Ohne Filter – Folge 9

Gregoritsch im WM-Camp: Wenn die Klassenfahrt auf höchstem Niveau stattfindet

Episodenbeschreibung

Michael Gregoritsch meldet sich aus Santa Barbara – und diesmal sitzt er selbst auf dem heißen Stuhl. Johnny Hofer löchert den ÖFB-Stürm er mit Userfragen aus dem WM-Camp: perfekte Bedingungen, Leber vom Teamkoch, nächtliche Golfrunden gegen den Jetlag und ein Kader, der sich anfühlt wie eine Klassenfahrt auf Topniveau. Es geht um Baumgartners Rückkehr, heimliche Entertainer, eine Sammlung von 400 Trikots und die ehrliche Frage, was hinter dem Klischee vom reichen Profi steckt.

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#9 Gregoritsch: Warum Geld den Kopf nicht aufwiegt

Das erwartet dich in der Folge

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    WM-Camp zwischen Vorfreude und Klassenfahrt-Feeling

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    Pool, Golf und Würfelpoker gegen den Jetlag

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    Baumgartner, Freundschaft und Teamgeist im Fokus

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    400 Trikots, Messi und die Kunst des Sammelns

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    Mentaler Druck und die WM als Once-in-a-Lifetime-Chance

Transkript der Folge

Servus nach Santa Barbara: Ankommen im WM-Camp

Johnny Hofer: Ihr habt vielleicht Taylor Swift, aber wir haben Gregoritsch – unseren kalifornischen Sonny Boy mit einem linken Pratzerl zum Verlieben. Servus nach Santa Barbara, Gregorl.

Michael Gregoritsch: Servus zurück nach Wien, guten Morgen!

Johnny Hofer: Gerade erst aufgestanden – und passend dazu, lieber Gregorl, hast du heute einmal die Ehre, dass du zum Einstieg in unseren Podcast Fragen gestellt bekommst. Wie trinkst du deinen Kaffee in den USA?

Michael Gregoritsch: Wir haben uns frühzeitig darum gekümmert, eine Siebträgermaschine mitzunehmen, und dementsprechend haben wir perfekten Espresso in der Früh, mittags – und am Abend eher nicht mehr. Außer ich muss den Jetlag ein bisschen überwinden.

Johnny Hofer: Breakfast Muffin oder Eggs Benedict?

Michael Gregoritsch: Dann nehme ich den Breakfast Muffin, der hat weniger Kalorien.

Johnny Hofer: Meer oder Pool?

Michael Gregoritsch: Ich bin eher der Poolgeher, weil es am Meer so lange dauert, bis die Füße wieder sauber sind und der ganze Sand weg ist. Also lieber duschen.

Johnny Hofer: Und Fußball oder Golf? Ich weiß, das ist prinzipiell eine schwierige Frage für dich.

Michael Gregoritsch: Prinzipiell schwierig, aber es ist trotzdem noch immer Fußball – und das ist gut so.

Erste Eindrücke und perfekte Bedingungen

Johnny Hofer: Michi, nimm uns mal ein bisschen mit. Du hast ja schon Eindrücke sammeln können, ihr habt euch akklimatisiert, an die neue Umgebung gewöhnt. Wie sind die Eindrücke, wie ist bislang die Zeit für dich?

Michael Gregoritsch: Ja, extremely cool. Wir sind jetzt seit einer Woche da, seit letztem Donnerstag. Man gewöhnt sich immer mehr daran, es ist wirklich extrem aufregend, es sind extrem viele Eindrücke. Die Amerikaner, mit denen wir zu tun haben, sind wirklich sehr offen und herzlich, sie lassen einen sich wohlfühlen. Ich habe echt das Gefühl, dass die Mannschaft es nicht mehr erwarten kann, dass es endlich losgeht. Es ist wichtig, dass man Spiele schauen kann und sich nicht nur akklimatisiert. Ich bin sehr, sehr happy, hier vor Ort zu sein. Es macht unglaublich viel Spaß, das sind wirklich perfekte Bedingungen.

