war dieses Last-Second-Tor ein Wahnsinn für alle Fußballfans, auch in Österreich. Ich habe mit vielen zu Hause Kontakt gehabt, die freuen sich alle irrsinnig auf das Spiel. Auch, weil es diesmal eine coole Beginnzeit ist für die Fans zu Hause, mit 21 Uhr. Für uns hier weniger, 12 Uhr, das wird ein bisschen Stress in der Früh. Weil rund um diese gigantischen Stadien immer ein Wahnsinnsverkehr herrscht, Chaos deluxe. Man muss schauen, dass man gleich nach dem Frühstück aufbricht, mit Uber oder Bus oder wie auch immer, um dem Chaos zu entgehen. Aber ich freue mich extrem auf dieses Stadion. Innen muss es gewaltig sein, von außen ist es ein absoluter Traum, man kann sich das kaum vorstellen. Über zwei Milliarden Dollar hat es gekostet, das ganze Gelände rundherum fünf Milliarden. Das sind Dimensionen, von denen wir nur träumen können.

Johnny Hofer: Wenn man uns ein paar hundert Millionen gegeben hätte, dann hätten wir mittlerweile schon ein Nationalstadion in Linz stehen. Aber das ist eine andere Geschichte. Wie ist die Lage vor Ort? Das ist ja für alle, die nicht in Amerika weilen, immer so eine Geschichte – es gibt ja von bis. Wir haben es mühsam erlebt in San Francisco, dann gibt es wieder Stadien, zu denen du mit dem Auto oder sogar öffentlich easy hinfahren kannst. Wie ist es in Los Angeles?

Harri Hofstätter: Mit easy ist da gar nichts. Die Stadt ist so riesig, hat für uns unvorstellbare Ausmaße, und deswegen wird es nicht easy – weder mit Bus noch mit Uber noch mit Taxi noch zu Fuß. Es wird viel los sein, vorher und nachher. Was es angenehmer macht: Wenn das Spiel aus ist, ist es nicht mitten in der Nacht. Man hat dann gemütlich Zeit, hoffentlich den Triumph der Österreicher zu feiern. Aber schauen wir mal, ein Schritt nach dem anderen. Ich werde zeitig aufstehen, früh aufbrechen und sicher rechtzeitig im Stadion sein.
Soccer-Fieber im ganzen Land

Johnny Hofer: Es ist jetzt dein zweites Mal in L.A. auf deiner Reise. Wie ist der Unterschied, was das WM-Feeling in der Stadt angeht? Hat sich das ein bisschen gewandelt deiner Meinung nach, beziehungsweise wie hast du das im Laufe der WM an den verschiedensten Orten wahrgenommen?

Harri Hofstätter: Es hat sich definitiv gewandelt, nicht nur hier in L.A., sondern im ganzen Land. Die Leistungen des US-Teams, der Aufstieg aus der Gruppenphase, die riesige Erwartungshaltung vor ihrem Achtelfinale – da ist so etwas wie ein Soccer-Fieber ausgebrochen. Wenn diese WM am Anfang noch eher zäh losgegangen ist, mit vielen Spielen und viel Drumherum, das die Amerikaner nicht wirklich gekannt haben, sind sie jetzt on fire. Man sieht überall Flaggen und Wimpel, in jeder Bar, in jedem Restaurant laufen die Fernseher mit den WM-Spielen. Das ist auch die Phase, die für US-Sportfans perfekt ist: Playoffs, Knockout, einer kommt weiter, einer verliert. Das lieben sie. Und ich glaube, jetzt geht es so richtig los mit der WM.

Zurück am Venice Beach: das Sofi Stadium

Johnny Hofer: Es ist jetzt dein zweites Mal in L.A. auf deiner Reise. Wie ist der Unterschied, was das WM-Feeling in der Stadt angeht? Hat sich das ein bisschen gewandelt deiner Meinung nach, beziehungsweise wie hast du das im Laufe der WM an den verschiedensten Orten wahrgenommen?

Harri Hofstätter: Es hat sich definitiv gewandelt, nicht nur hier in L.A., sondern im ganzen Land. Die Leistungen des US-Teams, der Aufstieg aus der Gruppenphase, die riesige Erwartungshaltung vor ihrem Achtelfinale – da ist so etwas wie ein Soccer-Fieber ausgebrochen. Wenn diese WM am Anfang noch eher zäh losgegangen ist, mit vielen Spielen und viel Drumherum, das die Amerikaner nicht wirklich gekannt haben, sind sie jetzt on fire. Man sieht überall Flaggen und Wimpel, in jeder Bar, in jedem Restaurant laufen die Fernseher mit den WM-Spielen. Das ist auch die Phase, die für US-Sportfans perfekt ist: Playoffs, Knockout, einer kommt weiter, einer verliert. Das lieben sie. Und ich glaube, jetzt geht es so richtig los mit der WM.

