Ohne Filter – Folge 3

Paul Pizzera bei Ohne Filter: Fankurve, Fußball und die großen Fragen des Spiels

Episodenbeschreibung

Teil zwei mit Christopher Trimmel – und der Mann hat noch lange nicht genug. Mit 39 spielt er noch Bundesliga, hat nie übers Karriereende nachgedacht und tätowiert nebenbei Mitspieler im Trainingslager. Michi erzählt, wie Julian Schuster ihm mit einer einzigen Frage den Spiegel vorgehalten hat. Trimbo spricht über Marie-Louise Eta als Cheftrainerin bei Union, warum Dialekt ein rhetorisches Geschenk ist und wie er sich Schritt für Schritt zum Cheftrainer entwickeln will

Dazu: Freiburgs Weg ins Europa-League-Finale, ein Tattoo-Abend mit Bier im österreichischen Trainingslager – und die Frage, ob Gregoritsch sich jemals tätowieren lässt. Abonniert uns und bewertet uns auf eurer Lieblingsplattform!

Logos der Podcastplattformen Amazon Music, Deezer, Podigee, Apple Podcasts, YouTube und Spotify

Folge direkt ansehen

#6 Mit 39 noch Bundesliga – und kein Ende

Das erwartet dich in der Folge

  • chevron_right

    Christopher Trimmel über Karriereende, Leistungsprinzip und seine Rolle bei Union

  • chevron_right

    Trainerdenken auf dem Platz und der Weg zur Trainerlizenz

  • chevron_right

    Marie-Louise Eta, Frauenfußball und neue Perspektiven im Profifußball

  • chevron_right

    Tätowieren als Leidenschaft neben der Fußballkarriere

  • chevron_right

    Zukunftspläne zwischen Union, Rapid, Wien, Berlin und Trainerbank

Transkript der Folge

Begrüßung

Johnny Hofer: Wir sind zurück mit Folge 2 mit Christopher Trimmel. Teil 2 unseres Gesprächs. In der ersten Halbzeit haben wir über seine Zeit als fußballspielender Fan gesprochen. Jetzt wollen wir ein bisschen reingehen in die ganze Geschichte seines Wechsels zu Union Berlin und seiner Nebenbeschäftigung zum Fußball dazu. Trimbo, schön, dass du wieder dabei bist. 

Karriereende? Nicht mit Trimbo

Michi Gregoritsch: Du bist seit zwölf Jahren bei Union Berlin. Am Ende der letzten Folge haben wir gesagt, du bist 39. Wie lange spielst du schon mit dem Gedanken, dass du sagst, du bist über dem Fußballalter? Andererseits funktioniert es ja offensichtlich so gut. Ich habe jetzt gesehen, du warst wieder der beste Spieler von euch auf dem Platz. Findest du das auch ein bisschen unfair – ich denke ja auch für mich selber – dass du in einem Alter irgendwann sagst, okay, eigentlich muss ich jetzt aufhören, weil die junge Generation noch kommt?

Christopher Trimmel: Interessante Frage. Ich bin trotzdem immer der Meinung, dass das Leistungsprinzip im Fußball-Profitum das Wichtigste ist. Ich verstehe natürlich vereinspolitische Entscheidungen. Ich verstehe auch, dass man junge Spieler pushen muss. Mit mir machst du kein Geld mehr, das ist einfach Fakt. Aber ich glaube, man muss unterscheiden: Als langjähriger Kapitän ist mir das Wichtigste, dass die Struktur innerhalb der Mannschaft passt, dass die Kommunikation im Verein passt, dass man einen guten Draht zur Fanszene hat. Das habe ich ja schon bei Rapid Wien so gehandhabt. Natürlich, ein Umbruch hätte bei Union auch schon die letzten drei, vier Jahre stattfinden sollen. Man hat es versucht. Aber man braucht trotzdem ein funktionierendes Gerüst. 

