Ohne Filter – Folge 4

Zwischen Bühne und Kabine: Paul Pizzera und Michi Gregoritsch über Disziplin, Therapie und Henkersmahlzeiten

Episodenbeschreibung

Teil zwei mit Paul Pizzera – und diesmal wird’s persönlich. Michi räumt mit dem größten Vorurteil über sich auf: Nein, er ist keine faule Sau, auch wenn er beim Training lacht und Schnitzelsemmerl isst. Pauli erklärt, warum er vor dem Auftritt nie Alkohol trinkt, warum er regelmäßig in Therapie geht und warum die gesunden Leute vor der Bühne stehen.

Dazu: Henkersmahlzeiten werden gedroppt (Frittatensuppe, Smashburger, Kaiserschmarrn), peinliche Begegnungen mit Manuel Neuer werden aufgearbeitet und Michi trinkt eine ganze Flasche Coca-Cola am Spieltag – wissenschaftlich belegt.

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#4 Paul Pizzera: Inspiration ist für Anfänger

Das erwartet dich in der Folge

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    Paul Pizzera über Tourleben, Bühne und Disziplin

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    Michi über Vorurteile, Arbeitseinstellung und Niederlagen

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    Parallelen zwischen Fußball, Musik und öffentlichem Druck

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    Therapie, Selbstwert und Umgang mit Perfektionismus

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    Ernährung, Rituale, Lieblingsessen und lockere Anekdoten

Transkript der Folge

Begrüßung

Johnny Hofer: Wir sind zurück mit Folge 2 – smooth FM. Pauli, schön, dass du wieder bei uns mit dabei bist.

Paul Pizzera: Johnny, danke fürs Dasein dürfen. Michi, danke, dass du dich noch dazu entschieden hast, ein bisschen zu verweilen bei unserem illustren Talk. Ohne Filter, der Canal-Plus-Podcast. Für Menschen mit Herz, Hirn und Liebe. Canal Plus – mein Sender, mein Streaming-Anbieter, meine große Liebe. Néobangers wird übrigens riesengroß beworben auf der Canal-Plus-App. Völlig, völlig, völlig zurecht.

Das größte Vorurteil über Michi

Paul Pizzera: Michi, kurze Frage. Das hat mich interessiert, weil das, glaube ich, auch was Störendes ist in so einer großen Karriere: Gibt es deiner Meinung nach eine öffentliche Meinung über dich, die sehr plausibel ist, wenn man sich deine Karriere anschaut – aber völlig falsch?

Michi Gregoritsch: Nicht ganz öffentlich. Die ist eher so ein bisschen in der Fußball-Bubble verbreitet. Und zwar, dass ich es nicht immer liebe, zu arbeiten. Dass ich nicht gerne trainiere und so weiter. Und das stimmt tatsächlich gar nicht. Ich bin sicher nicht der, der in jedem Training immer top, top, top performt. Aber ich trainiere immer. Ich habe ganz selten, Gott sei Dank, Dinge, wo ich nicht trainieren kann. Ich bin eher noch der Typ, der rausläuft. Ich bin sehr viel in der Kraftkammer und achte auf meine Ernährung. Jetzt kommt aber das Aber: Weil ich viel dabei lache, gerne auch ein Schnitzelsemmerl esse, einen Burger esse, eine Pizza esse, einen Aperol trinke oder ein Bier oder eine Coca-Cola trinke, wird mir das oft so ausgelegt, als wäre ich da ein bisschen eine faule Sau. Bin ich aber nicht. Ganz im Gegenteil. Das ist lustig – es zieht sich sogar ein bisschen durch meine Familie. Ich hab total oft gehört, dass man mehr tun muss, wenn man das erreichen will. Das waren die größten Familienstreits. Ich glaube, ich bin der festen Überzeugung, dass man sich nicht so lange in der Deutschen Bundesliga halten kann, wenn man die faule Sau ist.

Paul Pizzera: Hat es da einen Trainer gegeben, dem das überhaupt nicht gepasst hat?