Johnny Hofer: Bedingungen angesprochen: Es ist ja schon etwas anderes, wenn man auf der anderen Seite der Weltkugel kickt und trainiert. Wie ist das?

Michael Gregoritsch: Mir ist es total oft passiert, dass ich einfach so dagestanden bin und mir gedacht habe: Ich spiele eine Weltmeisterschaft, wir sind gerade in Kalifornien. Das habe ich auch oft angesprochen, weil es für mich zum Realitätscheck dazugehört hat.

Trainingsplätze, Rasen und die Arbeit des ÖFB

Michael Gregoritsch: Es ist wirklich ein anderer Rasen, als wir ihn in Europa gewohnt sind – fast moosartiger, ein bisschen stumpfer. Und trotzdem ist er gut. Daneben haben wir ein Fitnesszelt, das vom ÖFB perfekt ausgestattet ist. Wir haben sehr gute Kabinen, da sind wir nur kurz zum Duschen nach dem Training. Der Campus ist auch gut, eine gute Viertelstunde mit dem Bus weg. Man sieht, wie viele Gedanken sich der ÖFB gemacht hat, damit es uns einfach perfekt geht.

Johnny Hofer: Du hast den Rasen angesprochen – wie lange brauchst du eigentlich, bis du dich an so einen anderen Rasen gewöhnst? Was verändert das für dich?

Michael Gregoritsch: Er verändert insofern etwas, als er ein bisschen stumpfer ist und mehr klebt, unter Anführungszeichen. Ein Nicht-Fußballer versteht das gar nicht so richtig. Es ist wirklich wie eine Moos-Beschaffenheit, die man aus südlichen Ländern kennt. Kalifornien ist sehr warm, obwohl das Wetter mit dem Wind am Meer teilweise sehr angenehm ist. Aber man gewöhnt sich am zweiten, dritten Tag daran, weil der Ball ein bisschen anders springt und anders rollt. Deswegen ist es extrem wichtig, dass wir an den Spielorten nochmal trainieren, weil es im mittleren Teil des Landes nochmal etwas anderes sein kann.

Teamküche, Leber und das Leben im Camp

Johnny Hofer: Was in so einem Teamcamp extrem wichtig ist, ist das Drumherum. Dazu haben wir eine Userfrage von einem gewissen Robert Almer bekommen, den kennst du vielleicht. Er möchte wissen: Wer kocht besser, Tamino oder Fritz?

Michael Gregoritsch: Das ist sehr schwierig. Das sind die Krampelhuber-Brüder, die uns seit zehn Jahren bestens versorgen, beide sind gute Freunde geworden. Mit Fritz bin ich noch ein bisschen enger, weil er wirklich immer dabei ist. Der Tamino hat oft schwerere Bedingungen, weil er auch die Auswärtsspiele macht. Fritz macht sehr gute Sonderwünsche, und der Tamino ist unschlagbar bei seinen Desserts – da hat er ein sauberes Händchen. Vielleicht ist es gut, dass der Tamino nicht immer dabei ist, sonst hätte ich schon das eine oder andere Kilo mehr drauf.

Johnny Hofer: Aber welche Sonderwünsche hast denn du?

Michael Gregoritsch: Ich bin ein riesengroßer Leberfan. Das ist in einer Gruppe oft sehr schwer reinzubringen. Für mich ist Leber das Superfood schlechthin, und das zaubert Fritz perfekt.

Johnny Hofer: Gebratene Leber oder auch gerne mal die gebackene?

Michael Gregoritsch: Nein, nein – geröstet, geröstet. Innen rosa, leichtes Aroma. Perfekt.

Johnny Hofer: Das kann ich zu 100 Prozent nachvollziehen. Jetzt habt ihr die WM vor der Brust, aber der Ernstfall ist noch nicht da, die erste Partie ist noch ein bisschen hin. Wie gemütlich ist es jetzt eigentlich noch rund um die Trainingsanlage?

