Ohne Filter – Folge 7

Vom Innenverteidiger zur Bundesliga-Ikone: Was Deniz Aytekin über Schiedsrichten wirklich denkt

Episodenbeschreibung

1,97 Meter, viermal zum Schiri des Jahres gewählt, und jetzt: Schluss. Deniz Aytekin sitzt bei Johnny und Michi am Tisch – und packt aus. Wie wird man eigentlich Bundesliga-Schiri, wenn man eigentlich Innenverteidiger war?

Warum war er am Anfang seiner Karriere „viel zu hart"? Und was haben Paul Kalkbrenner, eine La Marzocco und ein Tritt auf den Parkplatz mit alldem zu tun? Eine ehrliche Folge über Druck, Respekt, Social-Media-Hass und die Frage, wie sich der Job auf dem Platz wirklich anfühlt. Reinhören.

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#7 „Ich war zu hart" – Wie Aytekin den Schiri neu erfand

Das erwartet dich in der Folge

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    Deniz Aytekin über seinen Weg vom Innenverteidiger zum Bundesliga-Schiedsrichter

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    Druck, Kritik und Social-Media-Hass: Wie sich der Job wirklich anfühlt

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    „Ich war zu hart“ – persönliche Learnings und Entwicklung als Referee

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    VAR, Regeln und Respekt: Wie sich der Fußball auf und neben dem Platz verändert hat 

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    Leidenschaft abseits des Spielfelds: DJing, Paul Kalkbrenner & die perfekte Kaffeemaschine

Transkript der Folge

Begrüßung & erste Eindrücke

Johnny Hofer: Ein Riese hört auf – 1,97 lang. Nicht nur aufgrund seiner Erscheinung wird er künftig in der Deutschen Bundesliga fehlen. Vom schlechtesten Schiedsrichter zum besten – und das gleich viermal. Unternehmer, DJ, Spielleiter. Deniz Aytekin, schön, dass du heute unser Gast bist. Herzlich willkommen bei „Ohne Filter"

Deniz Aytekin: Vielen Dank für die Einladung

Michael Gregoritsch: Herzlich willkommen, Deniz! Wir freuen uns sehr. Ich freue mich, dass wir jetzt zum ersten Mal – auf, unter Anführungszeichen, unprofessioneller Ebene – zum Quatschen kommen und auf unseren ersten Café gehen.

Deniz Aytekin: Das ist cool, ja, mal außerhalb vom Platz. Wobei – auf dem Platz bist du ja auch entspannt insofern.

Michael Gregoritsch: So ist es. Ja, du ja auch, aber da können wir nicht so Café-Gespräche führen, weißt du?

Fünf schnelle Fragen

Johnny Hofer: Sehr gut, die Wertschätzung ist beiderseits da. Wir wollen traditionellerweise gleich einmal mit unseren fünf schnellen Fragen beginnen, und passend zu unserem Format die erste: Wie trinkst du deinen Kaffee am liebsten?

Deniz Aytekin: Also wenn es ein Kaffee ist, tatsächlich mit ganz wenig – also mit einem Schluck Milch. Ansonsten morgens halt immer nur Espresso. Ich habe auch eine richtig geile Maschine – das ist so für mich jeden Tag eine schöne La Marzocco. Ich will jetzt keine Werbung machen, aber ich erfreue mich jeden Tag an dieser Maschine. Es gibt so viele Sachen, die man sich theoretisch kaufen kann, aber das ist für mich das, was mir am meisten Freude bereitet.

Michael Gregoritsch: Purer Luxus, dankeschön. Und ich habe hier jedes Mal die Diskussion – ich hatte gerade vorhin mit Johnny die Diskussion wieder: Es gibt nichts Besseres als eine Siebträgermaschine. Und so wie du sagst, diese La-Marzocco-Maschine – das ist ein Lebensgefühl.

Deniz Aytekin: Ich kann das auch keinem beschreiben. Auch meine Frau sagt jedes Mal: „Du mit deiner komischen Maschine." Aber das ist wirklich schon so ein Ritual: jeden Morgen aufstehen, dahinlaufen, die Maschine einschalten – und dann, ja, einfach geil. Michael Gregoritsch: Herrlich. Jetzt schon mein Lieblingsgast.

Johnny Hofer: Passt wie die Faust aufs Auge zu uns. Wunderbar. VAR oder Vierter Offizieller?

Deniz Aytekin: Bei dem modernen Fußball muss ich schon VAR sagen. Die Jungs sind alle so schnell und es passiert so viel – mit der Medienpräsenz, die wir haben, geht es ohne VAR leider nicht mehr.

Johnny Hofer: Und VAR oder Torlinienrichter? Das war ja quasi ein bisschen der Vorgänger davon.

Deniz Aytekin: Ja, auch da würde ich sagen: eher die Technik, also VAR – weil das doch mehr auflösen kann.

Johnny Hofer: Gelb oder Rot?

Deniz Aytekin: Wenn ich es vermeiden kann, gehe ich immer auf die geringere Strafe. Ich bin ja nicht da, um Leute rauszustellen, sondern ich will einen Beitrag leisten, dass es ein schönes Fußballspiel wird. Dann gebe ich lieber Gelb als Rot.