Der Gegner Spanien

Johnny Hofer: Dann lass uns ein bisschen auf den Gegner Spanien blicken. Die sind durchwachsen gestartet mit dem 0:0 gegen Kap Verde, dann ein trockenes, überzeugendes 4:0 gegen Saudi-Arabien und das 1:0 gegen Uruguay – nicht wirklich spektakulär, aber überzeugend. Da sieht man vielleicht den riesigen Unterschied zwischen Spanien und Österreich. Bei den Spaniern funktioniert die Defensive, und das könnte durchaus mühselig werden. Wie hast du die Spanier bislang bei dieser WM wahrgenommen?

Harri Hofstätter: Alle ihre bisherigen Spiele und die Qualität, die sie im Kader haben, lassen den Schluss zu, dass die bis jetzt maximal im dritten Gang unterwegs waren – von fünf oder sechs, wenn ich im Roadtrip-Modus bleibe. Deswegen bin ich gespannt, ob es ausgerechnet das Spiel gegen uns sein wird, in dem sie so richtig ins Turnier finden. Hoffentlich nicht. Bei anderen Mannschaften hat man es gesehen: Frankreich war von Anfang an stark, hat sich aber trotzdem mit jedem Spiel gesteigert, Brasilien ebenso. Deutschland und Holland waren von Anfang an enttäuschend und haben sich gar nicht gesteigert. Bei Spanien wird man sehen. Wenn wir sie so erwischen, wie sie in den ersten drei Spielen unterwegs waren, und wir einen Top-Tag erwischen, dann traue ich uns eine Sensation zu.

Johnny Hofer: Ja, eine Sensation wäre es definitiv. Es wurde viel darüber gesprochen, was dieser Aufstieg bei den Österreichern auslösen kann. Was sind für dich, mit ein bisschen Abstand und nach der überstandenen Gruppenphase, die großen Themen, die du auch im Stadion live gesehen hast? Da spürt man Dinge ja noch einmal intensiver als vor dem Fernseher.

Harri Hofstätter: Mir hat phasenweise ein bisschen die Kreativität gefehlt, dieser zündende Funke, wo man sich denkt: Jetzt kommt eine Aktion, mit der niemand gerechnet hat – eine Spur schneller, eine Spur überlegter. Auch hinten war man anfällig. Das sind lauter Sachen – Kompaktheit –, die man gegen Spanien auf Top-Level bringen muss, weil das ein Gegner ist, der gnadenlos zuschlägt. Die heißen nicht umsonst Furia Roja. Den Namen tragen sie zu Recht, und da müssen wir einfach hellwach sein.

Johnny Hofer: Hoffentlich wird Österreich in der Partie zur Furia für die Spanier.

Harri Hofstätter: Wäre ein guter Start für den Namen.

Kein Druck, alles möglich

Johnny Hofer: Wenn ich als Allererstes an Spanien und Länderspiele gegen Österreich denke, fällt mir eine Partie in Valencia ein, die nach der Pause dann noch hoch verloren wurde. Das ist sehr stark im Kopf, unangenehm, sehr unangenehm. Viel zu holen war auch in den vergangenen Jahren gegen Spanien ganz klar nicht. Bei Österreich ist die große Frage, ob so ein Knoten gelöst wurde, weil die Erwartungshaltung schon ganz klar war: Alles andere als das Überstehen der Gruppe wäre eine Riesenenttäuschung gewesen. Das ist sehr österreichisch, denn du musst das erst einmal schaffen – und das wurde eben geschafft. Was erwartest du, wie der Auftritt wird? Zu verlieren hat das Team von Ralf Rangnick ehrlicherweise gar nichts.

