Ohne Filter – Folge 24

Der Elfmeter, der alles verändert hat

Episodenbeschreibung

Teil zwei mit Florian Kainz, und es geht sofort ans Eingemachte: ein verschossener Elfmeter im Pokal, ein Ausscheiden – und ein Trainer, der ihn am nächsten Tag ins Büro holt und ihm ab sofort jeden Elfmeter gibt. Dazu die EM 2024 als Karrierehighlight eine Woche nach dem größten Down, Feuerlöscher vor Hotelzimmertüren und die Frage, ob Steffen Baumgart wirklich so ist, wie er im Fernsehen wirkt. Und dann kramen Johnny und Gregerl das Nordderby vom April 2017 hervor: zwei Torschützen, keine gemeinsame Minute auf dem Platz – und ein Startelf-Quiz, das erstaunlich gut ausgeht.

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#24 Der Elfmeter, der alles verändert hat

Das erwartet dich in der Folge

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    Qualitäten eines guten Fußballtrainers

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    Kulttrainer Steffen Baumgart

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    Florian Kainz, Ralf Rangnick und die EM 2024

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    Kainz beste Saison

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    Derbys aus Spielerperspektive

Transkript der Folge

Der Hektor der Woche

Johnny Hofer: Willkommen zurück zu Teil zwei mit Flo Kainz. Wir waren schon mittendrin in seiner Spielerkarriere, bei seinen Top-Mitspielern. Gregerl und Flo, schön, dass ihr wieder da seid. Michi, du hast ja eine Frage.

Michael Gregoritsch: Genau, Kainzi, wie gesagt: schön, dass du für Folge zwei noch bei uns bist. Ich starte gleich mit einer lustigen Geschichte. Du hast Jonas Hector gesagt, einen deiner besten Mitspieler im Verein – für mich auch underrated. Und der Kainzi war verantwortlich dafür, dass ich in der letzten Saison das Trikot von Jonas gekriegt habe, unterschrieben. Also richtig geil. Ich muss sagen, ich bin ja Trikotsammler, und Jonas Hector ist in meiner Trikot-Range auf jeden Fall sehr weit oben, vor allem bei den Deutschen.
Wenn ein Spieler hektisch ist, wird er sehr oft Hector genannt. Wir hatten sogar jedes Jahr in der Kabine den Gag, dass wir von Jonas Hector ein Leiberl als „Hector der Woche“ verliehen haben. Bei jedem Verein – egal, wo ich war, ob Freiburg oder Augsburg, das war überall so: Der Spieler, der am hektischsten ist, wird diese Woche der Hector der Woche und kriegt das Dress von ihm fürs Training. Das war wirklich lustig, muss ich sagen.
Florian Kainz: Du hast Ideen!

Bester Trainer: Steffen Baumgart

Michael Gregoritsch: Okay, das war „bester Mitspieler“, das waren drei. Pizarro finde ich Wahnsinn. Was würdest du sagen: Wer war der beste Trainer, den du gehabt hast?

Florian Kainz: Das ist eine sehr gute Frage, Michael Gregoritsch.

Michael Gregoritsch: Erst einmal natürlich der beste.

Florian Kainz: Steffen Baumgart.

Michael Gregoritsch: Ja? Gut, mit dem seid ihr richtig hoch marschiert in dem einen Jahr.

Florian Kainz: Mit ihm habe ich eine super Verbindung gehabt, bei ihm war ein gutes Verhältnis. Er hat mir in vielen Phasen echt gut geholfen. Das Menschliche war bei ihm richtig gut, ich habe richtig gut mit ihm gekonnt.
Aber einen rauszupicken ist echt schwer. Ich habe echt viele gute Trainer gehabt, also sehr gute, von denen ich viel halte. Und ich habe auch Trainer gehabt, die hätte ich jetzt nicht gebraucht. Aber da gibt es keine Namen.

Michael Gregoritsch: Ja, das wollte ich gerade sagen.

Johnny Hofer: Aber du hast das ja schon ein bisschen angerissen beim Steffen Baumgart. Was ist das, was am stärksten zurückbleibt aus der Zeit?