Johnny Hofer: Kalkbrenner oder Sven Väth?

Deniz Aytekin: Das ist einfach – natürlich Paul. Der ist ganz vorne dabei.

Johnny Hofer: Ja, du bist ja hobbymäßig auch DJ. Da findet man auch was auf YouTube.

Deniz Aytekin: Ja, ich muss es richtig stellen. Ich habe zu Hause wirklich Profi-Equipment, ich könnte auf den ganz großen Bühnen auflegen, aber es ist nicht so, dass ich Profi-DJ bin. Ich mache das für mich, damit ich auf andere Gedanken komme. Und jetzt ist es mein Sohn, der in dem Bereich etwas aktiver ist. Aber seitdem dieses Video rauskam, habe ich in der Woche bestimmt drei bis fünf Anfragen ... Ob ich Zeit habe am Wochenende, wenn sie sehen, dass ich kein Spiel habe – die fragen meistens an, ob ich Zeit habe zum Auflegen. Das mache ich natürlich nicht.

Michael Gregoritsch: Ist es aber eine Option, wo du mal sagst: Jetzt nach der Karriere vielleicht hobbymäßig drei, vier, fünf Auftritte pro Jahr?

Deniz Aytekin: Ehrlicherweise: Ich liebe Musik, ich liebe elektronische Musik, vor allem Paul Kalkbrenner. Und diese großen Festivals – das ist schon Wahnsinn. Viele konnte ich teilweise nicht besuchen, weil du entweder im Trainingslager oder in der Vorbereitung bist und dann nicht einfach auf irgendwelchen Festivals auftauchen kannst. Ich sag mal so: Punktuell, wenn sich das ergibt, würde ich das schon machen. Gern, klar – weil das einfach auch Lebensfreude ist. Ich versuche immer, das zu machen, was mir Spaß bereitet. Das ist ganz wichtig im Leben, glaube ich.

Johnny Hofer: Also die Tomorrowland-Gigs für das kommende Jahr sind schon gebucht, oder wie?

Deniz Aytekin: Ushuaïa, Ibiza oder Tomorrowland – wenn ich da einen Slot bekomme, dann bin ich voll dabei.

Michael Gregoritsch: Herrlich.

Deniz Aytekin: Aber da müsst ihr auch kommen.

Michael Gregoritsch: Ja, ich bin da in der ersten Reihe.

Deniz Aytekin: Du bist ja jetzt bei der WM, da hast du wahrscheinlich keine Zeit, wenn ich da doch einen Slot kriegen sollte.

Michael Gregoritsch: Aber danach machen wir es ja nochmal – wir haben ja dann die Nachtzeit.

Wie alles begann: Vom Innenverteidiger zum Schiri

Johnny Hofer: Dann lass uns mal ganz zu Beginn anfangen. Die größte Frage, die uns gleich einmal beschäftigt hat, war: Warum wird man Schiedsrichter? Oder warum wurdest du Schiedsrichter? Was war der Antrieb?

Deniz Aytekin: Ich habe natürlich die ganze Jugend durch Fußball gespielt. Ich war Innenverteidiger, habe gefühlt alles weggegrätscht, was ging. Dann habe ich irgendwann gemerkt, dass ich die Regeln nicht – ich habe nicht verstanden, was da gepfiffen wurde. Damals gab es einen Schiedsrichter-Obmann, der früher in der Bundesliga gepfiffen hat. Er hat gesagt: Mach mal so einen Schiri-Kurs oder Lehrgang. Dann habe ich ihn besucht.

Deniz Aytekin: Das war sehr interessant. Man hat die Fußball-Regeln aus einer anderen Perspektive mitbekommen. Dann dachte ich mir: Das ist cool. Dann habe ich angefangen zu pfeifen mit 17. Dann ging es immer weiter nach oben. Irgendwann habe ich gesagt: Fußball spielen geht nicht mehr. Kreis- und Bezirksliga waren das Höchste, was ich hätte spielen können – weiter nach oben wäre es nicht gegangen. Dann habe ich gemerkt, dass mir der Umgang mit den Spielern liegt. Und da dachte ich mir: Komm, jetzt machst du halt nur Schiedsrichter. Und habe dann mit Fußball aufgehört. Aber tatsächlich war der Einstieg eher, die Regeln vernünftig zu lernen, weil ich viele Sachen gar nicht gewusst habe.

Michael Gregoritsch: Glaubst du, es hat dir gut getan, dass du gespielt hast – dass du den Umgang mit den Spielern besser verbinden konntest? Oder haben alle Schiedsrichter irgendwie mal gespielt?

Deniz Aytekin: Ich weiß nicht, ob alle gespielt haben, das glaube ich nicht. Aber es ist natürlich so: Man braucht eine gewisse Liebe zum Fußball. Wenn das nur theoretisch gelernt ist und du kein Gefühl für das Spiel hast, dann ist es schwierig. Man kriegt es auch hin, aber es ist besser, wenn du weißt, wie ein paar Bewegungsabläufe sind. Wobei ich sagen muss: Was auf Profi-Niveau passiert, ist nochmal eine ganz andere Liga. Da habe ich auch nicht die Erfahrung. Aber es hilft trotzdem, wenn du weißt, was es heißt, gemeinsam zu gewinnen, gemeinsam zu leiden – und was es heißt, sich in bestimmten Situationen aufzuregen. Da kann man dann an der einen oder anderen Stelle natürlich von der Erfahrung als Aktiver profitieren.