Michi Gregoritsch: Ja, natürlich. Aber ich weiß schon, was sie meinen. Dadurch, dass ich mein ganzes Leben in Deutschland war – ich bin nicht deutsch von meinem Verhalten, ich bin nicht deutsch von meinem Tun. Und ich weiß einfach, dass das für sie ein bisschen anders ist, wenn einer recht laut ist, sehr viel lacht und halt im Notfall auch so einen sarkastischen, ironischen Unterton hat. Deswegen, ja, ich nehme das hin. Aber das ist, glaube ich, das, was mich am meisten stört.

Paul Pizzera: Das heißt, wir halten fest: Deutschland kann mit der Freude und der Freundlichkeit von Michael Gregoritsch nicht umgehen.

Michi Gregoritsch: Doch, doch, sehr gut sogar – sonst würde ich auch nicht so lange dort sein. Aber nicht jedem Trainer hat’s gepasst.

Paul Pizzera: Glaubst du, dass das sein kann, dass wenn du einen Spaß hast und nicht zu 100 Prozent todernst reingehst, dass du dann so ausgelegt worden bist, dass du es nicht ganz ernst nimmst?

Michi Gregoritsch: Ja, wahrscheinlich. Man kann ja Vollgas geben und trotzdem eine Gaudi dabei haben. Das schließt sich ja nicht aus. Ich glaube, da sind wir wieder bei dem Thema von der ersten Folge: diese innere Zufriedenheit. In Deutschland gibt es ja diesen Spruch, man darf nicht zufrieden sein. Stimmt nicht. Man darf zufrieden sein und trotzdem nach mehr streben.

Paul Pizzera: Das ist der große Unterschied: In Deutschland geht man zur Schule, in Österreich geht man in die Schule. Wenn man ins Gebäude reingeht, kann man was lernen. Nur hingehen bringt nichts. Rhetorisch ein Meisterwerk.

Die eine Niederlage, die klüger gemacht hat

Paul Pizzera: Hat es wirklich die eine Niederlage gegeben, die dich klüger gemacht hat?

Michi Gregoritsch: Ja, wenn man die Zeit bei Schalke als Niederlage bezeichnen darf, dann würde ich sagen: ja. Es ist jetzt nicht ein Spiel, das ich rauspicken kann. Das Spiel, das mir am meisten wehgetan hat, war das gegen die Türkei. Und auch das DFB-Pokal-Halbfinale daheim gegen RB Leipzig. Das waren meine zwei härtesten Niederlagen. Aber wenn ich die Zeit bei Schalke bezeichnen würde: Es war auf eine gewisse Art und Weise eine Niederlage, weil es einfach nicht funktioniert hat. Ich war nicht gut genug, wir haben als Mannschaft nicht gut genug gespielt. Das ist auch wichtig, finde ich, dass ich das selber eingesehen habe, dass ich damals einfach nicht auf dem Level war, das Schalke damals gebraucht hätte. Und daraus habe ich am meisten gezogen.

Tournee und Auswärtsspiel

Johnny Hofer: Wir haben uns überlegt, welche Überschneidungen Fußball und Musik haben. Wir sind zum Schluss gekommen, es gibt doch sehr viele. Eine solche Geschichte ist zum Beispiel Tournee und Auswärtsspiel. Wie schaut das aus, so dieses Tournee-Leben? Wie viel ist man auch alleine? Wie gehst du mit der Zeit alleine um, wenn du unterwegs bist? Und wie alleine fühlst du dich vielleicht, wenn du zwar vor hunderttausend Menschen auftrittst, aber dann ist das irgendwann vorbei?

Michi Gregoritsch: Also wie läuft so ein Abend vor einem Konzert ab?

Paul Pizzera: Also, ich glaube: absolut richtig, es hat extrem viele Parallelen. Erstens einmal, dass du halt immer den Augen des Publikums ausgeliefert bist. Die sind alle freiwillig da, die wollen was geboten kriegen und die haben auch Geld in die Hand genommen und verdienen das auch. Deshalb fängt es so an: Ich habe zum Beispiel noch nie einen Schluck Alkohol vor einem Auftritt getrunken. Noch nie. Würde ich auch nicht, weil das ist einfach – wie du gesagt hast: Wer hält sich so lange? Bei uns ist es halt der One-Hit-Wonder, bei euch ist es halt eine Saison, und dann trennt sich die Spreu vom Weizen. Wie lange kannst du davon leben? Wie lange kannst du das durchhalten? Kommt da was nach? Gibt es eine nächste Nummer? Gibt es ein nächstes Album? Sind die live gut? Das ist bei euch dann quasi die Steigerung in die nächste Saison oder den nächsten Verein. Und das kannst du, glaube ich, nur, wenn du diesen Spagat zwischen Disziplin und Ekstase hinkriegst.