Harri Hofstätter: Das ist ganz klar auch meine Hoffnung: dass dieser Last-Minute-Aufstieg, diese Rettung in die K.-o.-Runde, den Knoten gelöst, die schweren Beine gelockert und den Kopf freigemacht hat. Und wie du richtig sagst, in dem Spiel gegen Spanien haben wir definitiv nichts zu verlieren, da können wir nur positiv überraschen. Der Druck ist ein anderer. Die Spieler machen sich sicher trotzdem Druck, weil sie weiterkommen wollen – bei einer WM spielt man, um zu gewinnen und weiterzukommen. Aber ich glaube, sie werden befreit aufspielen. Ich habe mir gleich nach dem Algerien-Spiel gedacht: Jetzt wäre eigentlich der Moment gegen Spanien, wo wieder so ein Holland-Spiel aus dem Ärmel geschüttelt werden sollte – wie in Berlin gegen die Niederlande bei der letzten EM. Das wäre der perfekte Moment dafür.


Johnny Hofer: Ich glaube, dagegen hätte absolut niemand etwas. Über den spanischen Kader müssen wir eigentlich nicht viele Worte verlieren. Die größte Geschichte ist vielleicht, dass sich Lamine Yamal kontinuierlich weiterentwickelt hat, was die Einsatzminuten angeht: Gegen Saudi-Arabien hat er getroffen, war aber nur 45 Minuten im Einsatz, gegen Uruguay dann schon 76, nachdem er gegen Kap Verde in der Auftaktpartie erst für die letzten 20 Minuten gekommen war. Vielleicht ist er vor Beginn nicht ganz zu 100 Prozent im Saft gestanden. Hoffen wir, dass er sich jetzt nicht die große Matchfitness geholt hat und noch nicht so auftritt, wie er es bei Barcelona phasenweise kann. Wenn wir da anfangen würden, wer heraussticht, wären wir nicht fertig. Für mich ist es ganz klar auch Pedri, einer der Spieler im zentralen Mittelfeld, der diese spanische Schule, die Legacy von Xavi und Iniesta, weiterführt. Wer sticht für dich außer diesen beiden heraus?


Harri Hofstätter: Für mich sticht, so wie du es vorher gesagt hast, diese kompakte Abwehr heraus. Alle reden bei Spanien von Yamal und den Offensivgranaten, aber Torhüter und Abwehrverbund haben bis jetzt richtig, richtig überzeugt. Sie strahlen Ruhe aus, spielen unfassbar gut von hinten heraus, machen keine Fehler. Das war auch das, was ich vorher gemeint habe: Gegen diese Defensive brauchen wir kreative, spezielle Momente, um sie vielleicht ein bisschen zu überraschen. Und hoffentlich ist es nicht der Tag, an dem die Offensivgranaten kollektiv explodieren. Was die Aufstellung betrifft: Die könnten vor dem Spiel elf Spieler auswürfeln, und es wäre noch immer eine unglaubliche Weltklassemannschaft. Sie könnten auch die zehn nehmen, die daheimgeblieben und gar nicht im WM-Kader sind. Diese Nationen wie Spanien, Argentinien, Frankreich haben einfach diese Weltklasse in der Breite. Das ist der wesentliche Unterschied. Aber Fußball ist ein Spiel, Knockout ist ein Spiel an einem Tag. Und das ist meine große Hoffnung.

Johnny Hofer: Du hast es angesprochen – eine Mannschaft, die etwa einen Fabián Ruiz, bei PSG einer der wichtigsten Spieler im Zentrum, getrost auf der Bank lassen kann, oder einen Gavi, einen Dani Olmo, genauso einen Ferran Torres, der immerhin bei Barcelona Stürmer ist. Die haben abartige Qualität. Und du hast den Defensivverbund angesprochen, eine spannende Mischung mit Aymeric Laporte, einem sehr erfahrenen Ü30-Spieler, und dafür wieder einem Pau Cubarsí von Barcelona, nach wie vor ein Teenager, die da hinten zusammen verteidigen. Ich bin gespannt, ob Österreich genau das zeigt, was du angesprochen hast: diese offensiven Überraschungsmomente, den Mut, den wir in der ersten Partie gesehen haben. Ich spreche da ausschließlich vom Tor von Romano Schmid zum 1:0. Das war so ein ansatzloser Moment – du hattest in dem Moment eigentlich nicht den Gedanken, dass er jetzt abzieht. So etwas ist ein bisschen abhandengekommen, und das wäre sehr schön, wenn wir das im Achtelfinale sehen würden. Zum ersten Mal seit 1982 hat Österreich die Gruppenphase wieder überstanden, zum ersten Mal seit 1954 spielt Österreich wieder in einer K.-o.-Phase bei einer Weltmeisterschaft. Wie schaut deine persönliche Matchvorbereitung aus?