Michael Gregoritsch: Warst du in deinen Anfängen davon überzeugt, dass es nach oben geht? Oder war das überhaupt dein Ziel – wenn ich Schiedsrichter mache, dann will ich Bundesliga-Schiedsrichter werden?

Deniz Aytekin: Nein, ich habe nicht angefangen und gesagt: Jetzt will ich Bundesligaschiri werden. Ich habe angefangen und gemerkt, es geht relativ schnell nach oben, wenn man vernünftig und diszipliniert ist. Ich war mit Sicherheit nicht der Begabteste. Es gab andere Kollegen, die deutlich besser waren, die in dem Alter viel weiter waren. Aber ich war sauerfleißig. Ich habe immer viel trainiert. Ich war bei allen Lehrgängen, immer anwesend, immer verbindlich. Auf mich konnte man sich verlassen. Und dann habe ich es durchgezogen und gemerkt: Das macht mir Spaß. Mein Hauptziel war irgendwann, nicht alleine auf dem Platz zu stehen – weil ich ja als Einzelschiri ohne Assistenten angefangen habe.

Deniz Aytekin: Ich habe dann immer bei uns im Verein gesehen, die haben damals Bezirks-Oberliga gespielt, da kam ein Gespann mit Assistenten. Und ich dachte mir: Wenn ich es einmal in meinem Leben schaffe, mit zwei Leuten an der Linie zu agieren, dann wäre das mein Riesentraum. Das war mein Einstieg, das war mein Ziel – nicht Bundesliga oder so.

Michael Gregoritsch: Hast du dann Jungs auch kennengelernt, wo du sagst: Boah geil, die haben es mit mir nach oben geschafft? Oder hast du sie unter Anführungszeichen überholt? Oder hast du dir damals, als du das erste Mal Assistenten hattest, gedacht: Boah, das sind jetzt zwar meine Assistenten, aber ich bin trotzdem besser und werde sie irgendwann hinter mir lassen?

Deniz Aytekin: Es waren tatsächlich zwei, drei Freunde, mit denen wir zeitgleich angefangen haben. Wir sind mehr oder minder alle gleichzeitig in die Bezirksliga, Bezirksoberliga und Landesliga als Schiedsrichter aufgestiegen. Aber ab dem Punkt hat man gemerkt: Jetzt wird es noch anspruchsvoller, noch schwieriger, du musst noch mehr Zeit investieren. Und so habe ich gemerkt, dass die ein oder anderen Freunde auf der Strecke bleiben.

Deniz Aytekin: Man hatte im Bundesland-übergreifend schon auch Kollegen. Dann war ich bei so einer Länderauswahl – da habe ich auch mit 19, 20 Jahren das erste Mal Patrick Ittrich kennengelernt, der ja für Hamburg dabei war. Da sind wir mehr oder minder gemeinsam aufgestiegen. Es gibt schon Leute, die man hinter sich gelassen hat – aber auch Leute oder Freunde, mit denen man zusammen aufgestiegen und letztendlich in dieser Liga gelandet ist. Das ist halt im Sport so – im Fußball ja nicht anders. Du fängst mit Leuten an, mit denen du jahrelang gespielt hast, und einige bleiben auf der Strecke. Das ist das Geschäft.

Der Umgang mit Schiedsrichtern – aus Spielersicht

Johnny Hofer: Was mich noch interessieren würde: Wie warst du selbst im Umgang mit Schiedsrichtern?

Deniz Aytekin: Ich habe mich mit Schiedsrichtern gar nicht so beschäftigt. Ich habe mein Spiel gemacht und war mehr mit mir selber beschäftigt. Es war nicht so, dass ich mich die ganze Zeit mit anderen beschäftigt habe. Das ist ja auch das Problem: Wenn man sich zu sehr mit anderen Sachen beschäftigt – insbesondere im Profibereich –, wenn du da ein, zwei Prozent deiner Energie mit Sachen verbrauchst, die dich ablenken ... Das ist nicht förderlich. Für mich war das nie ein Thema. Ich sehe schon: Es gibt Spieler, die beschäftigen sich sehr intensiv mit Schiedsrichtern. Deren Energie ... Denen fehlen dann an der einen oder anderen Stelle vielleicht die letzten paar Prozent. Weil am Ende ist es, glaube ich, wichtig, sich auf das zu fokussieren, was entscheidend ist. Für den Spieler – je nach Position – entweder Tor schießen, verteidigen oder was auch immer. Da ist die Energie besser aufgehoben.

Druck, Beleidigungen und Social Media

Johnny Hofer: Du hast angesprochen: Dein Ziel war, irgendwann ein Gespann um dich herum zu haben. Ich hatte keine große Fußballkarriere, aber ich kenne das sehr gut, dass ein Schiedsrichter auf dem Platz alleine ist. Ich habe mir oft gedacht: Wahnsinn, warum tut sich das jemand an – irgendwo in Österreich, sagen wir in der Hirschenliga zu pfeifen und eigentlich 90 Minuten lang geschimpft zu werden? Und im übelsten Fall vielleicht noch körperlich angegangen zu werden. Hast du in dieser Zeit auch Gedanken gehabt: Zahlt sich das wirklich aus für mich, will ich das wirklich? Oder war die Motivation so groß, dass du dein Ziel erreichen wolltest?