Paul Pizzera: Und ich feiere total gern, aber nicht während dem Auftritt und wenn ich am nächsten Tag wieder spielen muss. Da musst du einfach – diese Menschen haben die beste Version deiner selbst verdient und sparen sich das teilweise vom Mund ab. Also bring deine Leistung, verdammt nochmal. Das ist deine Pflicht. Und man sagt immer so schön: das freie Künstlerleben. Das ist überhaupt nicht frei. Das soll auch nicht frei sein. Das ist einfach Arbeit. Und Inspiration ist schön, aber das ist für Anfänger. Du musst zur Arbeit gehen. Du hast verdammt nochmal abzuliefern. Du musst fit bleiben. Du musst jede Woche üben – ich bin alles andere als der beste Gitarrist, aber ich muss trotzdem üben, damit ich auf dem Level bin, damit das locker dahingeht. Du musst dich weiterbilden, damit du neue Themen schreiben kannst, neue Songs schreiben kannst. Das geht nicht ohne dem, sonst wiederholst du dich einfach nur, und das will auch keiner.

Paul Pizzera: Und ich schau, dass ich zumindest dreimal die Woche ins Gym komme oder mal mit einem Freund boxen gehe. Dass ich fit bleib, dass ich genug lese, dass ich keinen Fernseher habe – im Hotel schaue ich dann natürlich. Ich bin ja so ein Quizshow-Fan.

Michi Gregoritsch: Ich bin auch Quizshow-Fetischist! Smart 10 ist die beste Quizshow in der Geschichte des ORF.

Paul Pizzera: Wir melden uns mal zusammen an für die Partner-Millionenshow.

Michi Gregoritsch: Da haben sich die zwei gefunden.

Alleinsein und Therapie

Paul Pizzera: Ich muss sagen: Ich kann voll gut allein sein, weil ich nie einsam bin. Das ist der Riesenunterschied. Von meinen besten Freunden ist einer Lehrer, einer ist Kieberer. Das ist auch so ein bisschen diese Erdung und dieses normale Ding, wo du dann einfach merkst: Hey, Alter, über was mache ich mir Gedanken wirklich? Das ist so lächerlich. Und wenn du jetzt, keine Ahnung, Österreich zur WM schießt und dann zwei Tage später Wäsche aufhängst – klar, das macht was mit deiner Seele. Das ist so ein arges Ding. Und wenn du als erster Pop-Act von Österreich in der Wiener Staatsoper spielen darfst und das Konzert ist nach zwei Minuten ausverkauft und am nächsten Tag musst du den Geschirrspler ausräumen – das ist org.

Ich habe aber für mich beschlossen, dass es besser ist, wenn mein Leben in Sinuswellen verläuft, als dass es immer linear dahingeht. Das wäre mir zu fad. Und deshalb – ich weiß nicht, wie das bei euch ist mit Supervision, Sportpsychologen oder Psychologinnen – also ich gehe regelmäßig in Therapie zu einem Typen, mit dem ich mich gut verstehe, wo ich einfach reden kann über solche Sachen, wo ich mich verstanden fühle. Und wisst ihr, was das Schönste ist? Ich bin dem so wurscht. Das ist das Angenehmste an der ganzen Geschichte.

Freundschaft und Nähe ersetzen keine Professionalität. Das ist super, wenn du das hast, aber wenn du jirklich an was arbeiten willst, wo du merkst, irgendwie wurlt’s mit dir schon länger und da sollte ich eigentlich was tun – dann ist da ein Profi einfach super. Und da werde ich auch nicht müde, das zu betonen: Das wird leider gerade von Männern noch immer schwerer angenommen als von Frauen. Das klassische Beispiel: Wenn der Haxen gebrochen ist, gehst du zum Arzt. Wenn die Seele leidet – warum gehst du nicht zum Arzt? Ganz normale Geschichte.