Michael Gregoritsch: Das ist grundsätzlich gemütlich. Bei Turnieren machen wir uns keinen Stress, weil das Wichtigste ist, dass du dich so gut regulierst, dass du beim Training perfekt performen kannst. Privat machst du, was du möchtest – und das ist sehr geil, ehrlicherweise. Wir haben zwei Pools, wo viele Spieler miteinander abhängen, du hast Golfplätze in der Nähe, das Stadtzentrum von Santa Barbara ist eine Viertelstunde weg. Aber vor allem: Du bist mit deinen Jungs, die du ewig kennst. Das ist wie eine Klassenfahrt – nur mit einem Vormittag, an dem du immer auf höchstem Niveau performst. Gegen wen wirst du nicht verlieren wollen im Training? Gegen deine Freunde. Ich vergleiche das immer ein bisschen mit der Doku über das Dream Team bei Olympia 1992, wo sie sagen, das beste Basketball, das sie je gespielt haben, war eigentlich das, was sie intern gespielt haben. Das Niveau hier im Training ist wirklich extrem gut.

Golf gegen den Jetlag und Baumgartners Rückkehr

Johnny Hofer: Du hast die Golfplätze angesprochen – ist sich schon eine Runde ausgegangen?

Michael Gregoritsch: Ja. Vor allem lustigerweise, weil wir am Anfang wach bleiben mussten. Am ersten Tag haben wir nicht gespielt, da waren wir erst um 17 Uhr im Hotel. Aber am zweiten Tag bist du theoretisch um halb zwei mit dem Mittagessen fertig, und dann geht es darum, den Tag so zu verbringen, dass du wach bleibst. Wenn 15 Uhr hier ist, ist es null Uhr in Österreich. Deswegen sind wir tatsächlich zwei, drei Mal eine Runde gegangen, einfach um wach zu bleiben.

Johnny Hofer: Dein Golf-Buddy, der Baumi – kommt er jetzt nach? Wie viel Austausch hattet ihr, wie geht es ihm? Die OP ist ja zum Glück gut verlaufen.

Michael Gregoritsch: Erst war es ein Riesenschock. Leider habe ich direkt gemerkt, dass es etwas Ernsteres ist, und dass es dann so ernst ist, war natürlich sehr schlimm und traurig für mich. Wir haben den einen oder anderen Moment geteilt, was in einer Freundschaft wichtig ist – dass man füreinander da ist. Ich freue mich riesig, dass er nachkommt. Er ist extrem wichtig für mich persönlich und für die Gruppe, ein Energiegeber. Alles ist gut verlaufen, und ich glaube, es wird ihm guttun, wenn er sich den Schmäh reinholt. Wenn man so etwas mit einem engen Freund gemeinsam teilen kann, dann hat man etwas, worauf man später zurückschauen kann.

Johnny Hofer: Ich habe schon überlegt, welche Rolle er vielleicht haben kann – ich denke an die Rolle, die David bei der Europameisterschaft hatte.

Michael Gregoritsch: Genau an die gleiche Rolle denke ich. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass er das eine oder andere Trainingsspiel als Schiedsrichter begleitet. Der Baumi ist so ein feiner Kerl, das ist kein Geheimnis mehr. Wie er mit dieser Verletzung umgegangen ist und wie er in Gesprächen mit mir gezeigt hat, was für ein herausragender Mensch er ist – wir werden eine Rolle finden. Und wenn er nur der Kuschelpartner im richtigen Moment ist.

Einzelzimmer, heimliche Entertainer und Fauxpas im Camp

Johnny Hofer: Der Janik möchte wissen: Mit wem teilst du dir das Zimmer, und wessen Zimmer ist am chaotischsten?