Deniz Aytekin: Es gab schon Phasen, wo ich gesagt habe: Macht es wirklich Sinn? Ich hatte mal ein Spiel in der Pokalspielkreisliga gegen Bezirksoberliga – 15 zu 1. Und dann hat ein Spieler, der verloren hat, mir nach dem Spiel tatsächlich auf dem Parkplatz gegen meine Wade getreten.

Deniz Aytekin: Weil er unzufrieden war und die Schuld bei mir gesucht hat. Gut, bei 15:1 – was willst du da sagen?

Johnny Hofer: Klassisch runterpfeifen halt.

Michael Gregoritsch: Ja.

Deniz Aytekin: Ja, ich weiß nicht, was ich hätte machen müssen, damit er zufrieden gewesen wäre. Aber letztendlich – es gab schon Momente, wo du denkst: Braucht man das? Aber ich muss auch eins sagen: Zu der Zeit gab es Social Media in der Wucht gar nicht. Ich bin 1995 Schiedsrichter geworden, und 98, 99 in der Zeit, wo es nach oben ging – Social Media war nicht existent. Das heißt: Heute ist es so – das gilt für einen Spieler genauso wie für einen Schiri. Bei uns ist es ein bisschen extremer vielleicht, weil wir gar niemanden haben, der pro Schiedsrichter ist – oder wenige. Wobei: Das muss ich revidieren – die letzten Monate, was ich an Wertschätzung insgesamt in den letzten Jahren bekomme, ist schon außergewöhnlich. Aber in der Regel ist es so: Wenn die Leute unzufrieden sind, dann beleidigen sie halt bei Social Media. Und wenn du das als junger Schiedsrichter heute ertragen musst – egal ob bei Instagram, TikTok oder sonst wo – da brauchst du wirklich eine innere Stabilität. Das hatten wir damals nicht. Das war nur so ein Mikrokosmos: Ein paar haben sich aufgeregt, dann stand in der Lokalzeitung, dass ich Tomaten auf den Augen hatte oder sonst was – und dann war es das. Das konntest du gut verarbeiten. Aber heute ist es so – und das ist nicht nur bei Schiedsrichtern so, das ist bei Politikern so und geht eigentlich darüber hinaus –, dass die Leute teilweise unter der Gürtellinie beleidigt werden.

Michael Gregoritsch: Wobei ich finde, dass das Schiedsrichterwesen oder der Schiedsrichter generell ... Ich habe einen coolen Satz gehört bei der Verabschiedung von Patrick Ittrich bei Union Berlin: Es geht einfach nicht ohne Schiedsrichter. Du kannst kein Spiel spielen ohne Schiedsrichter. Jeder Spieler ist ersetzbar – und natürlich auch der Schiedsrichter als Person –, aber ohne Schiri wird das Spiel auch nicht angepfiffen. Ohne Schiri kein Ball. Das fand ich ganz cool. Und gleichzeitig empfinde ich das so – ich weiß nicht, wie es aus deiner Sicht ist –, dass der Respekt gegenüber dem Schiedsrichter wieder größer geworden ist. Zwischendurch war es so, dass ich das Gefühl hatte: In den unteren Klassen werden Schiedsrichter gejagt und was weiß ich. Gefühl habe ich – bitte korrigiere mich, wenn es falsch ist –, dass es deutlich besser wieder wurde, dass es mehr Wertschätzung gibt für den Schiedsrichter generell. Und für euch, die jetzt aufgehört haben, sowieso.

Deniz Aytekin: Ja. Es ist schon so, dass alles dafür getan wird. Der Verband macht sehr viel, damit auch diese Rolle, diese Aufgabe des Schiedsrichters wertgeschätzt wird. Es gibt immer noch zu viele Fälle natürlich, wo Leute ... Beleidigungen sind das eine, aber körperliche Übergriffe – da ist jeder Fall einer zu viel.

Deniz Aytekin: Aber ich habe schon den Eindruck, dass sehr viel gemacht wird vonseiten der Verantwortlichen, damit diese Rolle, diese Aufgabe die entsprechende Wertschätzung bekommt, die sie verdient. Wir lieben ja den Fußball auch. Es ist nicht so, dass wir auf den Platz gehen und denken: Ich bin jetzt da der ganz große Gringo und gehe auf den Platz, um meine Meinung durchzusetzen. Sondern wir wollen ... Das, was du aus nächster Nähe als Schiedsrichter erleben darfst – diese Fähigkeiten, die die Jungs auf dem Platz mitbringen –, das ist unglaublich. Und wenn du das aus nächster Nähe sehen kannst, ist das für uns auch eine Freude. Das hat nichts damit zu tun, dass wir nicht objektiv sind – einfach: Es ist eine Bewunderung.