Florian Kainz: Da hat es eine Geschichte gegeben, die war für mich ganz prägend – als Spieler und als Mensch. Mir ist einmal etwas passiert beim Pokalspiel gegen Hamburg. Ich weiß nicht, ob das schon einmal wer gesehen hat: Da bin ich ausgerutscht. Entscheidender Elfmeter, ich bin ausgerutscht, zwei Kontakte, wir sind ausgeschieden. Das war echt eine blöde Situation, weil das schon Pokalviertelfinale oder so war.
Am nächsten Tag hat er mich in sein Büro geholt und hat mich gefragt, ob ich den nächsten Elfmeter wieder schießen will. Ich habe auf die Schnelle gesagt: Ja, sicher – weil, was sagst du sonst? Dann hat er gesagt: Ja, passt, dann schießt du bei mir ab jetzt jeden Elfmeter. Das sind so kleine Dinge im Zwischenmenschlichen zwischen einem Trainer und einem Spieler, die bleiben. Ich war eigentlich richtig down von dem Spiel, vom verschossenen Elfmeter – und am nächsten Tag hat er mir gleich wieder ein Gefühl gegeben. Mit dieser einen Situation hat er mich gehabt.

Michael Gregoritsch: Ja, das ist lustig, weil ich bin immer der Meinung: Trainieren kann fast jeder Trainer. Die Besten sind die, die das Zwischenmenschliche können, die die Gruppendynamik erkennen und die quasi einfach einmal den Menschen sehen und einmal einen Schmäh machen. Und natürlich sind alle angefressen, wenn wir verlieren, und wir sind alle glücklich, wenn wir gewinnen. Es gibt keinen Trainer auf der Welt, der unglücklich ist, wenn seine Mannschaft gewinnt, und umgekehrt keinen, der lustig ist, wenn man verliert. Aber es gibt Schlüsselmomente, an die man sich einfach erinnert.

Florian Kainz: Genau, genau.

Rangnick, die EM 2024 und ein Karrierehighlight

Michael Gregoritsch: Das unterscheidet die sehr guten von den guten.

Florian Kainz: Der Ralf hat mich in einer Saison, in der es nicht meine beste mit dem FC war, zur Europameisterschaft mitgenommen – auf meiner Position gibt es sehr gute Spieler. Er hat einfach gewusst, dass ich für das Teamgefüge eine gute Rolle spielen kann und natürlich auch Leistung auf den Platz bringen kann.
Und hinten raus als Joker Momente haben kann. Aber das war auch nicht selbstverständlich für mich. An gewisse Situationen erinnert man sich als Spieler immer wieder sehr gerne.
Michael Gregoritsch: Wir haben sehr viel Spaß gehabt bei dieser Europameisterschaft. Das war wow. Das war sicher die beste Zeit in meiner Karriere, das war so lustig und so toll. Weißt du noch, warum du da einen Feuerlöscher, einen Tisch und zwei Vasen vor deiner Tür stehen gehabt hast?

Florian Kainz: Das verstehe ich nicht ganz, muss ich sagen.

Michael Gregoritsch: Spannend!
Florian Kainz: Der Maxi Wöber hat, glaube ich, am meisten … die haben am meisten immer vor der Tür stehen gehabt.

Michael Gregoritsch: Ja, das stimmt.

Florian Kainz: Da haben wir schon Spaß gehabt. Und solche Geschichten schreibt nur der Fußball: Du hast das größte Down in deiner Karriere mit dem Abstieg, und eine Woche später kriegst du einen Anruf, dass du bei der Europameisterschaft dabei bist. Das war dann so ein mittleres Karrierehighlight. Und dann haben wir einfach so ein cooles Team gehabt, so viel Spaß gehabt, gemeinsam eine unglaubliche Gruppenphase gespielt – und dann das abrupte Ende. Seitdem war ich nicht mehr dabei. Das ist auch wieder so eine Geschichte: Ich bin dann gleich zwei Wochen später verletzt gewesen, bin operiert worden, wir waren in der zweiten Liga. Aber schön ist, dass ich trotzdem noch mit vielen Leuten Kontakt habe.

Michael Gregoritsch: Ich glaube, diese Zeit wird uns immer verbinden. Die EM 2024 – leider haben wir uns sportlich nicht so belohnt, dass wir sagen, wir machen ein Zehnjähriges und ein Zwanzigjähriges. Aber diese Gruppe von der EM 2024, das war wirklich wow. Das war super, muss ich auch sagen.

Johnny Hofer: Hat es dich damals eigentlich gefuchst, dass du gar nicht zum Einsatz gekommen bist?

Florian Kainz: Ja, natürlich will man spielen. Aber deswegen war es schon schade, dass wir gegen die Türken den Ausgleich nicht geschafft haben. Ich glaube, zum Elfmeterschießen wäre ich bereit gewesen.

Baumgarts Image – echt oder überzogen?