Michael Gregoritsch: Da muss ich ihn enttäuschen – wir haben alle Einzelzimmer. Das ist bei so einem langen Turnier auch gut, dass man sich zurückziehen kann. Wir hängen wirklich sehr viel miteinander ab, ich gehe teilweise erst um 22 Uhr ins Zimmer, manchmal später. Da geht es von Kopfball-Duellen im Pool über gemeinsame Behandlungen bis zu den Morgenshows im österreichischen und deutschen Fernsehen. Gestern haben wir lange Würfelpoker gespielt. Der Schmäh rennt, die Beschäftigung rennt – und dann ist es gut, dass ich mich auch mal allein zurückziehen kann.

Johnny Hofer: Gibt es so eine Truppe, bei der man aufpassen muss, dass man nicht in irgendeiner Situation auf der Schippe genommen wird?

Michael Gregoritsch: Tatsächlich gibt es ein paar. Das beginnt bei den Ältesten mit Marko und David. Der Flo Grillitsch ist einer der schlagfertigsten Menschen, die ich je kennengelernt habe. Dann muss man auf die zwei Jungen aufpassen, Pauli Wanner und Nnamdi Collins. Die sind auch sehr gefährlich. Wenn einem selbst ein Fauxpas passiert, schaut man direkt, ob ihn jemand gesehen hat – und meistens steht jemand daneben. Ich bin vor zwei Tagen beim Schlafen im Physio-Raum gefilmt worden. Man muss immer sehr vorsichtig sein mit den Dingen, die man in dieser Öffentlichkeit macht.

Johnny Hofer: In der geschlossenen Öffentlichkeit. Bronco Erick hätte gern gewusst: Wer ist der heimliche Entertainer in der Mannschaft? Gibt es so etwas überhaupt?

Michael Gregoritsch: Wahrscheinlich der, der in der Öffentlichkeit nicht so oft genannt wird. Wie gesagt, den ich unglaublich lustig finde, ist der Flo Grillitsch. Der hat so einen smarten Schmäh, der ist so schlagfertig, mit dem kann ich stundenlang lachen. Er ist nicht der lauteste und extrovertierteste in der Öffentlichkeit, aber in der privaten Runde gehen meine Props groß raus an den Griller.

WM-Stimmung, Geheimfavoriten und Vorbereitung

Johnny Hofer: Interessant ist: Wie viel WM-Stimmung hast du schon in dir drin, oder setzt das erst richtig ein, wenn die ersten Spiele absolviert sind? Aus meiner Sicht ist es noch ein bisschen eine Warterei.

Michael Gregoritsch: Das verstehe ich. Aber in Österreich erlebe ich es gerade so, wie ich es noch nie erlebt habe. Da bin ich selbst überrascht. Man hat eigentlich auf den Einzug ins Teamcamp gewartet, und dann ist man da und hat zunächst nicht den extremen Bezug zur WM. Aber als ich in den Flieger gestiegen bin, als wir gelandet sind, und als ich heute die Tickets über die FIFA-Ticket-App bekommen habe – da kribbelt es immer mehr. Das Kribbeln ist da, und wenn die ersten Spiele beginnen, kommt noch mehr. Wir haben jetzt nochmal einen Tag frei, danach geht es Richtung Spieltag. Dann geht es ab.

Johnny Hofer: Maxibo17 fragt: Welche Nation – Österreich mal außen vor – wird alle überraschen?

Michael Gregoritsch: Die Frage ist, was eine Überraschung ist. Mich persönlich würde es nicht überraschen, wenn Japan weit kommt. Norwegen wird immer wieder genannt, ehrlicherweise sehe ich sie nicht so weit vorne. Ich glaube, die Schweiz könnte eine gute Rolle spielen, sie haben eine relativ angenehme Gruppe – zumindest von außen betrachtet. Und Ecuador hat in der südamerikanischen Qualifikation eine recht gute Rolle gespielt. Aber ich möchte trotzdem uns nennen: Wenn wir an 100 Prozent herankommen, haben wir gute Möglichkeiten, den einen oder anderen Überraschungsmoment zu bringen.