Johnny Hofer: Ich frage mich jetzt bei dir – bei deiner Größe auch, beweglich. Was du draufhast, das musst du erst mal hinkriegen. Ich bin 1,97. Du bist auch recht groß. Dann denke ich mir: Wie schafft man es als Mensch, so etwas hinzukriegen? Das sind alles Ausnahmekönner auf diesem Level. Und wenn du da ein Teil davon bist, ist das total cool – weil du das Gefühl hast, du gehörst zu dieser Fußballfamilie auch.

Deniz Aytekin: Dieses Gefühl habe ich insbesondere in den letzten Jahren immer massiver gehabt. In den unteren Ligen kämpfen viele Jungs und Mädels noch, das Gefühl zu bekommen, dass sie dazugehören, dass sie ein Teil des Spiels sind und so weiter. Da wird aber viel gemacht, und ich hoffe, dass es jetzt weiter positiv nach vorne geht.

Kapitänsregel und „Mobbing the Referee"

Michael Gregoritsch: Ich finde auch, dass ihr mit eurer Social-Media-Präsenz – die ihr mittlerweile macht – auch wieder Vorbilder für jüngere Generationen seid. Eben der Umgang. Da gab es ja eine Regeländerung mit der Kapitänssprache. Ich glaube, dass das schon sehr, sehr wichtig war. Natürlich wissen wir – in dem Moment weiß ich es nicht –, aber von oben runter bist du immer eine gewisse Art von Vorbild. Und dadurch, dass es nur noch normale Gespräche gibt und – sobald eine Gruppe, das wurde ja „Mobbing the Referee" genannt – wenn ein Mob quasi auf den Schiri zuläuft und mit dem diskutiert: Das gibt es einfach nicht mehr. Ich glaube schon, dass das eine Vorbildwirkung hat. Vor allem euer Umgang ist auch deutlich entspannter geworden. Man hat gemerkt: Da stürmen nicht vier Spieler hin. Natürlich musst du dich verteidigen, weil in dem Moment hast du eine Entscheidung getroffen – du brauchst auch keinem erklären im Notfall. Aber das ist deutlich angenehmer geworden mit dieser Regelanpassung.

Deniz Aytekin: Ja, die Regelanpassung macht schon Sinn. Ich würde sogar sagen: Sie macht insbesondere auch in den unteren Ligen Sinn, weil sie an der einen oder anderen Stelle den Schiri da noch mehr schützt. Klar, wir im Profibereich haben eine Vorbildfunktion, und wenn fünf, sechs, sieben Spieler auf einen zukommen, ist es schwieriger zu handeln. Das zieht sich nach unten durch: Dann denken die sich, wenn die das da oben machen, machen wir es in den unteren Ligen auch. Insofern ist die Regel gut.

Deniz Aytekin: Dennoch – ich mag trotzdem mit den Leuten reden. Wenn einer ganz normal zu mir kommt, dann habe ich auch mit ihm geredet. Auch wenn er nicht Kapitän ist – man kann ja ganz normal miteinander reden und einen ganz normalen Umgang haben. Das ist das eine. Das andere ist das, was du sagst: Klar, wenn nach einem Pfiff sechs Männer auf dich zugestürmt kommen – „Mobbing the Referee", das ist genau der Begriff, den auch die UEFA verwendet –, das ist das, was unschöne Bilder produziert. Aber da habe ich auch den Eindruck, dass es immer besser wird – definitiv.

Michael Gregoritsch: Hast du dann hin und wieder dir gedacht: Vielleicht war es wirklich falsch, wenn so viele drauf reagieren?

Deniz Aytekin: Ja, doch, das ist auch normal ein Stück weit, dass du dich menschlich hinterfragst, wenn so viele reagieren. Aber es ist nicht so, dass das der Hauptgrund ist, warum man seine Entscheidung in Zweifel zieht. Es ist eher: Manchmal sieht man was, oder man denkt, etwas gesehen zu haben, was aber gar nicht so ist. Und wir hatten ja auch so einen Fall – das ist schon ... Da denkst du dir: Was habe ich denn da wieder gesehen? Aber das ist in der Geschwindigkeit manchmal wirklich brutal. Das sind Themen, wo Spieler deutlich mehr reagieren – dann kommst du schon ins Nachdenken: Was ist denn jetzt los? Warum ist die Entrüstung so groß? Das ist schon ein Thema.

Deniz Aytekin: Nochmal – das ist jetzt nicht das Kernthema. Wir gucken immer: Was haben wir wahrgenommen, wo waren die Hauptprobleme – und dann versuchen wir, bei unserer Entscheidung zu bleiben. Aber manchmal liegt man halt daneben.

Im Team mit den Assistenten

Michael Gregoritsch: Hast du Assistenten gehabt, die eine andere Linie gehen wollten – wenn du neu mit einem Assistenten zusammengearbeitet hast, dass die eine andere Linie wollten als du, wo du dir gedacht hast: Nach zwei Spielen funktioniert das nicht. Das habe ich als Mitspieler auch: Wenn ein neuer Spieler kommt, komme ich mit dem nicht richtig zurecht. Bei uns sind es aber elf, da kann man uns ein bisschen umstellen, oder es wird ein anderer dementsprechend aufgestellt. Aber hast du es auch gehabt, dass du Linienrichter unter Anführungszeichen erziehen musstest – für deine Linie?