Bühne und Selbstwert

Paul Pizzera: Jeder, der sich auf eine Bühne stellt, hat Insuffizienzgefühle und Minderwertigkeitskomplexe. Es kann mir keiner erzählen, dass jemand, der sich vor einer anonymen Masse hinstellt und will, dass die sagt, dass er gut ist – ich sage immer: Die gesunden Leute stehen vor der Bühne. Klar, du willst Bestätigung, du willst, dass ein Loch zugeschüttet wird, das du dir selbst nur zuschütten kannst. Ich arbeite heute noch daran und bin weit davon entfernt, dass ich das geschafft habe – aber dass ich ohne Leistung gleich viel wert bin wie mit. Das ist glaube ich eine Lebensaufgabe bei mir.

Paul Pizzera: Andererseits finde ich: Es gibt wesentlich schlimmere Ventile, seine Unzulänglichkeiten zu bekämpfen, als dass man Menschen einen schönen Abend macht. Also ist es auch okay.

Johnny Hofer: Aber wenn wir da jetzt über den Selbstanspruch sprechen: Nicht jeder Auftritt, nicht jeder Gig ist so gut wie jeder andere. Wie gehst du dann damit um, wenn du so einen Perfektionismus in dir trägst, mit einem schlechten Auftritt?

Michi Gregoritsch: Werden wir es merken, wenn du einen schlechten Auftritt hast?

Paul Pizzera: Ich glaube nein. Ein schlechter Auftritt ist – ich glaube, das ist das Gleiche, wie wenn sich der Gregor vorher vier Bier und acht Burger reinwascht und dann aufs Spielfeld geht. Das müsste passieren, damit es wirklich schlecht wird. Du weißt, was du machen sollst und was du machen wirst. Und der Spielraum ist in einem 20-Prozent-Gefälle, wo das rauf und runter gehen kann – dass es richtig super ist wie ein Hattrick, oder dass du echt viel für die Mannschaft gemacht hast und keinen Scorerpunkt hast. Egal, welcher Auftritt es war und egal, wie geil er war – danach bin ich 10 Minuten allein und gehe alles mit mir durch. Was war gut, was besser geht, das kommt sofort ins Handy, was nochmal gehört gehört – und dann machen wir ein Bier auf.

Michi Gregoritsch: Bist du so schon immer? Das klingt halt jetzt sehr erwachsen, ganz klar nach einer Entwicklung. Wie war das, als du angefangen hast?

Paul Pizzera: Ich war überraschend früh so. Keine falsche Selbsteinschätzung, sondern ich habe gewusst: Bevor ich das nicht so kann, wie ich das will, und nicht so spielen kann, gehe ich nicht raus. Auch wenn du eine neue Nummer hast, die wird so lange geübt, bis die sitzt. Natürlich passieren mir Fehler – bitte nicht falsch verstehen. Ich versinge mich oft genug, ich verspiele mich oft genug, aber das ist live. Fertig, was willst machen? Wenn du was Perfektes willst, musst du die CD haben.

Perfektionismus und die Wurzeln

Michi Gregoritsch: Wie hast du gemerkt, dass du gut darin bist, im Kabarett oder in der Musik? Ich war ja in Kabinen unterwegs – ich habe fußballerisch gespürt, irgendwann merkst du: Du bist gut. Hast du gemerkt in der Jugend, dass du mit 8, 9, 10 der Lustigere bist in der Klasse?

Paul Pizzera: Tatsächlich ja. Aber immer schon, weil mir so ein Perfektionismus antrainiert worden ist. Ich habe ein super Verhältnis zu meiner Mutter, aber leider einen sehr strengen Vater zu mir gehabt. Und da war es halt immer so, dass ohne Leistung ich halt nichts wert war – also gar nichts. Ich war nicht genug für die Welt, oder für seine Welt, sagen wir so. Und da war es dann halt schon immer auf Leistung – deswegen bin ich sehr genau und sehr sauber. Da habe ich sehr viel mitgenommen. Es ist nicht so, dass ich dankbar bin jetzt im Nachhinein, das wäre ein bisschen zu viel. Aber ja, klar: Jeder, der sich auf eine Bühne stellt, hat Insuffizienzgefühle und Minderwertigkeitskomplexe.