Matchvorbereitung am Strand

Harri Hofstätter: Ich habe jetzt den ganzen Tag zur Verfügung, um mich ein bisschen herumzutreiben. Ich werde schauen, dass ich ein paar österreichische Fans aufgable – ein paar haben mich schon kontaktiert. Und natürlich, wie vorher angesprochen, sehr interessant heute das Spiel der Amerikaner. Das werde ich mir sicher wieder irgendwo geben, da wird alles bumvoll sein, so wie gestern bei den Mexikanern. Insofern habe ich mir hier am Venice Beach zwei gute Tage ausgesucht, um die Spiele zu verfolgen. Es ist jetzt auch in den Köpfen aller Leute hier angekommen, die mit Österreich bis jetzt gar nichts anfangen konnten, dass wir immer noch dabei sind, dass wir in der K.-o.-Phase mit den besten Mannschaften stehen. Das macht es lustiger, weil man in der Gruppenphase jedem erklären musste: Ja, uns gibt es auch, und wir spielen nicht mit den Deutschen zusammen, wir sind ein eigenes Land. Jetzt sind wir länger im Turnier dabei als die Deutschen – auch das ist meines Wissens noch nicht oft passiert.

Johnny Hofer: Noch nie?

Harri Hofstätter: Ich habe mich nicht erinnern können. Also, wie gesagt: morgen früh aufstehen und ab Richtung Stadion, Vorfreude und Atmosphäre noch inhalieren, bevor es dann reingeht in den klimatisierten, zugemachten Riesendom. Ja, dann zählt's. Dann werden wir es erfahren.

Johnny Hofer: Abschließend noch: Jetzt bist du schon so lange unterwegs, über einen Monat mittlerweile in den USA, und hast Erfahrung mit der amerikanischen Küche gesammelt. Dein Weapon of Choice, was das Frühstück am Matchtag angeht – was wirst du dir morgen einverleiben?

Harri Hofstätter: Ich werde es traditionell halten, wie in allen drei Spielen bisher: Omelett, getoastete Bagels und diesen eher fragwürdigen – aber ich habe mich schon daran gewöhnt – Frischkäseaufstrich, den man dort überall nachgeschmissen bekommt. Nein, es ist schon in Ordnung. Starken Kaffee dazu, und das passt. Ich werde eher einen nervösen Magen haben in der Früh, also keine großen Experimente, was das Frühstück betrifft.

Johnny Hofer: Klingt fast wie ein Fliegermenü, aber wenn es Glück bringt und passt, hat da natürlich niemand etwas dagegen. Harri, ich bin ein bisschen neidisch, ich muss es noch einmal sagen, auf deinen Hintergrund. Halt die Füße noch einmal kurz für uns ins Meer rein – ist das Wasser angenehm oder frisch?

Harri Hofstätter: Es ist frisch, sogar sehr frisch. Und was gestern auch unglaublich war: Untertags waren es um die 30 Grad, ziemlich heiß, und sobald die Sonne untergeht, macht der Pazifik mit seiner Kaltluft die Temperatur rundherum extrem angenehm. Da geht es blitzschnell auf 20, 18 Grad runter. Heute bleibt es bedeckt. Morgen ist das Wetter beim Spiel sowieso kein Faktor, weil das Dach zu ist, also braucht sich niemand vor zu viel Hitze fürchten. Die Matchvorbereitung wird perfekt sein, auch bei mir.

Verabschiedung

Johnny Hofer: Die Nervosität steigt. Schön, dass du dabei sein kannst. Genießt das alles, saugt das alles auf. Ich bin schon sehr gespannt, was du uns nach der Partie zu erzählen hast. Möge Fortuna mit Österreich sein, ich freue mich auf die Partie. Alle Eindrücke gibt es natürlich auch vom Harri auf Kicker.at nachzulesen. Das war's von uns: Achtelfinale, Österreich gegen Spanien. Lasst uns diesen sporthistorischen Moment genießen, wir freuen uns drauf. Wenn dir diese Folge gefallen hat, abonniere uns gerne und verpasse keine weitere Folge von Ohne Filter. Wenn du außerdem die Video-Episoden sehen möchtest, findest du unseren gesamten Katalog auf dem Canal+ YouTube-Kanal. Ohne Filter ist ein Canal+ Podcast, produziert von Pestbüro Digital. Harri, danke wieder einmal fürs Dabeisein, und bis bald!