Johnny Hofer: Weil du Elfmeterschießen sagst: Da muss ich noch einmal kurz den Sprung zurück zu Steffen Baumgart machen, der dich zum Elfmeterschützen eingeteilt hat. Der hat ja dieses extrem kultige Image. Das ist ein deutsches Ding, dass sehr viele Sachen immer kultig sein müssen – so meine Wahrnehmung; ihr könnt das vielleicht noch ein bisschen besser darstellen, weil ihr einfach ewig lang in Deutschland gelebt habt. Hat der so eine öffentliche Persönlichkeit dann irgendwie überzogen, oder war der einfach so, wie er sich immer gegeben hat?

Florian Kainz: Nein, der war so. Der war so, und gewisse Dinge kannst du dann auch einfach nicht mehr spielen. Also der war offen, ehrlich, direkt. So war der.

Johnny Hofer: Hast du auch schon einmal so einen Trainer gehabt, der so extrovertiert und outgoing gewesen ist wie Steffen Baumgart?

Michael Gregoritsch: Ich glaube, in die Richtung war es wahrscheinlich mein Papa, den ich von außen mit Steffen Baumgart vergleichen würde. Der Streich war natürlich in der Art und Weise auch schon sehr outgoing. Aber ich würde sagen: Von meinen Trainern ähnelt mein Vater am ehesten Steffen Baumgart – ohne ihn zu kennen. Ich habe Steffen Baumgart immer sehr gemocht. Als gegnerischen Trainer, weil du gewusst hast: Im Endeffekt tut der 90 Minuten alles, dass er dich schlägt, und da gehört alles dazu. Das wird aber nicht unfair, sondern es wird hart, und es kann weh tun. Danach klatscht er ab und fragt, wie es geht, und alles ist klar. Lustigerweise habe ich gegen seine Mannschaften sehr oft getroffen, das war für mich dann ein Vorteil.
Aber ich muss echt sagen: Steffen Baumgart war immer ein Trainer, den ich sehr bewundert habe. Der wird ja wieder zurückkommen, ich werde ihn sicher noch erleben.
Lieblingsgegner und das Nordderby 2017

Florian Kainz: Jetzt, wo wir schon darüber reden – hast du Vereine, gegen die du immer triffst oder gegen die du deutlich mehr Tore gemacht hast als gegen andere?

Michael Gregoritsch: Ja, vor allem am Anfang meiner Karriere. In Hamburg nennen sie mich heute noch Derbyheld, wenn ich dort ankomme.

Florian Kainz: Da, wo wir beide getroffen haben – da habe ich den Siegtreffer geschossen, und ihr habt verloren.

Michael Gregoritsch: Da haben wir 2022 … da haben wir ein viertes Derby gemacht.

Florian Kainz: Was? Da, wo wir gewonnen haben, gell?

Michael Gregoritsch: Das war das einzige Derby, das ich verloren habe.

Johnny Hofer: Schön, dass ihr das ansprecht – Entschuldigung, ich muss jetzt reingrätschen, aber dahingehend hätte ich ein paar Fragen vorbereitet. Ihr habt beide getroffen in der Partie. Flo, du hast es schon gesagt, du warst der Siegtorschütze. Es gab tatsächlich keine einzige Minute gemeinsam auf dem Platz: Der eine ist ausgewechselt worden, der andere eingewechselt. Zwei Spieler, die heute schon genannt worden sind, waren 90 Minuten auf der Bank – nämlich Serge Gnabry und Claudio Pizarro. Was eigentlich irre ist, wenn man sich überlegt, welche Qualität Werder da einfach auf der Bank gelassen hat und trotzdem 2:1 gegen den HSV gewonnen hat.
Und jetzt bin ich wirklich gespannt, ob ihr das noch hinkriegt: die jeweilige Startelf. Es ist der 16.04.2017 gewesen. Wer will anfangen?

Lieblingsgegner und das Nordderby 2017

Florian Kainz: Jetzt, wo wir schon darüber reden – hast du Vereine, gegen die du immer triffst oder gegen die du deutlich mehr Tore gemacht hast als gegen andere?

Michael Gregoritsch: Ja, vor allem am Anfang meiner Karriere. In Hamburg nennen sie mich heute noch Derbyheld, wenn ich dort ankomme.

Florian Kainz: Da, wo wir beide getroffen haben – da habe ich den Siegtreffer geschossen, und ihr habt verloren.

Michael Gregoritsch: Da haben wir 2022 … da haben wir ein viertes Derby gemacht.