Ich habe immer gesagt: Diesen Ehrgeiz, den ich habe, den bewahre ich immer. Wenn jetzt vor mir einer spielt, dann schaue ich natürlich, dass ich es dem Trainer so schwer wie möglich mache, dass er auf der Position bleibt. Das war immer mein Ansatz. Aber ich persönlich habe bis heute nicht einmal übers Karriereende nachgedacht. Nicht einmal.

Bei meiner letzten Vertragsverlängerung haben wir das erste Mal so ein bisschen drüber gesprochen. Und da ging es gar nicht darum, dass sie wollen, dass ich aufhöre, sondern eher darum, wie ich reagieren würde in bestimmten Situationen. Der Präsident hat mir eine interessante Frage gestellt: „Fühlt es sich an wie letzte Saison?“ Und ich habe gesagt: Nein, auf keinen Fall – weil ich mehr spiele. Dann hat er gelacht und gesagt: Das stimmt. Weil eigentlich, wenn du eine Karriere beendest, vor allem im gehobenen Alter, ist es in den meisten Fällen so, dass du einen guten Übergang hinkriegst. Du spielst vielleicht noch ab und zu, unterstützt deinen Mitspieler, der jetzt die Position eingenommen hat, schaust, dass das sauber über die Bühne geht, und dann sagst du Tschüss. Und das hat sich definitiv nicht so angefühlt.

Michi Gregoritsch: Ich bin auch kein Fan davon, gesagt zu bekommen: Du bist zu alt, jetzt spielst du nicht mehr. Wenn die Leistung stimmt, dann solltest du weiterspielen. Ich bin überzeugt davon, dass man andere, bewährte Dinge aufs Feld bekommt. Ich verstehe das Spiel jetzt mehr als früher und merke auch, dass junge Spieler davon extrem profitieren. Früher habe ich mir auch immer gedacht: Ich bin jung, ich muss spielen. Und jetzt merke ich, wie wertvoll diese Erfahrung ist.

Denken wie ein Trainer

Johnny Hofer: Wie viel denkst du mittlerweile schon als Trainer auf dem Platz? Dieses Tor, das nach einem Eckball von dir gefallen ist – du deutest den Passweg an, du coachst schon auf dem Platz.

Christopher Trimmel: Mittlerweile schon sehr viel. Ich muss ehrlich sagen, bei Ralf Rangnick beim Nationalteam habe ich so ein kleines Büchlein, wo ich mir sehr viele Übungen und Punkte aufschreibe. Und mittlerweile, da ich die Trainerlizenz mache und schon Jugendmannschaften trainiert habe, hinterfrage ich jede Übung. Ich schaue, was die Schwerpunkte sind. Und wenn ich spüre, dass ein Mitspieler etwas nicht so schnell verstanden hat, versuche ich ihm zu helfen. Auch wenn ich nicht in der Startelf stehe und im Training den Gegner simuliere – obwohl ich angefressen sein kann – helfe ich dem, der auf meiner Position spielt. Da denke ich schon sehr wie ein Trainer.

Michi Gregoritsch: Ich versuche auch schon sehr viel als Trainer einzubringen. Stefan Oesen – Grüße, ich weiß, dass er ein Riesenfan von unserem Podcast ist – hat zu mir gesagt: Trotzdem versuche, das Spieler-Sein zu bewahren. Und da hat er absolut recht. Trotzdem bin ich ein besserer Spieler geworden, weil ich so viel hinterfrage. Lustige Geschichte aus Freiburg: Julian Schuster hat mich am Tag vor dem Spiel gegen Bremen geholt und gesagt, er tut sich schwer, mich in den Kader zu nehmen. Ich war gerade gesund geworden und hatte unter der Woche im Training das 1:0 geschossen. Ich habe ihn angeschaut und gesagt: Warte mal, ich habe am Mittwoch das Tor gemacht und heute jedes Tor geschossen. Was ist das?