Paul Pizzera: Klar, du willst Bestätigung, du willst, dass ein Loch zugeschüttet wird, das du dir selbst nur zuschütten kannst. Ich arbeite heute noch daran – aber dass ich ohne Leistung gleich viel wert bin wie mit. Das ist, glaube ich, eine Lebensaufgabe bei mir. Andererseits finde ich: Es gibt wesentlich schlimmere Ventile, seine Unzulänglichkeiten zu bekämpfen, als dass man Menschen einen schönen Abend macht. Also ist es auch okay.

Rituale vor dem Auftritt

Michi Gregoritsch: Hast du Rituale? Wenn du sagst, du kommst in ein Hotel oder in eine Stadt – ist am Abend vor dem Konzert oder drei Stunden vorher irgendwas, wo du dich auffestigst?

Paul Pizzera: Zunächst einmal zu den Ritualen: Vom Essen her bin ich ein alter Caesar-Salad-Fan. Der geht immer. Wenn keine Sardellen dabei sind – f**k dich, Harvey, kannst ihn wieder zurücknehmen. Da gehört einfach ein bisschen Showbiz rein. Ich bin sehr unprätentiös: Ich mag stilles Mineralwasser haben. Das sollte nicht eiskalt sein. Mehr brauch ich vor dem Auftritt nicht. Es ist deine Arbeit, aus, ich mach’s einfach, zieh’s durch. Im Hotel als Erstes: Bitte nicht stören aufs Türschild hängen, dann Ladekabel rein, fertig, dann gehst du liegen.

Peinliche Begegnungen

Paul Pizzera: Mir ist einmal was unfassbar Peinliches passiert. Da haben wir bei der Movember-Aktion mitgemacht und ich habe im April angefangen zu wachsen und dann ist es bis November ausgegangen. Und dann gehe ich halt nach dem Auftritt zum Parkplatz, da stehen ein paar Leute und wollten ein Foto. Und die eine Dame hatte halt einen Damenbart – so einen Oberlippenbart – und sagt: „Boah, der Schnauzer steht dir voll gut.“ Und ich überlege nicht und sage einfach nur: „Danke, dir auch.“ Und dann fällt mir in der Sekunde – ich sage euch, wenn ich heute daran denke, habe ich noch immer so ein schlechtes Gewissen. Es ist sicher zehn Jahre her. Es war überhaupt nicht boshaft, so bin ich nicht. Alter, ich könnte mich heute noch dafür kreuzigen, dass ich da nicht nachgedacht habe.

Michi Gregoritsch: Hast du ein richtig peinliches Fanerlebnis? Ehrlich gesagt, nicht direkt. Aber hin und wieder, wenn ich andere Spieler treffe. Ich hatte letzte Mal eine lustige Situation: Bayern gegen Atalanta Bergamo, Achtelfinale, ich habe Karten von Konny Laimer gekriegt. Dann steht Manuel Neuer am Nebentisch. Und ich denke mir: Ich spiele gegen den seit zwölf Jahren. Und der hat mich so fragend angeschaut und ich war mir nicht sicher: War das ein „Ja, wir kennen uns“ oder hat er einfach gedacht „Was machst du da?“ Ich hab mich davon gelöst, aber ich bin in solchen Momenten selber noch hin und wieder so ein bisschen – nicht Starstruck, aber schon ganz cool, wenn du neben denen einläufst und gegen die spielst.

Wie man Namen vergisst – und sich rettet

Paul Pizzera: Ich habe einen super Schmäh, falls euch jemand anredet und ihr kennt die Situation: Du weißt, du solltest wissen, wie der heißt. Total peinlich. Wie gehst du dem entgegen? Entwaffnende Ehrlichkeit. Du sagst: „Michael, das weiß ich wohl. Aber den Nachnamen ...“ Und wenn er sagt „Gregoritsch“, sagst du: „Das weiß ich wohl – aber den Vornamen?“ Du musst immer auf das Schlechtere setzen.