Florian Kainz: Was? Da, wo wir gewonnen haben, gell?

Michael Gregoritsch: Das war das einzige Derby, das ich verloren habe.

Johnny Hofer: Schön, dass ihr das ansprecht – Entschuldigung, ich muss jetzt reingrätschen, aber dahingehend hätte ich ein paar Fragen vorbereitet. Ihr habt beide getroffen in der Partie. Flo, du hast es schon gesagt, du warst der Siegtorschütze. Es gab tatsächlich keine einzige Minute gemeinsam auf dem Platz: Der eine ist ausgewechselt worden, der andere eingewechselt. Zwei Spieler, die heute schon genannt worden sind, waren 90 Minuten auf der Bank – nämlich Serge Gnabry und Claudio Pizarro. Was eigentlich irre ist, wenn man sich überlegt, welche Qualität Werder da einfach auf der Bank gelassen hat und trotzdem 2:1 gegen den HSV gewonnen hat.
Und jetzt bin ich wirklich gespannt, ob ihr das noch hinkriegt: die jeweilige Startelf. Es ist der 16.04.2017 gewesen. Wer will anfangen?

Startelf-Quiz: Werder Bremen

Florian Kainz: Ich fange an. Jaroslav Drobný …

Johnny Hofer: Ich gebe natürlich Tipps.

Florian Kainz: Wiedwald im Tor. Gebre Selassie rechts. Dann hat gespielt … Miloš, vielleicht? Veljković? Moisander?

Johnny Hofer: Das ist ja eine Dreierkette gewesen.

Florian Kainz: Okay. Max hat auf jeden Fall gespielt. Fin Bartels.

Michael Gregoritsch: Mit dem habe ich auch zusammengespielt. Er hat mir mein erstes Profitor in der deutschen Liga aufgelegt.
Florian Kainz: Ähm, ja. Wer noch? Innenverteidiger. Robert Bauer, hat der gespielt?

Michael Gregoritsch: Der große …

Johnny Hofer: Nein, aber er ist wirklich groß, ungefähr so hoch wie … genau, das ist es.

Florian Kainz: Lamine Sané! Genau. Und wir hatten dann noch auf der Sechs … Delaney?

Johnny Hofer: Also das Zentrum – auf der einen Seite gibt es sehr viele Verbindungen.

Florian Kainz: Österreichisch besetzt? Grillitsch? Junuzović?

Johnny Hofer: Ja, und zum Gregerl die Verbindung: Maxi Eggestein hat den Sechser gegeben.

Florian Kainz: Was ein Spieler!

Michael Gregoritsch: Was ein Spieler, echt.

Florian Kainz: Ich habe jetzt beim Umzug meine Trikots auch durchgeschaut und habe zwei Maxi-Eggestein-Trikots: eines von Werder und eines von Deutschland.

Johnny Hofer: Ein Spieler mit zu wenig Länderspielen, wenn es nach dem Gregerl geht.

Florian Kainz: Ich muss ja gestehen: nicht nur ein toller Mensch, sondern auch ein toller Fußballer.

Johnny Hofer: Und ein Spieler fehlt uns noch, nämlich der, der die linke Furche bedient hat.

Michael Gregoritsch: In Bremen?

Johnny Hofer: In Bremen, ja.

Florian Kainz: War das schon Augustinsson? Santi? García?

Johnny Hofer: Genau, das ist es: Santiago García. Da habt ihr die Startelf durch – sehr stark, Hut ab, muss ich sagen. Johannsson ist auf der Bank gewesen, genauso wie Drobný, und eben Gnabry und Pizarro, die draußen gewesen sind. Du bist damals für Flo Grillitsch reingekommen. Und jetzt bin ich gespannt, Gregerl, ob du die Startformation vom HSV aus dieser Partie hinkriegst.

Startelf-Quiz: HSV

Michael Gregoritsch: Bei uns im Tor war Mathenia.

Johnny Hofer: Genau. Es ist eine Viererkette gewesen.

Michael Gregoritsch: Ja, der hat in dem Jahr viel gespielt: entweder Douglas Santos oder Ostrzolek. Dann war Papadopoulos Innenverteidiger.

Michael Gregoritsch: Dann rechts war Diekmeier oder Gotoku Sakai. Dann hat noch ein Brasilianer gespielt: Walace.

Johnny Hofer: Den hat es gegeben, auf der Sechser-Position. Der eine Innenverteidiger – ich gebe den Vornamen: Mergim.