Dann hat er mir diese Reflexion vor das Gesicht gehalten und gesagt: Du hast aber die anderen Aufgaben, die ich fordere, nicht erfüllt. Das war für mich ein Hallo-wach-Effekt, weil ich mir gedacht habe: Stimmt, eigentlich hast du recht. Ich bin in ein altes Muster zurückgefallen, dass ich mit meinem Tor zufrieden war. Und ich glaube, das ist das Schwerste, was du Spielern vermitteln kannst: Ihr seid ein Mittelpunkt – auf jeden Fall. Aber es gibt 25 andere Mittelpunkte auch. Jeder Trainer kann trainieren. Jeder hat eine Idee von Taktik. Das Vermitteln an die ganze Gruppe, dass sie daran glaubt – das ist mit Abstand das Schwerste.

Christopher Trimmel: Brutal, sehe ich genauso. Ich habe vor kurzem mit unserem Präsidenten ein Gespräch geführt. Er hat etwas sehr Interessantes gesagt: In erster Linie muss ein Cheftrainer Menschenführung können. Ausstrahlung, Persönlichkeit sowieso – aber Menschenführung. Er muss kommunikativ top sein. Aber Inhalte wie Taktik, das kann man sich heutzutage mit einem Co-Trainer alles zukaufen.

Und das führt mich zu einem Thema, das mich sehr beschäftigt: Wie bekommst du Inhalte am besten in die Gruppe rein? 45 Minuten Videoanalyse ist zu lang, da schläfst du ein. Zehn Minuten ist vielleicht zu wenig. Ich mache in der nächsten Saison ein Rhetorik-Coaching. Und da kam ein spannendes Thema: Dialekt. Die Leiterin hat gesagt, das ist ein Geschenk. Warum? Wenn du im Dialekt ein Interview gibst und irgendwas betonen willst – sag diesen Satz auf Hochdeutsch. So hast du ihn schon betont. Dieses Spiel zwischen Dialekt und Hochdeutsch ist ein Geschenk: Du kannst Inhalte super betonen und bist gleichzeitig authentisch.

Michi Gregoritsch: Und wenn sich der Trainer einmal verspricht, ist schon der Teufel los. Wenn der Trainer mehrmals ein Wort falsch in den Mund nimmt, das geht in der Kabine viral.

Freiburg im Europa-League-Finale

Johnny Hofer: Freiburg jetzt im Europa-League-Finale. Von der Größe des Klubs her ja schon ein bisschen ähnlich wie Union. Du hast selber dort gekickt, du kennst den Verein. Was sind deine Gedanken zu dieser Entwicklung? Beißt man da vielleicht ein bisschen in den sauren Apfel, dass du vielleicht zu früh von dort weggegangen bist?

Michi Gregoritsch: Als Erstes bin ich mal richtig sauer, weil im Jahr, bevor ich gekommen bin, war es das Pokalfinale, und im Jahr, nachdem ich gehe, ist es das Europa-League-Finale. Das ist eine Frechheit. Das ist ein Verein, der wirklich über Jahre, wahrscheinlich sogar über Jahrzehnte ein Konzept entwickelt hat. Jedes Jahr bringt die Akademie mindestens einen Spieler durch. Suzuki war teilweise nicht im Kader im September, Oktober – und wurde dann einer der wichtigsten Spieler. Manzambi war bis zum 26. Spieltag nicht existent im Profikader und wurde dann spielentscheidend. Dieses Stadion läuft ein bisschen unter dem Radar, ist aber eines der besten in Deutschland und hat unglaubliche Kraft, ein Spiel zu verändern. Ich gönne es jedem Einzelnen dort extrem. Ich habe sogar noch die Vorbereitung mitgemacht – deswegen bin ich zu einem Hundertstel Europa-League-Finalist.

Christopher Trimmel: Freiburg entwickelt ja auch Trainer. Julian Schuster wurde Trainer, und das ist so ein Modell, wo ich sage: Das wird in Zukunft immer mehr eine Rolle spielen.

Michi Gregoritsch: Schuster hat aufgehört mit 34, hat direkt danach seine Lizenz begonnen, wurde Verbindungstrainer und hat sich Stück für Stück nach oben weiterentwickelt. Davor war es Christian Streich – aus der eigenen Jugend. Es war glasklar, dass Schuster das gut machen wird. Dann bin ich wieder bei meinem Spruch, dass alles seinen Sinn hat: Wenn du das letzte Spiel daheim gegen Frankfurt gewinnst, wärst du in der Champions League gewesen. Wer weiß, wie die Saison dann gelaufen wäre.