Johnny Hofer: Wie viel hast du dich eigentlich mit den Gruppengegnern und der ganzen WM beschäftigt? Du bist ja schon ein Sportnerd.

Michael Gregoritsch: Ehrlicherweise nicht, auch nicht über unsere Gruppengegner. Ich bin ein großer Freund der Analysen unseres Trainerteams und wollte mir selber keinen Eindruck verschaffen, bevor mir der Trainer den Eindruck gibt. Der erste Gegner ist Jordanien, damit beschäftige ich mich jetzt. Dann kommt Argentinien – da hat man im Kopf, dass sie vor vier Jahren Weltmeister waren, aber das ist vier Jahre her. Und dann kommt Algerien, da denkt man an das Achtelfinale 2014 gegen den späteren Weltmeister, aber das ist zwölf Jahre her. Eine Fußballmannschaft verändert sich innerhalb von Wochen. Einen Eindruck aus einem März- oder November-Lehrgang zu ziehen, wäre für mich naiv. Ich hätte gern die perfekte Vorbereitung vom Trainerteam – ich habe schon die eine oder andere Analyse gesehen –, und ab da wird es wichtig, dass ich mich mit dem Gegner und den einzelnen Spielern beschäftige.

Johnny Hofer: Und wie schaut deine eigene Vorbereitung aus? Wie geht es dir persönlich vom Gesamtpaket Fußballer?

Michael Gregoritsch: Mir geht es gut, sehr gut sogar. Ich bin sehr happy über das letzte halbe Jahr, viele Spiele, viele Tore. Ich hatte viele Möglichkeiten, mich zu zeigen, weil es in der Mannschaft und im Training gut funktioniert hat. Deswegen bin ich mit einer Riesenvorfreude hergeflogen. Ich habe das Gefühl, dass ich sehr gut drauf bin – es hat sich gut angefühlt nach dem Überwinden des Jetlags. Wenn ich jetzt eine Zeitmaschine hätte, würde ich auf den Knopf drücken und vorspulen, damit es endlich losgeht.

400 Trikots: Die Sammelleidenschaft

Johnny Hofer: Die Zeitmaschine angesprochen: Wenn das Spiel gespielt ist, möchte Bernd die 27 wissen, was du eigentlich mit deinen getragenen Trikots machst. Sammelst du, tauschst du, oder ist es dir wurscht?

Michael Gregoritsch: Ich bin ein Riesensammler, ich habe 400 Dressen daheim. Ich muss auch mal aussortieren, weil es viel Platz braucht. Ich habe zum Beispiel ein Dress von San Marino, eines von Harry Kane aus England – das letzte Dress von Thomas Müller. Mit Julian Brandt habe ich getauscht. Wenn man zehn Jahre gegen diese Spieler spielt, ist es geil, diese Erinnerungen zu haben. Ein Dress von Miralem Pjanic aus Bosnien habe ich auch. Die Dressen von der WM werde ich vermutlich pro Spiel im engsten Familienkreis verschenken, vielleicht zwei oder drei behalte ich oder tausche sie. Die Frage ist immer, mit wem ich tausche – mit einem Spieler, der meine Größe hat, damit ich es anziehen kann? Oder tausche ich mit Messi – dann ziehe ich danach eben alle kleinen Dressen an.

Johnny Hofer: Du hast ein paar Dressen erzählt – gibt es das eine Stück, das für dich das wichtigste ist, oder hängen an vielen Geschichten?

Michael Gregoritsch: Beides. Es gibt sehr viele Geschichten. Ich glaube, dieses Harry-Kane-England-Trikot von 2021 war extrem geil. Er war damals so ein bisschen weniger erreichbar, weil er in der Premier League gespielt hat. Er war schon lange Profi, und es hat sich damals nicht abgezeichnet, dass er nach Deutschland wechseln würde – und auch nicht, dass ich nach England wechseln würde. Ich war lange ein großer Fan von ihm, weil ich mir gedacht habe, er ist wirklich ein geiler Spieler. Dieses Dress hat einen Wert für mich.