Deniz Aytekin: Naja, bei mir ging es weniger um das Thema, wie die winken oder was sie für ein Verständnis von Foul und Nicht-Foul haben. Sondern es ist eher immer bei mir: Wie ist der Zusammenhalt im Team? Wie kommt ihr zusammen auf dem Platz zurecht? Kannst du denen vertrauen? Es gibt welche, die sind nur mit sich selber beschäftigt. In den Anfängen hatte ich teilweise Assistenten, da hast du gemerkt: Dem war eigentlich egal, was ich drin gepfiffen habe. Hauptsache, er war im Abseits richtig. Das ist halt nicht so schön. Du gehst ja auch als Schiri-Team auf den Platz – genauso wie du als Mannschaft auf dem Platz stehst. Natürlich bist du trotzdem ein individueller Sportler, der Erfolg haben will. Das ist wahrscheinlich bei euch auch so: Es gibt Leute, die denken vielleicht einen Tick wichtiger oder einen Tick mehr an sich als an das Team.

Deniz Aytekin: Sowas haben wir natürlich auch. In den Anfängen habe ich auch Leute dabei gehabt, wo ich gemerkt habe: Wenn ich einen Fehler mache, dann ist das wurscht – gefühlt. Hauptsache, er lag dann richtig. Das fand ich nicht gut. Aber das habe ich Gott sei Dank in den Profiligen gar nicht mehr vorgefunden. Da habe ich immer mit Leuten zusammengearbeitet, wo ich gemerkt habe: Wir haben ein gemeinsames Ziel, und zwar das Spiel vernünftig über die Bühne zu bringen.

Deniz Aytekin: Und was das Spielverständnis anbelangt – darüber reden wir auch immer: Was will ich, wo soll er nicht winken, wo bin ich großzügiger und so weiter. Das sind alles Sachen, die wir in der Absprache durchgegangen sind.

„Ich war zu hart" – Über Ego und Persönlichkeit

Johnny Hofer: Zu Beginn deiner Karriere – wolltest du gefallen, oder war es dir schon wichtig, dass du ein Profil als Schiedsrichter entwickelst?

Deniz Aytekin: Generell ist es so: Ich gehe nicht auf den Platz, um beliebt zu sein oder um irgendjemandem zu gefallen, sondern ich wollte einfach nur das Spiel leiten. Mein Problem war nur am Anfang, dass ich zu hart war. Ich habe jede Rückfrage von einem Spieler als Angriff gewertet. Es ist ja ganz normal, dass jemand kommt und sagt: Du, was hast du da gesehen? Was war denn das? Und wenn du eine ganz normale Aussage als Angriff wertest, dann nimmst du dich wichtiger, als du bist. Da hatte ich wahrscheinlich auch ein zu großes Ego. Weil ich mir gedacht habe: Ich bin jetzt der Schiri in der Mitte, ich habe das zu entscheiden. Wenn einer ganz normal gefragt hat „Du, was war denn das?", bin ich teilweise sehr barsch und sehr hart geworden. So bin ich aber nicht privat. Und irgendwann habe ich mir gedacht: Warum mache ich das? Warum rede ich mit den Leuten nicht ganz normal? Das war ein Thema, das in meinen Anfängen damit verbunden war, dass ich glaube ich – es war eine gewisse Unsicherheit, die ich in mir hatte. Ich war mir nicht sicher und habe die Unsicherheit überspielt mit einer gewissen Härte.

Johnny Hofer: Entschuldigung, darf ich? Gerade in der Zeit, wo du Schiedsrichter wurdest, verbinde ich diese Zeit zu 100 Prozent mit Collina. Irgendwie war der Schiedsrichter damals auch noch dieser Harte – der durchgreift, der quasi Unantastbare. Hast du Vorbilder gehabt in dieser Zeit, an denen du dich orientiert hast? Oder gibt es das gar nicht so richtig?

Michael Gregoritsch: Ja.

Deniz Aytekin: Vorbilder so klassisch, dass ich gesagt hätte: Ich will wie der sein oder wie der oder wie der – das hatte ich nicht. Es ist so: Du musst deine eigene Art finden. Und ich glaube schon ... Korrigiere mich, wenn ich falsch liege: Ich glaube schon, dass man bei mir gewusst hat, jetzt ist irgendwann mal die Grenze erreicht, jetzt ist er sauer. Aber man konnte – zumindest in den letzten sechs, sieben Jahren – ganz normal mit mir reden. Davor war es so, dass ich wenig mit mir reden lassen habe. Und ich habe mir selber die Frage gestellt: Warum ist das so? Aber es war nicht getrieben durch ein Vorbild. Klar, da waren ja schon ganz große Namen auch auf internationaler Ebene – egal ob Collina, Urs Meier und wie sie alle hießen. Das waren ganz große Namen. Jeder hat seine eigene Persönlichkeit, und ich glaube, das ist auch wichtig: dass man seine eigene Persönlichkeit hat und nicht irgendeinem nachahmt. Zumindest nicht eins zu eins. Das war für mich nie das Thema.

Michael Gregoritsch: Hast du Momente gehabt, wo du Entscheidungen getroffen oder einen Auftritt gehabt hast – wie du mit dem Spieler umgegangen bist –, wo du gesagt hast: Das ist ab jetzt meine Benchmark, diese Linie oder diese Entscheidung kann ich in solchen Momenten immer treffen?