Marie-Louise Eta als Cheftrainerin

Johnny Hofer: Marie-Louise Eta. Sehr viel wurde darüber diskutiert. Wie war es denn dann tatsächlich in der Zusammenarbeit? Wie war es für dich, eine Frau als Chefin einer Fußballmannschaft zu haben?

Christopher Trimmel: Für mich persönlich war das nichts Neues, weil Louis schon als Co-Trainerin unter Bjelica und davor unter Bo Svensson bei uns gearbeitet hat. Ich bin immer der Meinung, dass eine Trainerin einfach nach Leistung bewertet werden soll, nicht nach Geschlecht. Sie hat sich das verdient – sie war U19-Cheftrainerin bei Union, hat richtig gute Arbeit geleistet. Sie ist in die Kabine rein, hat gleich das Eis gebrochen und gesagt: Ihr braucht gar nicht anfangen mit „Trainerin“ – könnt Trainer sagen, Coach, Lui, ganz entspannt. Wir haben ab jetzt Spaß. Sie macht es sehr klar, kann auch laut werden, kann auch zusammenscheißen. Jeder hat Respekt vor ihr.

Christopher Trimmel: Das erste Spiel gegen Wolfsburg haben wir unglücklich verloren, aber das hat es wahrscheinlich seit Jahren nicht gegeben, dass Union ein Spiel so dominiert hat – mit 26 zu fünf Torschüssen. Sie moderiert so gut, sie bleibt so cool, die Kommunikation ist super. Sie packt jeden Spieler, sie erklärt es – jeder versteht es. Und es macht Spaß.

Michi Gregoritsch: Ich finde es richtig cool, dass es auch relativ schnell normalisiert worden ist. Es ist völlig egal, ob fünf Frauen oder fünf Männer im Trainerteam sind. Es geht nur um Qualität im Profifußball. Der größte Respekt, den sie haben kann, ist, dass es Normalität geworden ist. Ganz offen dafür, dass wir in Zukunft mehr Frauen als Trainerinnen sehen werden.

Christopher Trimmel: Und man muss auch sagen: Die Frauenmannschaft bei uns hat mittlerweile einen Schnitt von 12.000 bis 13.000 Zuschauern. Unser Stadion wird ab nächster Saison wahrscheinlich jedes Wochenende voll sein. Der Präsident sagt öffentlich, der Frauenfußball hat ihn wieder geerdet. Er fährt viel lieber auswärts zu den Frauen und schaut sich die Spiele an als bei uns. Und die Frauen beschweren sich einfach nicht. Die fahren mit so einer Freude hin und geben ihr Bestes. Und der feiert das extrem.

Vom Fußballplatz ins Tätowier-Studio

Johnny Hofer: Ideen, dass du tätowieren willst, hast du ja schon in Wien gehabt. Wann hast du dann tatsächlich das erste Mal tätowiert?

Christopher Trimmel: Mein erstes Tattoo habe ich noch in Wien gestochen – meinem besten Freund, weil der mich einfach überrascht hat. Der ist selbst Tätowierer und ich war schon oft im Studio, habe ihm zugeschaut, wir haben gemeinsam entworfen und gemalt. Und irgendwann hat er einfach gesagt: Jetzt tätowierst du mich. Er hat den Freischwimmer, diesen Pinguin, am Handy rausgesucht und gesagt: Den tätowierst du mir jetzt. Dann bin ich nach Berlin gezogen und habe gedacht, das war’s. Aber er hat gesagt: Nein, du machst das jetzt einfach. In Deutschland ist das Gewerbe viel einfacher als in Österreich, du musst es eigentlich nur anmelden. Und am Anfang kommen halt Freunde und Bekannte.