Die größte Illusion über das Profi-Dasein

Johnny Hofer: Jetzt werden wir zum Ende hin ein bisschen tiefgründiger. CaptainSash24 möchte wissen, was die größte Illusion über das Profi-Dasein ist.

Michael Gregoritsch: Der dümmste Satz, den ich immer höre, ist: Die verdienen Millionen, die können das schon ab. Es gibt keinen finanziellen Wert, der irgendetwas Mentales aufwiegen kann. Wenn diese Leute wüssten, wie sehr der Mensch hinter dem Fußballer mitleidet – egal ob er nicht von Beginn an spielt, früh ausgewechselt wird, nicht im Kader ist, verletzt ist oder schlecht gespielt hat. Es gibt so viele Dinge, die ein Fußballerleben schwer machen, weil man mit vollem Herzen dabei ist und extrem viele Menschen glücklich machen möchte. Selbst wenn es nur die eigene Familie ist – man ist ja selbst enttäuscht, wenn man die Leistung nicht bringt. Man ist im Vollstress mit Training und Spielen, und emotional dabei zu bleiben, ist wirklich schwer. Natürlich haben wir das extreme Privileg, sehr viel zu verdienen, das ist wunderschön und das genießen wir auch. Aber das kann niemals den mentalen Stress aufwiegen, der manchmal schlechte Entscheidungen hervorruft.

Druck, Leichtigkeit und die Chance once in a lifetime

Johnny Hofer: Dahingehend – mentaler Stress: Ist diese Vorbereitung mit den perfekten Bedingungen vielleicht eine der größten Leichtigkeiten, die du im Fußball erlebst, weil etwas so Großes vor der Brust steht? Oder sind Druck und Leichtigkeit in der Waage?

Michael Gregoritsch: Das ist in der Waage. Es ist eine Once-in-a-Lifetime-Chance. In vier Jahren bin ich 36, ich weiß nicht, ob ich dann noch spiele. Ich will nicht aus dieser Weltmeisterschaft rausgehen und sagen: Ich war dabei, war cool. Ich will den maximalen Erfolg, weil ich glaube, dass das extrem weitreichende Folgen für das ganze Land haben könnte. In jedem Training geht es um Plätze, in jeder Aktion am Ball und auch im Defensivverhalten. Man möchte Teil sein auf dem Platz. Gott sei Dank akzeptiert man mittlerweile einen Tick besser, wenn man nicht jede Minute spielt. Leichtigkeit ja, aber es ist kein Urlaub. Perfekte Bedingungen ja, aber es ist die Weltmeisterschaft, die wir uns erarbeitet und verdient haben. Und jetzt erarbeiten wir uns wieder etwas Neues, weil wir wie die anderen 47 Mannschaften auf Stand null sind.

Erste WM seit 1998: Vorfreude auf beiden Seiten

Johnny Hofer: Jetzt hast du mich gepackt, Gregorl, mit dem Wort once in a lifetime. Ich bin 37, bei der WM 98 war ich ein kleiner Bub. Ich habe mich ein paar Mal bei dem Gedanken erwischt, dass es tatsächlich die erste WM ist, die ich so richtig von außen mitkriege. Das ist so geil, und ich freue mich auf jede Partie, die ich euch zuschauen kann. Es gibt so viele aus dieser Generation, die es nicht gewohnt sind, dass Österreich bei Großereignissen dabei ist. Eine WM ist halt nochmal eine andere Liga. Auch wenn das Kribbeln vorher noch nicht so groß war – ich bin derartig gehyped. Vor allem freue ich mich auf den Moment, wenn die Mannschaften zum Aufwärmen rauskommen.