Michael Gregoritsch: Mavraj! Mavraj, Mavraj. Gut für den Quiz.

Johnny Hofer: Innenverteidiger, Doppelstaatsbürger. 31 ist er mittlerweile und spielt bei Alemannia Aachen.

Michael Gregoritsch: Dann Gideon Jung. Gideon Jung, ja, okay. Dann hat gespielt: Aaron Hunt, der hat ein bisschen das Tor vorbereitet. Kostić hat gespielt.
Mein Tor, mein viertes gegen Werder zu dem Zeitpunkt. Dann hat normalerweise Lewis Holtby gespielt.

Johnny Hofer: Auf der Zehner-Position. Und jetzt fehlt der Kapitän.

Michael Gregoritsch: (Name unklar)

Florian Kainz: Luca auf der Bank.

Michael Gregoritsch: Ja, Waldschmidt. Der hat erst am Ende des Jahres zu spielen begonnen, beziehungsweise erst im nächsten Jahr.

Johnny Hofer: Der ist für Holtby in die Partie gekommen – und natürlich Pierre-Michel Lasogga.

Michael Gregoritsch: Und an dem Spieltag hat der Bakery Jatta sein Bundesliga-Debüt gegeben.

Johnny Hofer: Das stimmt auch, der ist eingewechselt worden.

Michael Gregoritsch: Das erste Bundesligaspiel war eine total schöne Geschichte, und es freut mich jedes Mal, dass der Bakery bis heute noch beim HSV spielt. Ein Flüchtling aus Gambia, der circa ein halbes Jahr bei uns mittrainiert hat als Kaderspieler – und dann eben neun Monate nach Vertragsunterschrift sein Bundesliga-Debüt gemacht hat. Dass er sich bis heute durchgesetzt hat, das taugt mir extrem. Sehr schöne Geschichte.

Die größten Derbys

Johnny Hofer: Schöner Rückblick ins Nordderby. War das das größte Derby, das ihr in eurer Karriere gehabt habt? Flo, war es bei dir in Köln dann noch einmal größer?

Florian Kainz: Das Gladbach-Derby ist schon auch riesig. Jetzt, wo ich siebeneinhalb Jahre da war und mit dem Verein so viel verbinde, ist das schon ein Riesending. Gladbach gegen Leverkusen auch. Ich habe viele Derbys gespielt und viele Geschichten erlebt. Zum Beispiel – ich weiß nicht, ob es die beste ist, aber: Ich habe in einem Spiel, ich glaube, das ist einzigartig in der deutschen Bundesliga, einen Elfmeter herausgeholt, einen Elfmeter getroffen, einen Elfmeter verursacht und Gelb-Rot gekriegt.

Johnny Hofer: Alle Boxes, alle Boxes …

Florian Kainz: Alles, in einem Spiel. Aber wir haben halt richtig verloren, deswegen war es blöd.

Michael Gregoritsch: Wahrscheinlich war das schon das größte Derby. Wobei ich sagen muss: Das Derby zwischen Brøndby und dem FC Kopenhagen letztes Jahr, wo ich auch getroffen habe übrigens, war schon sehr, sehr groß – und von der anderen Seite mit sehr viel Liebe, weil wir das Spiel gewonnen haben. Es waren ja keine Auswärtsfans erlaubt, aber es war schon ein geiles Derby. Aber der HSV – einfach, weil ich sehr, sehr gerne für den HSV gespielt habe. Das war schon ein geiles Derby. Und ich habe immer getroffen gegen die. Das war für mich immer sehr krass.

Florian Kainz: Ich muss sagen: Hör auf, von deinen Toren zu reden.

Wunschszenario: ein Grazer Derby

Michael Gregoritsch: Ich würde so gerne ein Grazer Derby spielen. Ich würde wirklich so gerne dieses Grazer Derby haben. Am besten noch im Cup-Halbfinale. Oder vielleicht sogar im Cup-Finale: GAK gegen Sturm, für den GAK. Aber das ist ja Wunschszenario. Du brauchst gar keine journalistischen Fragen stellen, und du auch nicht.
Ja, Wahnsinn: GAK gegen Sturm, Rot gegen Schwarz, das ganze Stadion ist rot …

Johnny Hofer: Ich bin ja euer Transferjournalist, also ich haue jetzt das Ding an, das ist ja ganz klar: für die nächste Saison, 2027. Vorvertrag darf natürlich noch nicht unterschrieben werden, erst im Winter, aber ihr könnt euch schon vorbereiten. Was ist die Auflage? Der GAK muss in der Liga bleiben, dann haut es dich hin, oder?