Michi Gregoritsch: Wenn du in einer Gruppe jemanden kennenlernst und du vergisst den Namen: Nach 20 Minuten sagst du: „Gib mir deine Nummer.“ Und dann fragst du: „Hast du einen Spitznamen?“

Paul Pizzera: Oder einfach das Handy geben und sagen: „Speicher dich ein, bitte.“ Kennst du Situationen, wo jemand so tut, als würde er dich nicht kennen – und du weißt aber, dass er dich kennt? Das ist auch so geil. Und wenn es dann so ist: „Und was machst du?“ Dann sage ich meistens: „Immobilien.“ Und dann: „Was?“ – „Nein.“ – „Dann wieso fragst du mich?“

Vom Kabarett zur Musik

Johnny Hofer: Gehen wir ein bisschen zurück in deine „Tausendsassa-Zeit“, Pauli, wo du einfach wahnsinnig viel produziert hast. Die Musik ist dann irgendwie der Höhepunkt geworden. Wann hast du gemerkt, dass das das ist – dass du Musiker bist und damit deinen Lebensunterhalt bestreitest?

Paul Pizzera: Es hat eben damals mit dem Kabarett angefangen, und dann war mir das halt irgendwann nur lustig zu sein zu wenig, und nur ernst sein wollte ich auch nicht, und es war dann halt schön, dass man das mischen konnte. Und ja, ich habe das Glück gehabt, dass es bei mir Gott sei Dank schnell gegangen ist. Zwei Jahre nachdem ich mit dem Kabarett angefangen habe, habe ich die Stadthalle vollgemacht. Mein Erfolg ist immer eine Mischung aus Leistung und Zufall. Für den Zufall bin ich dankbar und für die Leistung bin ich selber verantwortlich.

Paul Pizzera: Mir kommt halt vor: Nur Talent ist sehr wenig. Du kannst jetzt total schnell bekannt werden – Social Media, YouTube, egal was. Aber wenn ich jetzt die Jennifer Rainbrecht aus Gleisdorf bin und sage, ich mag englische Musik machen, dann ist meine erste Konkurrentin die Taylor Swift. Dann ist das schwierig. Also: Noch einmal anfangen möchte ich nicht.

Musikalische Vorbilder

Michi Gregoritsch: Wer ist dein Vorbild gewesen? Paul Pizzera: Vom kreativen Output her und davon, dass er mittlerweile einer meiner besten Freunde ist: Thomas Spitzer von der EAV. Das war meine erste CD. Und dass ich dann irgendwann mit dem gemeinsam schreiben darf und bei dem daheim sitze – das ist nach wie vor surreal. Einfach ein selten cooler Typ mit unfassbar viel Hirnschmalz. Dann bin ich natürlich logischerweise ein riesiger Austropop-Fan. Dann kommt gleich Hubert von Goisern und dann STS. Das sind so meine größten Helden.

Michi Gregoritsch: Gehst du auf Konzerte? Rein als Fan?

Paul Pizzera: Ja, schon, aber wirklich selten. Ich brauche die Menschenmassen privat nicht so. Es geht eher dieses, dass du es anders siehst, das Konzert. Meine Lieblingsband Parkway Drive – das ist so eine australische Band – die habe ich auf jedem Kontinent außer Südamerika schon gesehen. Aber sonst immer wieder neue Bands. Ich hatte eine Karte für die Taylor Swift gehabt, bevor sie abgesagt worden ist, weil es mich einfach interessiert. Aber da interessiert mich halt, wie die das als Show machen. Ich habe mir die P!nk angeschaut – was da passiert, vorne, hinten – das ist surreal. Das sehe ich mit anderen Augen.

Sport außerhalb des Fußballs

Paul Pizzera: Was ist die Sportart, der du am wenigsten abgewinnen kannst? Michi Gregoritsch: Das ist schwer. Ich kann eher sagen, was die ungewöhnlichsten Sportarten sind, die ich liebe. Allerdings nur zu Olympia-Zeiten: Springreiten finde ich sehr cool. Und im Winter Curling – ich habe einen Schaden gehabt diesen Winter. Ich habe gefühlt jede Curling-Partie der Welt angeschaut. Sonst bin ich ein riesen Fußball-, Golf-, Eishockey- und Basketballfan. Graz – herzlichen Glückwunsch zum ersten Titel! Paul Pizzera: Wo hättest du am meisten Talent gehabt, auch Profi zu werden?