Christopher Trimmel: Und dann habe ich es gemacht. Erst Mitspieler, dann der Physiotherapeut, dann ein Freund von einem Freund, der hat das gepostet – und dann geht’s los. Die Mundpropaganda ist das Wichtigste. Mittlerweile habe ich wirklich über 200 Anfragen und komme einfach nicht mehr nach. In meiner besten Zeit habe ich am freien Tag zwei Kunden tätowiert – mittags bis 17 Uhr, kurze Pause, zweiter Kunde bis 22, 23 Uhr. Und am nächsten Tag nach dem Training noch einen. Drei Kunden die Woche – das war ein guter Rhythmus.

Michi Gregoritsch: Irgendwann: lieber Trainer oder lieber Tätowierer?

Christopher Trimmel: Ganz klar Trainer. Beim Tätowieren ist es eine Leidenschaft, aber das kann man nebenbei machen. Rein hauptberuflich Tätowierer habe ich mich eigentlich nie gesehen. Aber ich will Realismus-Tätowierer werden: Du gibst mir ein Foto von deinem Sohn und ich kann es eins zu eins tätowieren. Das ist mein Traum. Solange ich merke, dass ich mich weiterentwickle, mache ich weiter. Wenn ich anstehe, höre ich sofort auf.

Johnny Hofer: Wie viele Mitspieler hast du schon tätowiert?

Christopher Trimmel: Tatsächlich drei. Der letzte war Sven Michel, der spielt jetzt bei Paderborn. Das war eine witzige Geschichte: Er hat mich aufgefordert, das Equipment mit ins Trainingslager in Österreich zu nehmen. Urs Fischer war Trainer. Wir hatten ein Doppel-Testspiel, Freitag und Samstag. Sven und ich haben am Freitag nicht gespielt. Wir hatten so große Apartments, ich habe alles aufgebaut und angefangen, eine Rose zu tätowieren. Und dann stell dir vor: Tiago Leite, unser neuer Innenverteidiger, reist an und zieht in unser Apartment ein. Der kommt hoch ins Wohnzimmer – ich sitze in der Ecke, tätowiere gerade einen Mitspieler, auf der Couch sitzen drei andere Spieler mit einem Bier in der Hand und schauen ein Testspiel an. Am nächsten Samstag hatten wir dann Hüttenga udi. Der hat nach zwei Tagen seinen Berater angerufen und gesagt: Auf gar keinen Fall, ich will wieder zurück.

Der Weg zum Cheftrainer

Michi Gregoritsch: Siehst du irgendwo eine Grenze als Trainer – oder willst du bis zum Ende gehen?

Christopher Trimmel: Ich werde auf jeden Fall alles dafür tun. Die Lizenzen gehören dazu. Wenn ich schnell durchkomme, habe ich in dreieinhalb Jahren die UEFA-Pro-Lizenz fertig. Ich habe mich mit vielen sehr guten Trainern unterhalten. Peter Berchtold hat mir eine interessante Geschichte erzählt: Er und Bo Svensson waren beide Co-Trainer bei Mainz. Bo Svensson hat früh entschieden, Cheftrainer zu werden, und ist in die U15 gegangen. Peter wollte lieber das bessere Gehalt als Bundesliga-Co-Trainer behalten. Am Ende hat Bo Svensson ihm fünf Jahre abgenommen. Deswegen sagt mir jeder: Wenn du die Lizenz hast, werde so schnell wie möglich Cheftrainer. Auch wenn das heißt, du gehst zuerst in die U16 oder U17.

Karriereende: Union oder Rapid?

Johnny Hofer: Du bist seit 17 Jahren Profi und hast zwei Vereine gehabt. Die große Frage: Karriereende bei Union oder bei Rapid? Bei Rapid hast du 199 Spiele – auch wenn es nur für ein Spiel wäre, das wäre eine runde Geschichte.