Michael Gregoritsch: Oder der GAK muss ins Cup-Finale kommen, und zwar gegen Sturm. Das ist die Auflage, dann komme ich.

Johnny Hofer: Ein Einspielvertrag.

Michael Gregoritsch: Ja, genau.

14 Duelle, eine Bilanz

Johnny Hofer: Ich glaube, damit könnten sich einige anfreunden. Jetzt haben wir über diese Partie gesprochen: Ihr habt 14 Mal gegeneinander gespielt, ihr kennt euch schon ewig lang.

Michael Gregoritsch: Also die Bilanz – wer hat mehr Spiele gewonnen von den 14? Wahrscheinlich der Kainzi, gell? Weil er ja bei Sturm war und ich bei Kapfenberg. Dort hat er in einer Saison vier Derbys gewonnen.

Johnny Hofer: Warte, pass auf, ich hab's: Es sind acht Siege für den Flo, ein Unentschieden und fünf Siege für dich.

Michael Gregoritsch: Ja, okay – wenn du die vier Kapfenberg-Sturm-Spiele rausnimmst …
Florian Kainz: Im Kinderzimmer daheim haben wir immer das Granulat vom Kapfenberger Kunstrasen gehabt. Weil er in der Jugend so lange dort gespielt hat.

Michael Gregoritsch: Da haben wir nicht mehr gegeneinander gespielt. Da war der Florian Kainz für mich unerreichbar. Weil du hast ja dein Debüt gegen Juventus Turin gegeben, und das Spiel habe ich auch angeschaut. Was machst du für ein Mörderspiel, Florian!

Florian Kainz: Danke, das klingt echt gut. Mein eigentliches Debüt war eine Woche vorher gegen Horn, aber das darf man nicht sagen, weil Juve besser klingt.

Zwei Debütanten, zwei Kinder

Michael Gregoritsch: Ich war gegen Sturm in der UPC-Arena.

Florian Kainz: Schwarzenegger-Stadion.
Johnny Hofer: War das noch schwarz?

Michael Gregoritsch: Nein, das war es sicher nicht mehr. Nein, leider nicht mehr.

Johnny Hofer: Aber wenn du an die Zeit zurückdenkst: Du warst schon 18? 17 noch.

Michael Gregoritsch: Mit 17 war mein erstes Debüt.

Florian Kainz: Ich wollte gerade sagen: Er hat mir auch noch spät mit zwölf einen eingeschenkt.

Johnny Hofer: Aber es war ein Europacup-Spiel.

Michael Gregoritsch: Ja, stimmt. Da habe ich lange nicht so weggeschnuppert.
Johnny Hofer: Ich habe mir gerade erst den Ausschnitt aus dieser Partie angeschaut – du schaust aus wie ein Kind.

Michael Gregoritsch: Der war ein Kind, ich war 17.

Florian Kainz: Ich habe so viel geschaut: Wenn jetzt die jungen Spieler aufkommen, in der Länderspielpause, die ganz Jungen, die einmal mittrainieren dürfen, und die sind so 17 – da denke ich mir, die schauen schon so aus wie ich damals mit 17.

Michael Gregoritsch: Na, das denkt man sich nur.

Johnny Hofer: Ihr wart beide sehr reif, als ihr damals debütiert habt. Ihr habt beide schon extrem erwachsen ausgeschaut.

Michael Gregoritsch: Nein, aber stimmt: Wir waren beide echt Kinder. Wir waren wirklich Kinder. Der Kainzi hat damals eine Sondergenehmigung bekommen, weil Kinder nach 20:30 Uhr nicht arbeiten dürfen.
Ich habe so viele Geschichten zu diesem Menschen. Ich kann mich zum Beispiel erinnern: Ich bin 2011 Meister geworden, und es gibt ein Foto vom Kainzi an einer Tankstelle mit dem Meisterteller vor einem Auto von Patrick Wolf. An solche Dinge erinnere ich mich. Ich kann mich an Partynächte erinnern, wo ich gar nicht erzählen kann, was ich da vom Kainzi gesehen habe. Bei meiner Geburtstagsfeier, bei meiner Dreißigerfeier – was wir da gelacht haben. Das ist ja Wahnsinn, wenn ich darüber nachdenke, wie lange wir uns kennen.
Florian Kainz: Manchmal muss man schon sagen: Zu der Zeit hat es Social Media in dieser Form noch nicht gegeben.