Michi Gregoritsch: Das ist so ganz dummes Gehabe, das wir Profifußballer haben. Wir denken, wir sind in jedem Sport gut. Und ich glaube, ich hätte ein guter Handballer werden können. Meine Mama war Schwimmerin, ich war ein guter Schwimmer. Aber am liebsten außerhalb vom Fußball wäre ich ein American-Football-Quarterback in der NFL gewesen. Das wäre so mein Ding.

Paul Pizzera: Und einen Wurfarm vom anderen Stern und ein Auge für Division – das wäre dein Ding. Wo ich sehr schlecht bin – ich habe dank meiner Mama sehr viel ausprobieren dürfen, aber ich war halt nie ein Autofan. Und mir ist Formel 1 und so was wirklich langweilig. Ich weiß, einer meiner besten Freunde fiebert so mit, auch mit den Stories von den Fahrern und so. Und wir waren am Spielberg-Ring und dann hast du diese Paddock-Führung und dann erzählen die dir, dass die vier Reifensätze haben und die werden dann weggeschmissen – fertig, 40.000 Euro. Da kriege ich so einen Hass.

Ernährung und Coca-Cola am Spieltag

Johnny Hofer: Michi, bei dir ist es ja schon so – Ernährungsplan, wie sich das alles entwickelt hat. Wie viel Einschränkung ist da eigentlich mit dabei? Wie oft denkst du dir: Jetzt wäre es aber schon ganz lässig, einen Burger zu essen?

Michi Gregoritsch: Relativ selten, weil der Rhythmus ja eigentlich jede Woche fast gleich ist. Wenn ich am Freitag Lust habe auf einen Burger, kriege ich gar keine Gelüste – weil am nächsten Tag ist Spiel. Und wenn ich die Lust am Mittwoch habe, dann esse ich ihn. Und am Donnerstag auch. Wir haben einen Ernährungsberater, der hat sehr viele Studien gemacht und bringt uns viel bei. Und der hat gesagt: Pro Kilogramm Körpergewicht neun Gramm Kohlenhydrate verbessern die Sprintfähigkeit. Und der sagt: Das kannst du gar nicht nur über Pasta, Kartoffeln und Reis bringen – da gehören Nutella-Palatschinken dazu.

Paul Pizzera: Wirklich?

Michi Gregoritsch: Und am Spieltag, ich trinke – zwar in dem Fall mit Wasser verdünnt – aber ich trinke eine ganze Flasche Coca-Cola rund ums Spiel. Weil es einfach schneller ins Blut geht und es schmeckt mir deutlich besser als jedes Gel, das ich da trinken könnte. Und deswegen habe ich das auch faktisch belegt, dass mir mein Coke guttut.

Paul Pizzera: Das heißt, am Spieltag nimmst du über 800 Gramm Kohlenhydrate zu dir?

Michi Gregoritsch: Das geht sich niemals nur über Nudeln aus. Da kriegst du 15 Kilo Nudeln nicht runter. Da kriegst du aber auch Datteln – ich bin ein Riesendattel-Fan. Datteln und ein bisschen Mandelmus. Und dann eben, wie gesagt, bei mir steht eine Flasche Coke auf meinem Platz. Das ist ganz cool, weil früher hat man immer gesagt: Du musst Nudeln essen mit Tomatensauce und so weiter. Und ich liebe mein Essen. Und ich hasse es, wenn mir das Essen auswärts – wenn es einfach nicht mit so viel Liebe zubereitet ist, wie ich es eigentlich gerne hätte.

Die Henkersmahlzeit

Paul Pizzera: Ganz kurz, weil mich das immer interessiert: Droppt mal ganz kurz eure dreigängige Henkersmahlzeit – Vorspeise, Hauptspeise, Nachspeise.

Michi Gregoritsch: Meine erste ist eine Frittatensuppe. Dann ein Smashburger mit Pommes und Käsesauce, ein bisschen schärfer. Und hinterher ein Kaiserschmarrn oder Gärmknödel oder Marillenknödel oder Nougatknödel – egal, am besten jegliche österreichischen Nachspeisen. Und du merkst, wie schnell ich die Frage beantwortet habe – weil’s wichtig ist.