Christopher Trimmel: Da bin ich ehrlich: Ich glaube, das mit Rapid wird es wahrscheinlich nicht mehr. Die Möglichkeit war da, vor einem Jahr gab es einen sehr engen Austausch, das war auch in den Medien. Das war gut strukturiert, da ging es darum: Am Anfang spielst du, führst die Mannschaft, führst junge Spieler ein. Aber mittlerweile, nach der nächsten Saison bin ich 40. Einen 40-Jährigen verpflichten – das ist wahrscheinlich den meisten Vereinen zu riskant. Da sehe ich eher das Karriereende bei Union.

Wien, Berlin oder doch Italien?

Johnny Hofer: Und wo wird euer Lebensmittelpunkt sein?

Christopher Trimmel: Sehr gute Frage. Die lassen wir uns auch noch offen. Meine Frau und ich lieben Wien über alles, da ist die Familie, die Stadt – das ist natürlich unsere Stadt. Aber beruflich kannst du das die nächsten Jahre nicht planen. Ich habe schon so viele ehemalige Mitspieler gesehen, die in den letzten Jahren ihrer Karriere irgendwo ein Haus gebaut haben und am Ende wieder verkaufen mussten, weil sie nie dort gelandet sind. Deswegen haben wir gesagt: Wir können uns beides vorstellen. Berlin, Wien, Madrid – scheißegal. Hauptsache Italien. Wien wird immer unsere Lieblingsstadt bleiben. Zum Altwerden kann ich mir das gut vorstellen. Aber die nächsten Jahre mit Trainer-Karriere – da muss man schauen.

Wird Gregoritsch tätowiert?

Johnny Hofer: Gregor, du bist ja meines Wissens noch nicht tätowiert. Sollte Österreich Weltmeister werden – ich lehne mich jetzt ganz weit aus dem Fenster – dann hoffe ich, Trimbo, dass du deine 200 Anfragen beiseiteschieben kannst und den Gregor vielleicht – ich hätte mir vorgestellt, da auf die Brust, oder auf die Schulter, das muss großflächig sein.

Michi Gregoritsch: Die Zuhörer hören, dass ich meine Seele verkauft habe an den Johnny und er über mein Leben bestimmt.

Christopher Trimmel: Pass auf, der Gregor ist nicht der Typ für Tätowierungen. Dankeschön. Aber Marco Arnautović – bei jedem Lehrgang hat er mich gefragt: Hast du den schon tätowiert? Zeig mir mal. Bei jedem Lehrgang. Ich habe gesagt: Ich kann das nicht machen. Stell dir vor, Ralf Rangnick kriegt mit, dass du von heute auf morgen ein Tattoo von mir kriegst. Lass das noch entzündet sein – dann ist es eine Kruste, und du fehlst im Training. Dieses Risiko gehe ich nicht ein.

Michi Gregoritsch: Wobei der Trimbo hat früher immer zu mir gesagt: Meine Haut ist so weiß, das ist wie die perfekte Leinwand.

Christopher Trimmel: Ja, ist wirklich so. Tatsächlich: Zum Tätowieren hast du die beste Haut.

Abschluss

Michi Gregoritsch: Hey Trimbo, dankeschön für deinen Besuch. Das war deutlich noch interessanter, als wir es uns alle erhofft haben. Wirklich ein wahnsinniger Weg. Ich habe heute wieder sehr, sehr viel über dich erfahren. Danke, dass du Gast warst, und ich hoffe, allen Zuhörern hat es genauso gefallen wie uns beiden.

Christopher Trimmel: Danke für die Einladung, hat auch mir sehr viel Spaß gemacht. Ich hoffe, die Gäste bleiben interessant genug, dass ihr auch den Podcast weiterhört. Spaß beiseite – hat Spaß gemacht. Und ich hoffe, irgendwann mal in der 50. oder 100. Folge werde ich wieder eingeladen.

Johnny Hofer: Das können wir, denke ich, versprechen. Danke – und wenn dir diese Folge gefallen hat, dann abonniere uns gerne und verpasse keine weitere Folge von Ohne Filter. Wenn du außerdem die Videoepisoden sehen möchtest, findest du unseren gesamten Katalog auf dem Canal Plus YouTube-Kanal. Ohne Filter ist ein Canal-Plus-Podcast, produziert von PES BILA DIGITAL.