Michael Gregoritsch: Ja, fix. Wir sind ja schon in einer Zeit aufgewachsen, in der zumindest der Anfang von Instagram war. Wobei – in Graz wäre es auch wurscht, wenn wir fortgehen.

Debüt gegen Juve und die alten Hasen bei Sturm

Johnny Hofer: Aber du warst damals gerade in der Phase: Du debütierst gegen Juve, du reißt eine super Partie. Wie viel Kracher bist du damals gewesen? Hast du dich schon ein bisschen als König von Graz gefühlt?

Florian Kainz: Es war ein riesiger Hype damals, wenn man gegen Juve spielt. Ich habe zwar kein Tor gemacht, aber es hat gereicht für einen bleibenden Eindruck. Wir waren erfolgreich, ich habe meine ersten Spiele gemacht in jungem Alter, ich war Eigenbauspieler, bin ein Grazer. Es war einfach eine schöne Zeit, und ich habe ein riesiges Glück gehabt mit der Mannschaft, in die ich da reingekommen bin – mit sehr vielen erfahrenen, alten Hasen, die mich an den Profifußball herangeführt haben. Da habe ich ein Riesenglück gehabt, das war echt eine coole Zeit.
Und einen guten Trainer, einen tollen Trainer, der mir die Chance gegeben hat: Franco Foda, der mich dann wieder rausgenommen hat und dann wieder einmal spielen hat lassen.

Michael Gregoritsch: Zuckerbrot und Peitsche.

Johnny Hofer: Du hast die alten Hasen angesprochen in dieser Sturm-Mannschaft, damals in der Saison 10/11. Da denke ich an Mario Haas – aber wer waren so die Altspatzen, die euch herangeführt haben?
Florian Kainz: Ja, der Csoki, der Standfest, der Feldhofer. Der Haas, der Muratović, der Wolf …
Michael Gregoritsch: Wie hat der Verteidiger geheißen, der bei der Meisterteller-Übergabe so fett war? Burgstaller! Thomas Burgstaller!

Johnny Hofer: Für alle, die das nicht kennen: einfach auf YouTube suchen, „Meisterfeier Sturm 2011“. Herrlich.

Florian Kainz: Damals war das eine relativ alte Mannschaft, für heutige Verhältnisse wäre es eine sehr alte Mannschaft gewesen. Und dann sind so zwei, drei Junge raufgekommen, die hin und wieder gespielt haben. Damals war die Hierarchie innerhalb einer Mannschaft einfach noch anders. Das gibt es ja heutzutage alles nicht mehr in der Form.

Die beste Saison

Johnny Hofer: Was ist die beste Saison gewesen für dich persönlich? Und da geht es jetzt gar nicht darum, was die Mannschaft erreicht hat – was war für dich die beste Saison deiner Karriere?

Florian Kainz: Meine beste Saison war das erste Jahr mit Steffen Baumgart, wo wir Siebter geworden sind und uns für die Conference League qualifiziert haben. Das war die beste Saison. Der Toni Modeste hat 20 Tore geschossen, wir waren eine super Truppe. Wir waren zu zehnt nach dem Spiel noch unterwegs, richtig eine Einheit. Auch außerhalb vom Platz hat alles gepasst. Und die Saison bei Rapid, wo wir die Europa-League-Gruppenphase gewonnen haben, die war super – das zweite Jahr bei Rapid war richtig gut. Und das Jahr bei Sturm, wo wir Meister geworden sind. Also diese drei Saisonen.

Johnny Hofer: Die Rapid-Zeit war damals von den Zahlen her beeindruckend: 19 Assists waren das, bevor du dann zu Bremen gewechselt bist. Auch wenn es jetzt einige Spieler gibt, die extreme Zahlen produzieren – das gibt es auch nicht alle Jahre.

Florian Kainz: Der Michael Liendl hat mich überholt und war nah dran. Das war echt ein gutes Erlebnis.

Michael Gregoritsch: Das waren nur Bundesliga-Assists, die 19.

Johnny Hofer: Nur Bundesliga, ja. Nur Bundesliga.

Florian Kainz: Danke. Danke für die Aufmerksamkeit.

Die neue Rolle: hart ins Gericht gehen?

Johnny Hofer: Da hat jede Flanke gepasst. Aber ich freue mich auf alle Fälle, dass deine besten Saisonen jetzt abseits vom Platz in der Champions League starten. Du bist ja direkt am ersten Spieltag gleich bei uns. Wir wissen jetzt noch nicht, wer gegen wen und wo spielt, aber auf alle Fälle wirst du bei uns im Studio sein. Da ist mir vorher noch ein bisschen zu kurz gekommen: Was reizt dich da am meisten? Und wie hart kannst du dann ins Gericht gehen mit Mannschaften, mit Spielern?