Paul Pizzera: Hab ich auch mal gesagt: Du erfährst viel über den Menschen. Johnny Hofer: Bei der Suppe bin ich schon stark dabei. Ich würde aber vermutlich eher zur Käsknödelsuppe tendieren. Hauptspeise ist brutal schwierig. Ein Wiener Schnitzel mit Preiselbeeren und Zitrone. Oder – eine richtig gute Carbonara. Als Nachspeise bin ich hin- und hergerissen zwischen Kaiserschmarrn und Mohnnudeln. Wow, auch gut. Bei Mohnnudeln ganz wichtig: Den Mohn nicht reiben, sondern quetschen, weil dann ist er saftiger. Leberknödelsuppe. Eierschwammerl-Gulasch mit Semmelknödel. Und dadurch, dass ich kein Süßer bin: eine Käseplatte zum Schluss. Ich fresse wirklich alles, was es auf dem Planeten gibt – von Krokodil bis Strauchdieb habe ich schon gehabt. Das Einzige, was ich nicht vertrage, ist Gorgonzola und solche Edelschimmelkäse. Da passiert was in mir, das schaffe ich nicht. Deshalb nur so Bergkäse drauf, mit Chutneys garniert. Hier ein paar Oliven, da vielleicht ein Carpaccio, da ein Nüsschen und ganz viel Brot und Butter und Salz dazu. Dann drehe ich wirklich gerne ab.

Johnny Hofer: Wein dazu oder Bier?

Paul Pizzera: In rauesten Mengen.

Bart Simpson und die Simpsons

Michi Gregoritsch: Wie bist du dazu gekommen, Bart Simpson zu sprechen für die Simpsons? Und wie geil war das? Du bist in den Simpsons! Einfach Bart.

Paul Pizzera: Ja, das wäre cool! ORF hat sich da was einfallen lassen – das waren immer so Dialekt-Specials. Es war total nett, dass sie mich gefragt haben. Ich glaube, es ist dazu gekommen, dass sie im Stadion keinen gehabt haben und da habe ich das machen dürfen. Das war sehr nett und ist auch sehr lustig – und ich bin natürlich auch ein Riesen-Simpsons-Fan. Es wird wieder was geben, habe ich gehört, und wenn, dann bin ich wieder dabei.

Abschluss

Paul Pizzera: Aber viel, viel mehr möchte ich mich noch einmal ganz kurz bei euch bedanken, weil ihr wirklich – und glaubt mir, es ist nicht mein erster Podcast – aber selten so wirklich gescheite, liebe Leute gehabt hab, mit denen ich sofort auf einen Kaffee oder noch lieber einen Wein oder ein Bier gehen würde. Auf einen Smashburger mit Käsesauce, etwas schärfer. Liebe, gute Menschen – und hört euch die nächsten 8.000 Folgen von Ohne Filter an. Ohne Filter, der Canal-Plus-Podcast, für Menschen mit Herz, Hirn und Liebe. Ohne Filter – mein Podcast.

Michi Gregoritsch: Vielen Dank. Wir können das nur zurückgeben. Wie ich ja immer sage: Essen gehen muss man, Kaffee trinken tut man nur mit Freunden und Menschen, mit denen man Zeit verbringen möchte. Und deswegen war es uns ein großes Bedürfnis und eine große Wertschätzung, dass du unser zweiter Gast bist. Und wir freuen uns sehr – ich glaube, es sind wirklich zwei gelungene Folgen geworden.

Paul Pizzera: Das hoffe ich, und ich bin genauso geehrt.

Johnny Hofer: Vielen Dank. Das war unser Teil 2 mit Paul Pizzera. Wenn dir die Folge gefallen hat, abonniere uns gerne und verpasse keine weitere Episode von Ohne Filter. Wenn du außerdem die Videoepisoden sehen möchtest, findest du unseren gesamten Katalog auf dem Canal Plus YouTube-Kanal. Ohne Filter ist ein Canal-Plus-Podcast, produziert von PES BILA DIGITAL.