Deniz Aytekin: So pauschal – das Problem bei uns oder überhaupt im Fußball ist ja: Jede Situation ist unterschiedlich. Du hast nicht eins zu eins gleiche Situationen, aber natürlich hast du Sachen, wo du sagst: Wenn ich mit dem Spieler so und so umgehe, dann merke ich, der akzeptiert es eher, als wenn ich es so und so mache. Das sind schon Themen, und da gibt es immer wieder unterschiedliche Herangehensweisen. Ich habe immer geguckt: Wie ist der Spieler gerade drauf? Wir sind nicht jeden Tag gleich drauf. Es gibt Momente, wo einer massiv unter Druck steht oder von zu Hause Probleme hat, emotional angeschlagen ist – oder einer trifft ewig nicht oder steht mit dem Rücken zur Wand, Vertragsverlängerung steht an. Das sind alles Faktoren, warum ein Mensch anders agiert als sonst. Ich habe immer versucht, echtes Interesse an den Menschen und an den Spielern zu haben, damit ich verstehe, warum der manchmal vielleicht anders reagiert. Aber ihm dann eigentlich zu helfen, dass er nicht aus der Reihe ... Weil ich gehe ja nicht auf den Platz und warte, bis einer irgendeinen Fehler macht oder bis einer reagiert, damit ich ihn rausschmeißen kann. Das ist nicht meine Zielsetzung. Ich habe versucht, immer auch so als Bindeglied zu agieren, sozusagen.

Deniz Aytekin: Aber klar: Du kannst nicht jedem helfen und kannst nicht jeden zu seinem Glück bringen. Es gibt Spieler, die haben ein Riesen-Ego. Das verstehe ich auch: Wenn du von früh bis abends hörst, was du für ein toller Hecht bist, dann verstehe ich, dass du am Samstag um 15:30 auf dem Platz stehst und dir denkst: Was will dieser Schiri da von mir? Ich bin hier doch der ganz Große. Und das muss man auch ein Stück weit ... Da muss man die Spieler auch in Schutz nehmen und sagen: Okay, das, was von außen passiert, dieses totale Hypen – das ist mit Social Media noch krasser geworden. Die Feedbacks, die man teilweise bekommt – da denkst du ... Die letzten Wochen hat meine Frau gesagt: Es ist Wahnsinn, was die Leute da über dich schreiben und so weiter. Nicht, dass du denkst, du bist jetzt der ganz Große – du musst immer noch den Müll nach außen bringen. Du musst schon dein Zeug machen. Gelbe Karten, Haare und der Pfiff.

Michael Gregoritsch: Eine lustige, vielleicht dumme Frage: Ich habe als junger Erwachsener noch Torjubel zu Hause geübt. Hast du mal geübt, wie du eine gelbe Karte gibst? Oder hast du dich im Fernsehen gesehen und gedacht: Das sieht gut aus? Weil du hast schon krass ... Man muss ehrlich sagen: Wir haben uns am Ende der Karriere sehr oft ruhig unterhalten. Als ich noch jünger war, gab es einen Blick, und dann hieß es: Vorsicht, sonst schämen wir ...

Deniz Aytekin: Nein – geübt vor dem Spiegel habe ich das tatsächlich nicht. Es ist schon so ... Keine Ahnung. Ganz am Anfang war es tatsächlich so, dass ich mich damit beschäftigt habe.

Deniz Aytekin: Das weiß ich noch, weil meine Haare immer zerzaust waren nach dem Spiel. Dann dachte ich: Hey, du schaust aus wie so ein Vogel. Du musst was machen, damit diese blöden Haare halten. Dann habe ich das natürlich mal getestet – die ganze Zeit irgendwelche komischen Gels und Sprays. Bis es dann wirklich gehalten hat. Ich meine: Am Ende, wenn du ausschaust wie ein – was weiß ich –, hat das ja auch eine Wirkung. Du musst schauen, dass du eine gewisse Ausstrahlung hast. Aber dass ich vor dem Spiegel geübt hätte, wie ich die Karte zeige oder so – das habe ich nicht gemacht.

Johnny Hofer: Oder den Pfiff daheim üben.

Deniz Aytekin: Nee, der Pfiff war nie das Problem bei mir, weil ich immer schon laut gepfiffen habe. Das Problem ist eher: Es gibt so Leute, die pfeifen – jüngere Schiedsrichter, jetzt nicht in der Bundesliga, sondern in den Amateurklassen –, die sind so eingeschüchtert, dann pfeifen die ganz leise. Wenn du so leise pfeifst, wird das nichts, weil die Leute merken: Was ist denn das für einer? Du musst eine gewisse Strahlkraft und ein gewisses Selbstbewusstsein haben – und dazu gehört der Pfiff. Da musst du schon vernünftig und ordentlich reinblasen.

Johnny Hofer: Du hast ja nur zwei Pfeifen in deiner Karriere gehabt – genau. Hast du eher eine Ersatzpfeife mitgehabt zumindest?

Deniz Aytekin: Ich habe nur zwei Pfeifen verwendet. Die erste ist kaputt gegangen in der Bezirksoberliga – bei so einem Hallenturnier hat mir einer die Pfeife abgeschossen, und dann ist sie abgebrochen. Danach habe ich eine neue gekauft, und die habe ich bis zum Ende tatsächlich genutzt. Ersatzpfeifen hatte ich auch keine, weil ich wusste: Meine Assistenten haben immer welche dabei.