Florian Kainz: Ich habe schon noch sehr diese Spielersicht, was ganz interessant ist, das irgendwie weiterzugeben. Es ist jetzt schon eine neue Situation für mich: nicht mehr darauf achten zu müssen, ob ich das jetzt sagen darf, weil ich Mitspieler, Trainer, Sportdirektor oder die Fans nicht kritisieren darf. Der Gregerl weiß das auch – als Spieler kannst du in vielen Interviews nicht immer das sagen, was du eigentlich sagen willst. Das geht einfach nicht. Du bist manchmal einfach gebunden, weil du nicht gegen einen Trainer schießen kannst, wenn du dir gerade denkst, der hätte anders wechseln sollen.

Michael Gregoritsch: Das habe ich noch nie gehabt, persönlich.

Florian Kainz: Ach so! Das wird interessant zu sehen sein. Und dann freue ich mich natürlich auf die Spiele. Ich freue mich auf die Spiele und darauf, wie sich der Fußball weiterentwickelt – dass wir einmal ins Taktische reingehen, unabhängig davon, was da rundherum passiert mit Studio und so, was auch etwas Neues sein wird. Aber wie sich der Fußball entwickelt, das wird interessant zu sehen sein. Wenn man sich anschaut, wie die Bayern letztes Jahr Mann gegen Mann gespielt haben – Gregerl, was sagst du dazu?

Michael Gregoritsch: Es ist wie in der Mode: Der Fußball ist ein Kreislauf. Es kommt immer wieder etwas zurück, was früher schon einmal modern war.

Florian Kainz: Ich bin gespannt, wann der Vokuhila wiederkommt.

Michael Gregoritsch: Ja, das stimmt. Der ist ja kurzzeitig schon wieder da gewesen. Im Salzburger Hinterland kommst du da irgendwo hin, das ist schon wieder modern gewesen. Der Mullet ist schon wieder weg, jetzt werden wir schon wieder italienisch.

Johnny Hofer: Der Mullet ist schon wieder weg. Du hast doch nie einen gehabt.

Michael Gregoritsch: Ich habe einen gehabt, letztes Jahr. Vor eineinhalb Jahren habe ich den gehabt. Im März 2025 habe ich den gehabt – damals gegen Serbien, damals gegen Mainz.

Verabschiedung

Florian Kainz: Noch einmal kurz: Ich freue mich echt sehr, dass ich da jetzt als Experte bei Canal+ dabei sein darf, mit ganz tollen Experten, wo ich auch einige Leute kenne und viele Sachen mit ihnen verbinde. Ich freue mich.

Johnny Hofer: Wir freuen uns riesig, dass du mit dabei bist. Und vielleicht geht es ja einmal aus, dass wir sogar ein Zweiergespann machen: Flo Kainz und Michi Gregoritsch. So unwahrscheinlich ist es gar nicht, schauen wir einmal, ob sich das ausgeht. Wäre auf alle Fälle eine wirklich schöne Geschichte, genauso wie das Gespräch. Gregerl, hast du noch etwas, was dir auf der Lippe brennt?

Michael Gregoritsch: Du weißt, dass ich Tränen in den Augen hatte bei deinem Abschied, den ich zu Hause auf der Couch angeschaut habe. Du weißt, was ich von dir halte. Danke, dass du Gast warst bei uns, es war sehr lustig. Ich wünsche dir für deine Zeit als Experte sehr viel Spaß und hoffe, dass wir uns bald einmal sehen – für Padel, wie man auf Spanisch sagt.

Florian Kainz: Danke für deine lieben Worte. Ich freue mich auch, dass ich Gast bei eurem Podcast sein durfte. Wir sehen uns, wir hören uns. Alles Gute für den Bundesliga-Start.
Michael Gregoritsch: Alles Gute, tschüss!

Johnny Hofer: Alles Gute für den Gregerl. Vielen Dank – und wenn dir diese Folge gefallen hat, abonniere uns gerne und verpasse keine weitere Episode von Ohne Filter. Wenn du außerdem die Video-Episoden sehen möchtest, findest du unseren gesamten Katalog auf dem Canal+ YouTube-Kanal und in unserer App. Ohne Filter ist ein Canal+ Podcast, produziert von Pepsila Digital.