Michael Gregoritsch: Ja, genau das ist es. Es geht um diese kleinen Momente, die du sammelst. Natürlich ist heute ein kleiner Wind durchgezogen, es ist frisch. Aber es geht mir die ganze Zeit nach – diese kleinen Momente, wenn du allein die Bandenwerbung siehst. Das ist anders als bei einem normalen Spiel, und Länderspiele sind sowieso schon Wahnsinn. Ich muss wirklich versuchen, mich emotional ein bisschen runterzuholen, weil man nicht überemotionalisiert in so ein Spiel gehen kann. Es steckt so viel Bedeutung dahinter. Diese klaren Momente, wenn es laut wird – das hast du bei einem Großturnier, das du vielleicht schon zweimal bei einer Europameisterschaft erleben durftest, und es ist trotzdem anders. Die Stimmung ist anders, die Musik ist anders, mehr Kameras, die Plätze sind perfekt. Es ist ein Riesenaufwand. Stand jetzt ist das meine einzige Chance, eine Weltmeisterschaft zu spielen. Wie dumm wäre es, die nicht zu nutzen?

Die absurdeste Frage und ein Schlusswort

Johnny Hofer: Absolut. Ich bin jetzt offiziell im WM-Modus. Bald geht es für mich auch über den großen Teich: Österreich gegen Jordanien, zum ersten Mal seit 1998 wieder eine Fußball-WM. Zum Abschluss habe ich noch eine Frage, die ich selbst nicht ganz verstehe und absurd finde. Mike Mo möchte wissen: Was ist wichtiger, die Heuernte oder eine gebrochene Hand? Ich habe keine Ahnung, was er damit bezweckt.

Michael Gregoritsch: Das weiß ich auch nicht, ehrlicherweise. Deswegen würde ich sagen: Ich enthalte mich – hauptsächlich meiner Gesundheit zuliebe. Ich glaube, mehr braucht man dazu nicht sagen.

Johnny Hofer: Das ist ein schönes Schlusswort. Gregorl, ich habe mir gedacht, das war die absurdeste Frage, die gekommen ist, die nehme ich dazu. Aber wir konnten leider kein Licht ins Dunkel bringen. Ich freue mich, wenn es losgeht, und ich habe mich riesig gefreut, dass du dir nochmal Zeit genommen hast – heute mal in einer anderen Konstellation, als Fragenbeantworter und nicht als Fragensteller. Michi, ich hoffe, ihr habt noch eine gute Zeit, bis es losgeht. Die letzten Worte gehören dir.

Michael Gregoritsch: Ja, danke, Johnny, für diese erste Staffel. Danke an alle drumherum für diese lustige, neue, spannende Zeit, weil ich noch nie in dieser Rolle war. Stefan Nover, danke, dass du mir immer zeigst, wie ich meine Kamera hinstellen muss. Danke auch an Canal+, dass sie es möglich gemacht haben, dass wir beide unseren Podcast haben. Danke an alle Zuschauer und Zuhörer, dass ihr uns zugehört habt. Wir versuchen, das nach der Weltmeisterschaft weiterzuführen. Es war wirklich sehr lustig, jede Folge. Ich freue mich, wenn wir uns in San Francisco sehen – das Gregoritsch-Trikot wird hoffentlich auf deinem Rücken sein. Es war sehr geil. Ich wünsche euch allen eine gute WM und uns auch.

Johnny Hofer: Das hoffe ich auch. Wenn dir diese Folge gefallen hat, abonniere uns gern und verpasse keine weitere Episode von Ohne Filter. Wenn du die Video-Episoden sehen möchtest, findest du den gesamten Katalog auf dem Canal+ YouTube-Kanal. Während der WM geht es bei uns ohne den Gregorl weiter – du wirst dich hoffentlich ein paar Mal kurz melden, aber sonst gilt die volle Konzentration der Fußballweltmeisterschaft. Dafür wünschen wir dir nur das Allerbeste. Und möge dein linkes Pratzerl mit dir sein – da habe ich vollstes Vertrauen. Ohne Filter ist ein Canal+ Podcast, produziert von Best Villa Digital.