Deniz Aytekin: Genau – ich habe tatsächlich bisher nur einmal etwas vergessen, und zwar bei meinem ersten Europa-League-Spiel. Das war mein allererstes Spiel in England. Ich glaube, in Birmingham war ich da – ich weiß gar nicht. Das war mein erstes Spiel als relativ junger FIFA-Schiri, und dann haben die mir ein Europa-League-Spiel gegeben. Also es war Gruppenphase auch noch. Wenn du Gruppenphase Europa League pfeifst, ist das schon ... Da dachte ich mir: Wahnsinn, super und toll. Wir haben so ein – für unser Headset – Ohrstück. Das ist passgenau, damit, wenn du da so rumguckst, das Ding nicht runterfällt. Und ich habe nie was vergessen gehabt – aber da habe ich das Ohrstück nicht dabei gehabt. Dann mussten die das irgendwie hinkleben, das hat ausgeschaut ... Ich war mehr mit dem Ohrstück beschäftigt als mit dem Spiel. Aber das war glaube ich ganz gut, weil ich auch angespannt war – erstes Europa-League-Spiel. Dadurch, dass ich die ganze Zeit mit meinem Ohrstück beschäftigt war, lief das Spiel so vorbei, und dann war alles gut auch.

Deniz Aytekin: Ansonsten – das Packen habe ich ritualisiert. Trikots und Schuhe und diese ganzen Sachen, die man dazu braucht, das war standardisiert. Ich habe zum Schluss wirklich nur noch ein paar Minuten gebraucht, weil ich wusste, jeder Handgriff – und ob ich bei zwei Tagen wegfahre oder bei drei. Wenn es Champions League war, dann musste ich am Dienstag anreisen, Mittwoch spielen, Donnerstag zurück. Bundesliga ist immer nur ein Tag, also eine Übernachtung. Das war alles relativ einfach zu handeln.

Lieblingstrikot und Lieblingsverein

Johnny Hofer: Hast du ein Lieblingstrikot gehabt?

Deniz Aytekin: Ein Lieblingstrikot? Ja, von der Farbe ... Ich bin jetzt nicht so abergläubig, aber ich hatte immer so ... Ich habe schon immer gern schwarzes Trikot getragen, weil das so ... Schwarz ist generell meine Farbe. Ich bin immer mit schwarzen Trikots letztendlich unterwegs gewesen. Das heißt: Ich ziehe auch privat nur schwarze Sachen an, nur schwarze Klamotten.

Deniz Aytekin: In der Regel nicht, weil ich denke, ich muss – keine Ahnung. Dann kamen ja irgendwann andere Farben bei uns: Gelb, Rot und Grün, was weiß ich. Das war für mich ein bisschen bizarr, weil als ich angefangen habe, war alles schwarz. Deswegen ist Schwarz – würde ich sagen – meine Farbe.

Johnny Hofer: Du bist ja der smarte Typ, das passt schon. Was noch ein Thema ist: Hat man als Schiedsrichter überhaupt einen Lieblingsclub? Ich meine, als Kind oder als Jugendlicher hast du das ja bestimmt gehabt – aber behält man sich sowas?

Deniz Aytekin: Ich wohne in der Nähe von Nürnberg und war als Jugendlicher schon ein paar Mal beim 1. FC Nürnberg im Stadion. Aber das ging dann so schnell bei mir – es ging immer weiter nach oben. Als Zuschauer im Stadion war ich selber nicht ... Jedes Wochenende habe ich teilweise zwei, drei Spiele gepfiffen. Ich war dann ein paar Mal bei Greuther Fürth und einmal beim 1. FC Nürnberg, aber du hast keinen klassischen Lieblingsverein. Klar – wenn du in der Bundesliga dran bist: Ich verbinde eher die Menschen. Ich mag die Leute, und dann hast du Spieler, mit denen verstehst du dich besser. Das heißt aber nicht, dass ich deswegen quasi für die pfeife oder so was. Weil die Leute immer denken: Der versteht sich mit dem super, deswegen pfeift er für den. Das hat damit gar nichts zu tun. Das ist einfach nur ... Ich mache meinen Job, und jeder Spieler macht halt seinen Job. Mir war immer nur wichtig: Es gab so viele wirklich angenehme Leute in dem Geschäft, wo du dich darauf gefreut hast, sie wiederzusehen.

Abschluss

Johnny Hofer: Michi, hast du noch eine Frage? Sonst würde ich sagen, wir beschließen diese erste Folge mit Deniz jetzt mal.

Johnny Hofer: Genau, wir haben noch einiges vor. Herzlichen Dank erstmal – und auch euch vielen Dank, dass ihr mit dabei wart. Wenn dir diese Folge gefallen hat, abonniere uns gerne und verpasse keine weitere Episode von „Ohne Filter". Wenn ihr Ideen oder Kommentare habt, dann haut's unten rein. Und wenn du außerdem die Videoepisoden sehen möchtest, findest du unseren gesamten Katalog auf dem Kanal Canal+ YouTube.